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»Maske gehört zum guten Ton«

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Das Maskentragen an Schulen ist ab Montag nur noch eine Empfehlung. Symbolfoto: dpa © Red

Das Ende der Maskenpflicht an Schulen im Kreis Gießen kommt, doch Schulamtsleiter Norbert Kissel empfiehlt zum Allgemeinwohl den Mund- und Nasenschutz weiter.

Kreis Gießen . Eine Doppelkrise hat Deutschland im Griff und trifft einmal mehr besonders die Schulen. Corona ist weiterhin im Vormarsch, jedoch milder, und parallel sind immer mehr junge Schutzsuchende aus der Ukraine im Unterricht zu integrieren. Wie sieht es aktuell mit den Infektionen im Bildungsapparat aus? Und welche Regeln fallen ab dem 2. April in den hessischen Bildungsanstalten weg? Das wollte der Anzeiger von Norbert Kissel, dem hiesigen Schulamtsleiter, wissen. Das Gießener Schulamt ist für 140 Schulen mit knapp 50 000 Schülern in den Kreisen Gießen und Vogelsberg sowie den hessischen Schulen für Erwachsene zuständig.

Laut den regelmäßigen Meldungen der Schulen sind derzeit etwas über 400 Covid-Fälle (Stand Montag) unter allen Schülern PCR-bestätigte, Tendenz leicht fallend. Damit seien momentan etwa 1,5 Prozent aller Schüler im Zuständigkeitsbereich des Amtes infiziert, ebenso etwa 70 von etwa 4500 Lehrkräften.

Im Nachbarkreis höhere Fallzahlen

Im benachbarten Schulamtsbezirk Lahn-Dill und Limburg-Weilburg ist es die doppelte Anzahl an Schülern (Stand Freitag vorheriger Woche). Von 41000 Schülern sind es jedoch gerade einmal 1,9 Prozent, in Zahlen 780 Schüler, erklärte der Schulamts-Sprecher Dirk Fredl auf Anfrage. Unter den 5470 Lehrkräften in 140 Schulen waren es 108. Die Zahlen sind nicht ganz genau auf die jeweiligen Kreise herunterzubrechen, da die beide Schulämter jeweils hessenweit in Weilburg für Fachschulen und in Gießen hessenweit für alle Schulen für Erwachsene für die Abendschulen zuständig sind.

Kissel betonte jedenfalls: »Ich gönne den Schulen die Osterferien herzlichst.« Seinen Lehrkräften attestierte Kissel erneut die stürmischen Zeiten sehr gut zu bewältigen, »bei all der Erschöpfung wird viel Kreativität, Pragmatismus und großes Engagement gezeigt. Hut ab, wie das von den Kolleginnen und Kollegen immer noch gewuppt wird.«

Auch der allgemeine Krankenstand an den Schulen sei nicht signifikant höher beziehungsweise sei der Jahreszeit angemessen, betonte der Leiter des Gießener Schulamtes. »Von Schule zu Schule ist das auch sehr unterschiedlich.«

Wenn es wirklich dazu komme, dass zu viel Unterricht ausfällt, könne jede Schule auf einen Pool von Aushilfslehrkräften, eine Vertretungsreserve, wenn eine Lehrkraft kurzfristig ausfalle. zugreifen. »Wir sind ja hier in der guten Lage als Schulamt mit Universitätsanbindung auf Ressourcen zurückgreifen zu können.«

Druck darf nicht ausgeübt werden

Ab Montag, 4. April, falle die Maskenpflicht an den hessischen Schulen weg. »Wer eine Maske aufsetzen möchte, kann das tun. Es besteht aber kein Zwang mehr, sondern nur noch eine Empfehlung. Ein Lehrer darf natürlich gegenüber den Schülern den Wunsch nach dem Aufsetzern eines Mund- und Nasenschutzes äußern.« Dabei gelte, dass kein Druck auf jemand ausgeübt werden dürfe. »Das Ganze ist wie immer auch eine Frage der Kommunikation, der richtigen Ansprache. Jeder entscheidet für sich selbst, sollte aber das Allgemeinwohl im Auge haben. Eigentlich gehört es einfach zum guten Ton, dass man andere schützt.« Er kann sich persönlich beispielsweise vorstellen, dass erkältete Menschen in Bus und Bahn eine Maske tragen, wie es in fernöstlichen Ländern Sitte ist.

Das Kultusministerium empfehle jedenfalls, dass in einer Klasse mit ein oder mehreren Corona-Fällen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden sollte.

Für Anfang Mai sei darüber hinaus geplant auch die Sonderregelungen für den Pausen- oder Ganztagsbetrieb wegfallen zu lassen. Ebenso könnten dann schulsportübergreifende Sport-Wettbewerbe ohne Einschränkungen stattfinden. Es könnte dann ab Mai auch wieder richtig gesungen werden in der Schule, was ihn als ehemaligen Musiklehrer besonders freue. Aber nach wie vor hänge auch das an der weiteren Entwicklung der Pandemie ab.

Getestet würden bis Ende April dreimal wöchentlich weiterhin diejenigen, die geimpft oder genesen seien. Das Gleiche gelte auch für Lehrkräfte. Bei einem positiven Test, der weiterhin Quarantäne bedeute, würde das Ministerium bevorzugen, das sich der Rest der Klasse täglich teste. All das sei aber nur eine Empfehlung. Noch bis zum Freitag, 29. April, können Eltern auch ihre Kinder vom Unterricht vom Präsenzunterricht abmelden, aber sei dies nur noch aus besonderen gesundheitlichen Gründen möglich.

Von der Möglichkeit der Eltern, ihre Kinder vom Präsenzunterricht abmelden zu können, sei im Bereich Gießen-Vogelsberg aber nicht oft Gebrauch gemacht worden.

Lehrkräfte zu 90 Prozent geimpft

Mittlerweile habe es unter den hessischen Lehrkräften auf freiwilliger Basis eine Impfstatus-Umfrage gegeben. Das Ergebnis sei erfreulich, denn über 90 Prozent hätten die Immunisierung wahrgenommen.

»Wir alle sehnen uns die Zeit herbei, zu der wieder etwas Normalität in die Schulen einzieht, doch es ist klar: Wir haben nun sogar zwei Krisen zu bewältigen, die allen, die mit Schule zu tun haben eine Menge an Kraft, Kreativität und Durchhaltevermögen abfordert.«

Der Anzeiger wird in einem weiteren Teil mit dem Schulamtsleiter über die Integration von ukrainischen Schülern im heimischen Raum sprechen.

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