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Mehr Geld für mehr Menschen

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Von: Volker Böhm

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Auch im Landkreis Gießen werden mehr Menschen als bisher Anspruch auf Wohngeld haben. Symbolfoto: dpa © DPA Deutsche Presseagentur

Auch im Landkreis Gießen werden mehr Menschen als bisher Anspruch auf das reformierte Wohngeld haben. Die Kreisverwaltung rechnet mit einer Flut an Anträgen.

Kreis Gießen (vb). Wesentlich mehr Menschen als bisher haben ab Januar Anspruch auf Wohngeld. Das sogenannte »Wohngeld plus« ist ein wichtiger Teil des Entlastungspakets des Bundes, um Haushalte mit geringem Einkommen zu unterstützen. Die Zahl der Menschen, die Wohngeld erhalten können, soll sich dadurch verdreifachen. Bundesweit könnten nach Hochrechnungen 1,4 Millionen Haushalte erstmals oder wieder Anspruch auf Wohngeld erhalten. Die Reform war auch Thema in der jüngsten Sitzung des Kreistagsausschusses für Soziales, Gesundheit, Integration und Ehrenamt. Wie viele Menschen im Landkreis Gießen von der Regelung profitieren, ist nicht abschätzbar. Karoline Bauer, Leiterin des Fachdienstes Soziales und Senioren, riet allen Bürgern, die glauben, einen Anspruch zu haben, einen Antrag zu stellen.

Sie erklärte den Ausschussmitgliedern die Grundzüge des Reformpakets, auf das sich Bund und Länder geeinigt haben. Das Wohngeld fällt auch höher aus - davon profitieren also auch Haushalte, die es derzeit schon bekommen.

Eine dauerhafte Heizkostenkomponente soll dafür sorgen, dass die Menschen die steigenden Heizkosten leichter bezahlen können. Somit müsse keine Behörde die Heizkostenabrechnung überprüfen, erklärte Bauer. Laut Ministerium liege die Pauschale für einen Ein-Personen-Haushalt im Durchschnitt bei 60 Euro, für vier Personen bei 100 Euro. Eine Klimakomponente federt Kosten für energetische Sanierungen ab. Die höheren Kosten für das neue »Wohngeld Plus« werden hälftig von Bund und Ländern getragen.

Stock: Enorme Herausforderung

Der scheidende Sozialdezernent Hans-Peter Stock (Freie Wähler) betonte in einer Pressemitteilung: »Zielgruppe sind gerade Menschen, die bisher noch gar keine Leistungen erhalten, aufgrund ihres Einkommens aber ab Januar einen Anspruch haben. Der Landkreis übernimmt die Bearbeitung der Anträge. Für uns ist diese Neuerung eine enorme Herausforderung.«

Stock ermunterte zugleich, die Möglichkeit der Unterstützung zu nutzen: »Wer bisher noch keine staatlichen Leistungen erhalten hat, mag vielleicht Hemmungen haben, jetzt eine solche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das ist aber unbegründet. Im Gegenteil: Es ist umsichtig und verantwortungsvoll, zu prüfen, ob ein Anspruch besteht und auch genutzt werden kann.«

Viele Anfragen zum Wohngeld haben in den vergangenen Wochen den Fachdienst Soziales und Senioren erreicht. Dieser hat sich organisatorisch auf einen erheblichen Aufwand zur Bearbeitung der vielen Anträge ab 2023 vorbereitet. »Wir stellen gerade mehr als ein Dutzend zusätzliche Kräfte ein. Ein extra dafür bestimmtes Team wird sich allein um die Bearbeitung der Wohngeld-Anträge kümmern«, erklärte Fachdienstleiterin Bauer. Der Landkreis Gießen übernimmt diese Aufgabe für alle Kommunen im Landkreis inklusive der Stadt Gießen.

Im Ausschuss herrschte Irritation darüber, dass die Anträge nur auf Papier, nicht aber digital möglich sind. Laut Bauer war ein Pilotprojekt zur Digitalisierung geplant, das aber an der Schnittstelle zum Programm des Landes gescheitert sei. Eine Online-Beantragung soll voraussichtlich ab 1. April 2023 möglich sein,

Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) geht laut einer Pressemitteilung davon aus, dass rund 130 000 Haushalte mit geringem Einkommen vom »Wohngeld plus« profitieren werden. Stand Ende 2021 seien es 38 430 Haushalte gewesen. Das Land werde das höhere und ausgeweitete Wohngeld jährlich mit mindestens 100 Millionen Euro zusätzlich fördern.

Verschiedene Detailfragen hat die Pressestelle des Landkreises beantwortet.

Was ist der Unterschied zwischen dem bisherigen Wohngeld und dem »Wohngeld plus«?

Wohngeld als Unterstützungsleistung gab es auch bisher schon - ab dem kommendem Jahr können aber viel mehr Menschen Wohngeld erhalten. Die Zahl der Haushalte, die Anspruch haben, soll sich nach Hochrechnungen des Bundes verdreifachen. Die Höhe des monatlichen Wohngelds wird sich deutlich erhöhen.

Wer kann das neue »Wohngeld plus« ab 2023 bekommen?

Alle Menschen, deren Einkommen nur knapp für Miete und Alltagskosten reicht, können und sollten prüfen, ob sie einen Anspruch haben. Allerdings nur dann, wenn sie nicht bisher schon Leistungen wie Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Grundsicherung beziehen. Wohngeld wird vor allem an Familien, Alleinerziehende oder alte Menschen gezahlt, deren Einkommen nur knapp oberhalb der Grundsicherungsgrenze liegt.

Um herauszufinden, ob ein Anspruch auf »Wohngeld plus« besteht, kann man einen vorläufigen Online-Rechner des Bundeswirtschaftsministeriums unter https://www.bmwsb.bund.de nutzen. Wichtig: Der Online-Rechner dient nur einer ersten Orientierung. Ob wirklich Anspruch auf Wohngeld besteht und wie hoch es ausfällt, steht erst nach der Prüfung der Antragsunterlagen fest.

Wie hoch fällt das Wohngeld aus?

Das ist unterschiedlich - es hängt unter anderem davon ab, wie die individuellen Einkommensverhältnisse sind, wie viele Personen im Haushalt leben und wie hoch die Miete ausfällt. Bisher wurden im Durchschnitt bundesweit etwa 180 Euro pro Haushalt im Monat gezahlt. Ab Januar steigt dieser Durchschnittsbetrag auf rund 370 Euro.

Wann und wo kann ich das neue »Wohngeld plus« beantragen?

Wer im Landkreis Gießen - inklusive der Stadt Gießen - seinen Wohnsitz hat, kann Wohngeld beim Fachdienst Soziales und Senioren des Landkreises beantragen: www.lkgi.de/gesundheit-und- soziales/soziales/wohngeld Dort gibt es weitere Informationen zur Antragstellung sowie Vordrucke zum Download. Vordrucke gibt es auch bei den Stadt- und Gemeindeverwaltungen.

Was muss ich tun, wenn ich bereits Wohngeld erhalte?

Nichts. Haushalte, die bereits bis ins Jahr 2023 hinein Wohngeld erhalten, bekommen nach einer Neuberechnung die erhöhten Beträge automatisch nachgezahlt. Dazu werden neue Bescheide verschickt.

Wie lange wird es dann dauern, bis mein Antrag bearbeitet ist und ich das Geld überwiesen bekomme?

Das lässt sich derzeit nicht genau sagen. Nach dem bisherigen Stand kann ein Antrag oft innerhalb von zwei Wochen bearbeitet werden - vorausgesetzt, alle nötigen Unterlagen und Nachweise liegen vollständig vor. Weil ab 2023 aber viel mehr Haushalte als bisher Wohngeld erhalten können und unklar ist, wie viele Anträge eingehen, müssen sich Antragsteller auf längere Wartezeiten einrichten. Dabei geht aber kein Geld verloren: Wer Anspruch hat, erhält es ab dem Monat der Antragstellung rückwirkend ausgezahlt.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.bundesregierung.de/ breg-de/themen/entlastung- fuer-deutschland/ wohngeldreform-2125018

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