1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Kreis Gießen

Macht der Krieg das Brot teuer?

Erstellt:

gikrei_klk_Baecker_Kroeck__4c_1
Das duftet lecker, wenn Bäckermeister Kröck aus Lich die frischgebackenen Hefe-Häschen aus dem großen Backofen holt. © Kächler

Heimische Bäcker sorgen sich wegen erheblicher Kostensteigerungen. Werden bald die Backwaren teurer?

Kreis Gießen. Es ist heiß in der kleinen Backstube, und es duftet lecker. Bäckermeister Andreas Kröck stehen Schweißperlen auf der Stirn als er die leicht gebräunten Hefe-Häschen aus dem Backofen holt. Doch die Idylle trügt. Jedenfalls momentan. »Nicht nur das Mehl kostet uns bereits doppelt so viel wie vor einem Jahr«, klagt der Bäckermeister. Für Schokolinsen bis hin zur Backhefe flatterten fast täglich neue Preislisten ins Haus. »Die Eier werden teurer, weil das Futter anzieht, und auch alle Malzprodukte schießen wegen der gestiegenen Energiepreise durch die Decke. Vom Öl ganz zu schweigen«, so Kröck. der 2007 die Bäckerei Röhm in Lich übernahm und sie heute gemeinsam mit seiner Frau Melanie betreibt.

»Lieferengpässe bei Backwaren sind zwar nicht zu befürchten, doch die steigenden Produktionskosten durch den Ukraine-Krieg machen dem Bäckerhandwerk schon sehr zu schaffen«, betont Bernd Braun, Obermeister der Gießener Bäckerinnung,

Grundversorgung nicht gefährdet

»Mit einem Selbstversorgungsgrad an Getreide von teilweise über 100 Prozent sind Sorgen unbegründet, dass die Handwerksbäcker bald nicht mehr genügend Backwaren anbieten können. Doch die steigenden Kosten können dazu führen, dass Betriebe diese durchaus an Verbraucher weitergeben müssen,« erläutert dazu Michael Wippler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. Auch wenn der russische Exportstopp für Weizen keine direkten Auswirkungen auf die Produktion bei uns habe, würden sich doch weltweit Lieferketten verändern und damit den Weltmarkt und schließlich die Börsenpreise beeinflussen. »Das werden wir auch in Deutschland zu spüren bekommen.«, schätzt Wippler.

»Vor allem die Preise für Strom, Gas, Öl und Benzin bereiten unserem energieintensiven Bäckerhandwerk derzeit Sorgen«, ergänzt der Gießener Obermeister. Aber: »Ob die Betriebe wirklich die Preise anpassen, entscheidet jedes Unternehmen individuell.«. Die Preisbildung von Backwaren sei immer von der Kalkulation und Kostenstruktur des jeweiligen Unternehmens abhängig, so Braun.

Bäckersterben schreitet voran

Doch das sind nicht die einzigen Sorgen des stolzen Handwerks. Das Bäckersterben wird gerade auch im Landkreis Gießen deutlich. Gehörten 1972 noch 116 Bäckereibetriebe in Stadt und Kreis der Bäckerinnung an, sind es heute gerade einmal elf.

Vor allem Großbäckereien und Supermärkte stellen eine riesige Konkurrenz dar. »Vor 50 Jahren hat man sein Toastbrot noch beim Bäcker gekauft«, schildert Braun. »Inzwischen backen wir schon gar keinen Toast mehr, weil wir gegen die Preise in den Märkten keine Chance haben.«

Corona recht gut überstanden

Die Bäckerei Röhm gehört wie die Bäckereien Lambertz in Gießen und Seidl in Krofdorf-Gleiberg zu den wenigen kleinen Geschäften, die keine eigenen Filialen betreiben.

»Es sind zwar praktisch keine Hochzeitstorten bestellt worden, aber im Laden hatten wir eher noch Zuwachs«, schildert Andreas Kröck.

Auch Meister-Kollege Peter Seidl von der gleichnamigen Bäckerei in Krofdorf-Gleiberg bestätigt, dass er als »Kleiner« die Pandemie recht gut überstanden habe. »Dadurch, dass viele nicht mehr nach Frankfurt an die Arbeit gefahren sind, sondern im Homeoffice waren, standen plötzlich Kunden im Laden, die ich sonst nur auf der Straße getroffen habe.« Auffällig dabei sei vor allem die große »Männerriege« gewesen, scherzt Seidl.

Obermeister Braun relativiert die Situation: »Für einige Betriebe mit Filialen und angeschlossenem Café war Corona eine Katastrophe.« Die staatlichen Hilfen hätten wegen des unverhältnismäßigen Bürokratieaufwands vor allem für die mittelständische Betriebe der Innung wenig gebracht.

Mit ständig neuen Innovationen versuchen die Handwerksbäcker ihren Kundenkreis zu vergrößern. »Dinkel- und alle Sorten von Vollkorn-Kreationen liegen voll im Trend«, erläuterte Braun, der selbst stets 15 verschiedene Brotsorten im Angebot hat. In Lich sind dagegen nach wie vor die hellen »Röhmbrötchen« aus einfachem Weizenmehl sehr gefragt. »Ein schlichtes Rezept, dass wir mit der Bäckerei übernommen haben und das noch aus den 40er Jahren stammen soll«, verrät Kröck.

Auch interessant