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Mehr als doppelt soviele Rebhühner

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Kreis Gießen (red). Vor zweieinhalb Jahren startete das Feldflurprojekt Gießen-Süd. Dessen Ziel ist es, die Bestände von Feldhamster, Rebhuhn und Feldlerche zu schützen und zu stabilisieren. Für die gefährdeten Offenlandarten - also Tierarten, die auf landwirtschaftlich genutzten Flächen leben - entstehen im Bereich von Langgöns, Pohlheim, Linden, Hüttenberg und der Stadt Gießen seit Projektbeginn jährlich neue Lebensräume.

Gemeinsam mit dem Regierungspräsidium (RP) Gießen koordiniert und betreut die Abteilung für den ländlichen Raum des Lahn-Dill-Kreises und des Landkreises Gießen die Artenschutzmaßnahmen im Feldflurprojekt.

»Die Arten unseres Offenlandes haben in den vergangen Jahrzehnten dramatische Bestandseinbußen verzeichnet. Dies hat verschiedene Ursachen. Unser Ziel: Die Arten, für die wir eine besondere Verantwortung haben, gemeinsam mit den Projektbeteiligten zu fördern und langfristig zu stabilisieren«, erklärte Margot Schäfer, Leiterin der Abteilung für den ländlichen Raum, in einer Pressemitteilung.

»Insbesondere unsere Landwirte setzen die Maßnahmen um mit übernehmen damit Verantwortung«, betonte Schäfer. Die engagierten Landwirte legen Blühflächen an oder integrieren Naturschutzmaßnahmen in die Produktion und leisten so einen bedeutenden Beitrag, um die Artenvielfalt in der Region zu erhalten. Durch intensive Beratung und Akquise der Projektkoordination bei der Abteilung für den ländlichen Raum entstehen so seit zweieinhalb Jahren zahlreiche neue Lebensräume für die Feldflurarten auf landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Im 3300 Hektar großen Projektgebiet werden aktuell über 150 Schutzmaßnahmen auf etwa 130 Hektar Ackerfläche beziehungsweise Grünlandfläche umgesetzt. Die Maßnahmen bieten Feldhamster, Rebhuhn und Feldlerche Nahrung, Deckung und Brutplätze. Weitere Feldarten profitieren ebenfalls von den extensiv bewirtschafteten Flächen: Feldhasen finden in nicht geernteten Schonstreifen Deckung und die Pollen- und nektarreichen Blühflächen ernähren zahlreiche Insekten und bieten diesen - genauso wie dem Rebhuhn - in der kalten Jahreszeit ein Überwinterungsquartier. Der Insektenreichtum der Blühflächen wiederum dient Jungvögeln als Nahrungsquelle.

Im Feldflurprojekt Gießen-Süd sei man allgemein auf einem guten Weg. »Die vielfältigen Bemühungen der Akteure vor Ort machen sich bezahlt«, zog Gerhard Schulze-Velmede, Leiter des Naturschutzdezernates beim RP, Bilanz. So hätten sich die Bestände des Rebhuhns in den vergangenen zwei Jahren in Gießen-Süd mehr als verdoppelt. Waren es 2019 noch 6,7 Paare pro 100 Hektar, dokumentiert das beauftragte Büro 2021 14,9 Paare pro 100 Hektar. Die hiesige Rebhuhn-Population mache beachtliche zehn Prozent des Landesbestandes aus. Auch die Feldhamster-Population sei stabil mit leicht positiver Tendenz. Diese positive Entwicklung sei auch dem Zusammenspiel zwischen der ehrenamtlichen Nabu-Gruppe vor Ort, den Arbeiten der AG Feldhamsterschutz und dem stetigen Ausbau der Agrarumweltmaßnahmen durch die Abteilung für den ländlichen Raum zu verdanken.

Das Feldflurprojekt Gießen-Süd kooperiert mit dem Projekt »Säume und Raine - Lebensadern in der Landschaft«. Ziel ist es, die Übergangsflächen zwischen Agrar- und Feld- oder Waldgebieten durch Pflege als Lebensraum attraktiver zu machen. Die Maßnahmen können auch einigen Arten des Feldflurprojektes Gießen-Süd als sichere, Deckung spendende Verbindungswege zwischen den Schutzmaßnahmen im Offenland dienen.

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