+
Gemeinsame Auftritte wie hier in der Heuchelheimer Martinskirche gehörten vor der Pandemie zum »Liederkranz«-Standardrepertoire.

Liederkranz Heuchelheim

»Luwichs Gesangverein« besteht seit 150 Jahren

Am 18. Dezember wurde vor 150 Jahren der Grundstein für den Gesangverein »Liederkranz« gelegt. Mit 26 Sängern wurde 1871 die erste Singstunde durchgeführt.

Heuchelheim (red). Der Gesangverein »Liederkranz« wurde am 18. Dezember 1871 gegründet. Den eigentlichen Anlass für die Gründung gab der in Heuchelheim bereits bestehende Gesangverein »Teutonia«. Dessen Dirigent betrieb massiv Werbung unter den jungen Burschen. Dadurch wurden einige jungen Leute besonders aufmerksam und beschlossen, einen weiteren Gesangverein zu gründen.

1893 Fahne angeschafft

Schon eine Woche danach wurde mit 26 Sängern eine erste Singstunde im Gasthaus »Zum Ritter« unter der Leitung des Regimentsmusikers Volk aus Gießen durchgeführt. Der Verein entwickelte sich gut und 1893 konnte eine Vereinsfahne angeschafft werden, die heute noch dem AGV »Liederkranz« als Symbol dient. Der Chor hatte sich dem Volkslied und dem Chorgesang verschrieben.

In den Anfangsjahren wurde das Vereinslokal gewechselt und die Gastwirtschaft von Ludwig (Luwichs) Steinmüller wurde Stammsitz und zwar bis 1973. Danach wurde nochmals gewechselt und seitdem dient die Turnhallengaststätte als Vereinslokal, bis heute. Lange geläufig war deshalb »Luwichs Gesangverein«.

Der Arbeiter-Bildungsverein gründete im Jahre 1900 eine Gesangsabteilung mit 30 Sängern. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde am 7. Dezember 1919 der Arbeiter-Gesangverein Heuchelheim gegründet. Die Pflege des Gesangs von Freiheitsliedern und die Mitwirkung bei Veranstaltungen und Feiern der organisierten Arbeiterschaft galt vornehmlich als Wirken des Vereins. 1933 wurde mit dem Verbot vieler anderer Arbeiterorganisationen auch der Arbeiter-Gesangverein Heuchelheim zur Auflösung gezwungen. Die meisten Sänger traten dem Gesangverein »Liederkranz« bei. Eine Neubildung des Arbeiter-Gesangvereins funktionierte nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr, weil die meisten Sänger damals beim »Liederkranz« sangen.

Zusammenschluss

In einer Gründungsversammlung am 13.Januar 1946 beschloss man den Zusammenschluss zum heutigen Arbeiter-Gesangverein »Liederkranz« Heuchelheim. Mit 100 Sängern etwa entwickelte sich ein reges Vereinsleben. 1951 wurde das 80-jährige Jubiläum gefeiert und 1971 mit großen Festveranstaltungen der 100. Geburtstag auf dem Festplatz »Im Linn«. 1973 wurde ein Frauenchor gegründet. 1981 erfolgte der Eintrag ins Vereinsregister und damit erlangte der Gesangverein die Gemeinnützigkeit. Neben dem gemischten Chor bestand ein Frauen- , ein Männer- und ein Quartettchor. Bei vielen Gelegenheiten, besonders bei den Wintervergnügen, wirkte auch ein gemischter Quartettchor und später dann die »Lustigen Liederkranzsänger« mit.

Die Chorleiter nach dem Zweiten Weltkrieg waren Rudolf Nicolai (1946 bis 1975), Antonius Nachtsheim (1976 bis 1978), Berthold Bernhardt (1979 bis 2014) und seit 2014 Daniel Kaiser. Rudolf Nicolai wurde beim Wintervergnügen 1976 zum Ehrenchorleiter ernannt.

Seit Januar 1990 bestanden freundschaftliche Beziehungen mit dem Chor »Cantabile« aus der späteren Partnergemeinde Dobrzen-Wielki aus Polen. Der damalige erste Vorsitzende Herbert Freitag und der Leiter der »Fidelen Dorfmusikanten« Bernhard Huber waren die Drahtzieher dieser Verbindung. Gemeinsames Singen und Konzerte beider Chorgruppen waren Höhepunkte vieler Begegnungen. Besonders der Auftritt des Chores »Cantabile« beim 125-jährigen Jubiläum des AGV »Liederkranz« auf dem Festplatz »Im Linn« war ein unvergessliches Erlebnis. Das große Jubiläum, dass 1996 über vier Tage auf dem Festplatz gefeiert wurde, war das letzte große Fest, das mit Kinderchortreffen, Freundschaftssingen, Festkommers, Musikabend, Gottesdienst und Frühschoppen abgehalten wurde.

Beliebte Wintervergnügen

Besonders beliebt waren innerhalb der Vereinsfamilie die jährlichen Wintervergnügen. Diese wurden immer mit einem reichhaltigen musikalischem Programm, Musik und Tanz durchgeführt. Auch Gastchöre wie Heiterkeit Gießen, SKG Rodheim oder auch der Frauenchor aus Fronhausen wurden eingeladen. In den Jahren 2008 bis 2017 wurde das Wintervergnügen gemeinsam mit dem Gesangverein »Teutonia« durchgeführt. Nachdem diese ihren Gesangsbetrieb einstellen mussten, endete auch im »Liederkranz« diese langjährige Tradition! Trotzdem ist und war das Vereinsleben des AGV »Liederkranz« immer sehr vielseitig. Wanderungen, Tages-und Mehrtagesausflüge, »Singen im Grünen«, Herbst- und Weihnachtskonzerte, Mitwirkung am Martinsmarkt, gemütliche Treffen in der Turnhalle, Adventsfeiern, alle diese Veranstaltungen wurden immer mit viel Freude gestaltet und durchgeführt. Auch die jahrzehntelangen Nachfeiern nach dem Wintervergnügen, die mit Musik, Spielen und Überraschungsgästen durchgeführt wurden, waren bei allen Mitgliedern sehr beliebt.

Besonders in Erinnerung bleibt Chorleiter Berthold Bernhardt, der fast 35 Jahre die Chorgruppen geleitet hat. Nach seinem Tod 2014 war nicht klar, ob der »Liederkranz« überhaupt weitermachen würde. Der neu gewählte Chorleiter Daniel Kaiser verlieh dem Chor jedoch neues Selbstvertrauen.

Die letzten beiden Konzerte »O du stille Zeit« (Kirche 2017) und »Singen bewegt« (Turnhalle 2018) haben gezeigt, welches Potenzial im AGV »Liederkranz« noch steckt. Eine breite Palette vom klassischen Chor, Volkslied, Musical bis zu modernen Titeln von Nena und Grönemeyer, selbst afrikanische Rhythmen beherrschte der Chor mit Begeisterung.

Wird ein Singen wieder möglich sein, besteht auch die Hoffnung, das 150-jährige Jubiläum mit einer Veranstaltung in würdiger Form nachzuholen.

Das könnte Sie auch interessieren