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Markt kann nicht frei agieren

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Branopac-Geschäftsführer Jörg Schulte (l.) zeigte MIT-Landesgeschäftsführer Lukas Henke und MIT-Kreisvorsitzender Raif Toma die Lager- und Produktionsstätten. © Branopac GmbH

Material- und Rohstoffknappheit sowie Lieferkettenengpässe und ihre Einflüsse auf die Wirtschaft, waren Thema eines Unternehmensbesuchs des MIT-Bezirks Mittelhessen bei Branopac in Lich.,

Kreis Gießen (red). Material- und Rohstoffknappheit sowie Lieferkettenengpässe und ihre Einflüsse auf die Wirtschaft, waren das Thema eines Unternehmensbesuchs mit anschließender Diskussionsrunde des MIT-Bezirks Mittelhessen, der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Hessen.

Das Familienunternehmen Branopac ist ein eigenständiges, führendes Unternehmen für Spezialverpackungen mit Korrosionsschutz sowie Lebensmittelpapieren mit über 100 Jahre alter Historie. Tochtergesellschaften in Indien, USA und China sowie Standorte in Frankreich, Italien und Kroatien und mehr als 50 internationale Partner sorgen für eine weltweite Präsenz.

Jörg Schulte, Geschäftsführer der seit 35 Jahren mit Hauptsitz in Lich ansässigen Firma Branopac GmbH, begrüßte zunächst die Gäste und führte durch die Lager- und Produktionshallen. Die sich ständig verändernden Hygiene- und Quarantänebestimmungen sorgen aktuell für einen erheblichen Mehraufwand bei der Organisation der Arbeits- und Produktionsabläufe, so Schulte.

Erschwerend komme noch die hohe Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von den asiatischen, besonders den chinesischen Zulieferern hinzu. So kam es in China zu gravierenden Produktionsausfällen durch angeordnete »Brownouts« (gezielte Abschaltung der Stromversorgung) und Lieferverzögerungen durch Teilschließung des Ningbo-Zhoushan-Hafens (drittgrößter Container-Hafen der Welt) aufgrund eines einzigen Corona-Falles mit weitreichenden Störungen in den internationalen Lieferketten.

Bei der anschließenden Diskussion merkte der Gießener MIT-Kreisvorsitzende Siegfried Thüringer an, dass der Markt aktuell nicht frei agieren könne und daher trotz der hohen Nachfrage eine Rohstoffknappheit besteht.

Probleme drohen

»Die Preissteigerungen im Einkauf können nur zum Teil an die Kunden weitergegeben werden, sollte dies noch länger so weitergehen, dann werden branchenübergreifend viele mittelständische Unternehmen Probleme bekommen«, so Thüringer.

Jörg Schulte bestätigte dies und führte aus, dass durch eine frühzeitige Ausweitung der Lagerbestände Branopac 2021 die Liefer- und Produktionsfähigkeit zwar stets aufrechterhalten konnte, ob dies mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen am Markt 2022 erneut möglich sein wird, wäre jedoch ungewiss.

»Wir kämpfen mit Preisexplosion von bis zu 300 bis 600 Prozent bei Kunststoffen und Chemikalien und auch im Papiermarkt explodieren die Preise. Erschwerend kommt außerdem hinzu, dass durch den Stopp der KfW-Förderung auch Erweiterungspläne neu überdacht werden müssen«, so Schulte.

Raif Toma, Mitglied im Landesvorstand der MIT Hessen und Vorsitzender der MIT Wetterau betonte zum Schluss: »Auch an dem Beispiel der Firma Branopac erkennen wir die Notwendigkeit, der Planungssicherheit bei Bundesförderprogrammen. Diese Förderung wurde leider von Minister Habeck gestoppt. Daher fordert die MIT die Bundesregierung auf, kurzfristig und unbürokratisch alternative Lösungen auszuarbeiten, da diese Förderung für viele Unternehmen auch einen Finanzierungsbaustein darstellt.«

Toma bedankte sich bei den Teilnehmern für die rege Diskussion und bei Schulte für den Empfang.

Die MIT setzt sich für die Belange der heimischen Wirtschaft ein und sucht diese Wirtschaftsgespräche, damit sie als Bindeglied zwischen der Politik und der Wirtschaft wirken kann. Deshalb plädiert die MIT in Mittelhessen für das, was das produzierende Gewerbe bewegt, nämlich weniger Abhängigkeit von China.

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