+
Vor dem Haupteingang der Asklepios-Klinik in Lich wollen Angestellte am kommenden Dienstag gegen gegen die Ausgliederung ihrer Jobs demonstrieren. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat dazu aufgerufen.

Mangelnde Wertschätzung beklagt

Lich . Gebetsmühlenartig bekommen die Mitarbeiter des Gesundheitswesens seit Monaten zu hören, wie wichtig und wertvoll ihre Arbeit sei. Die Pandemie fordert das Personal in den Kliniken über alle Maßen. Doch trotz aller Lobhudeleien, an den Arbeitsbedingungen ändert sich wenig. In dieser Situation flatterte nun Angestellten der Asklepios-Klinik in Lich ein Brief mit der Ankündigung ins Haus, dass sie künftig in ein Tochterunternehmen überführt werden sollen.

Während bei diesem Thema bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Alarmglocken schrillen, gewinnt die Geschäftsleitung der Licher Klinik ihrem Plan durchweg positive Aspekte ab.

»Waren zunächst nur Mitarbeiter der Radiologie und der Physiotherapie betroffen, sind mittlerweile auch weitere Abteilungen wie das Labor und die Reinigung explizit benannt worden«, erläutert Gewerkschaftssekretärin Saskia Teepe vom Verdi-Bezirk Mittelhessen. Damit sei gut ein Zehntel der Klinik-Mitarbeiter von der Maßnahme betroffen.

»Wertschätzung sieht anders aus«, so Saskia Teepe. Ausgerechnet vor Weihnachten würden die Mitarbeiter nun damit konfrontiert.

Ohne Tarifvertrag

Während andere Kliniken in der Region versuchten, mit Prämien neue Mitarbeiter zu gewinnen, begreife die Asklepios-Leitung offenbar nicht, wie wertvoll gutes Personal sei. Viele der betroffenen Mitarbeiter seien schon seit vielen Jahren angestellt, teilweise sogar schon seit mehr als 30 Jahren.

Hinzu komme, dass das Landesarbeitsgericht Hamburg den mit dem BHV geschlossenen -Tarifvertrag für ungültig erklärt habe und Asklepios somit keinem Tarif unterliege.

Es sei verständlich, machte Teepe deutlich. dass die Angestellten um ihre Leistungen und ihre Jobs bangten.

Die Geschäftsführung der Klinik erklärt dagegen, dass es sich nicht um das klassische »Outsourcing« handele, sondern die Bereiche vielmehr in konzerneigene Tochtergesellschaften überführt würden.

Fabian Mäser, Geschäftsführer der Asklepios-Klinik, sieht das anders. Ebenso wie praktisch alle anderen Kliniken in Deutschland habe auch die Klinik in Lich in den vergangenen Jahren bestimmte Bereiche umstrukturiert, heißt es in einer Stellungnahme.

Dabei handele es sich in Lich aber nicht um das klassische »Outsourcing«, also eine Fremdvergabe an externe (fremde) Dienstleister, sondern im Falle der Asklepios Klinik Lich würden die Bereiche in konzerneigene Tochtergesellschaften überführt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verblieben also bei Asklepios und würden in einem mit dem Betriebsrat abgestimmten und nach den gesetzlichen Vorgaben konformen Betriebsübergang übernommen.

Diese Überführung in konzerneigene Tochtergesellschaften habe gute Gründe. So würden es beispielsweise Hygienevorgaben im Bereich der Küche oder Reinigung, aber auch Abrechnungsfragen im Bereich der Administration unerlässlich machen, dass diese oder ähnliche Tätigkeiten durch professionelle Anbieter erbracht werden.

Know-how nutzen

»Die Asklepios Gruppe hat zu diesem Zwecke hochspezialisierte Dienstleistungstöchter aufgebaut, die hier jederzeit die Trends und Vorgaben im Gesundheitswesen für alle Kliniken der Gruppe umsetzen«, so Mäser. Zudem profitiere die Licher Klinik in verschiedensten Bereichen von dem Know-how der Asklepios Gruppe insgesamt.

Dass in Deutschland Kliniken - unabhängig von der Trägerschaft - unter den gegebenen Rahmenbedingungen einzelne Bereiche ausgliedern sei daher durchaus sinnvoll, denn insgesamt habe sich die Krankenhausstruktur in den vergangenen Jahrzehnten weiterentwickelt und professionalisiert.

»Alle Maßnahmen, die die Asklepios Klinik Lich ergreift, dienen dazu, den Klinikstandort zu stärken und zu sichern und das medizinische Leistungsspektrum für unsere Patientinnen und Patienten weiter auszubauen«, so der Geschäftsführer abschließend.

Derzeit überlege man, gegen die geplante Ausgliederung rechtlich vorzugehen, sagte Saskia Teepe. »Für die betroffenen Mitarbeiter, die dann nicht mehr der Klinik angehören würden, bieten wir Beratungstermine an.

Für kommenden Dienstag hat Verdi zu einer aktiven Mittagspause aufgerufen, dann wollen sich die Mitarbeiter ab 13.45 Uhr für ihr Anliegen Gehör verschaffen.

Das könnte Sie auch interessieren