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Mehr Schüler und Lehrer infiziert

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Angesichts steigender Corona-Zahlen kommen Erinnerungen an die Zeit der Schulschließungen und des Distanzunterrichts auf, der von Experten im Nachhinein als falsch eingeschätzt wird. Symbolfoto. dpa © DPA Deutsche Presseagentur

Auch wenn die Zahl der Corona-Fälle steigt, gibt es laut Schulamtsdirektor Norbert Kissel keinen dramatischen Unterrichtsausfall.

Kreis Gießen. (paz). An Schulen gibt es schon seit Längerem keine Corona-Regeln mehr: weder Abstandregeln noch Masken- oder Testpflicht. Auch die Zeit des Distanzunterrichts ist vorbei. In der Bevölkerung steigt jedoch die Zahl der Corona-Fälle wieder an. Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Gießen hat inzwischen einen Wert von 1058,6 erreicht. Wie ist die Lage in den heimischen Schulen? Der Anzeiger sprach mit Norbert Kissel, als Leiter des Staatlichen Schulamtes Gießen für den Landkreis Gießen sowie den Vogelsbergkreis zuständig.

Wie ist der aktuelle Stand der Corona-Fälle bei Schülern und Lehrern im Schulamtsbezirk?

Auch an den Schulen ist wieder ein Anstieg an Infektionen festzustellen. Es fehlen dadurch wieder mehr Schüler, aber auch Lehrkräfte. Nur ganz vereinzelt werden aber von Schulen signifikant hohe Zahlen gemeldet.

Ist verglichen mit der Zeit vor den Osterferien ein Anstieg zu beobachten?

Die gemeldeten Neuinfektionen der Schulen sind: 204 Schülerinnen und Schüler sowie 72 Lehrkräfte in der Kalenderwoche 24, 345 Schüler und 154 Lehrkräfte in der Kalenderwoche 25 und 322 Schüler plus 140 Lehrer in der Kalenderwoche 26. Zum Kontext: 50 000 Mädchen und Jungen besuchen die Schulen in unseren Schulamtsbezirken. Die Anzahl der Lehrkräfte liegt bei 4500.

Woran liegt die steigende Zahl der Neuinfektionen nach Ihrer Einschätzung?

Ich bin kein Epidemiologe. Ich denke aber, die Schulen sind ein Spiegel der Bevölkerung. Angesichts der uneingeschränkten Teilnahmemöglichkeit an Großveranstaltungen allerorten wie Fußballspielen oder anderen öffentlichen Großevents wie Feiern, Konzerte und Sonstiges dürften die wohl zahlenmäßig eingegrenzten Veranstaltungen von Schulen eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Sollte man dann lieber auf solche Großveranstaltungen verzichten?

Nein, der Meinung bin ich nicht. Feste und Feiern sind zentrale Bestandteile des Schullebens und haben erst recht mit Blick auf die vergangenen entbehrungsreichen beiden Jahre eine noch größere Bedeutung bekommen. Derzeit denke ich: Wer ins Stadion darf, darf auch zum Abi-Ball.

Wie reagieren die Schulen auf den Anstieg?

Die Schulen reagieren nach den mir vorliegenden Informationen wie gewohnt besonnen und unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit. Schulleitungen und Kollegien sind sich ihrer Verantwortung bewusst und gehen keine unnötigen Risiken ein. Ich denke, man wird unter anderem verstärkt auf die Möglichkeit des Testens hinweisen. Und nach wie vor sind ja auch die grundlegenden Hygieneregeln wie regelmäßiges Lüften, regelmäßiges Händewaschen und die Husten- und Nies-Etikette einzuhalten. Das freiwillige Tragen einer medizinischen Maske im Unterricht ist möglich.

Werden Tests oder Maskentragen wieder zur Pflicht?

Mir ist nicht bekannt, dass diesbezüglich konkrete Überlegungen angestellt worden sind. Hierzu bedarf es ja auch landesweit gültiger Entscheidungen. Man wird sehen, wie sich das Pandemiegeschehen weiterentwickelt. Dass Corona seine eigene Dynamik entwickelt, haben wir gelernt.

Ist es richtig, dass die Ursache für Fernbleiben vom Unterricht auch im Falle von Corona nicht mehr genannt werden muss?

Corona ist eine meldepflichtige Krankheit, die an der entsprechenden Stelle anzuzeigen ist.

Wird es wieder zum Distanzunterricht kommen? Ab wann halten Sie diesen für sinnvoll?

Ich habe keine Glaskugel, wünsche mir aber sehr, dass es nicht wieder so weit kommen möge. Was ich für sinnvoll halte, spielt keine Rolle, sondern nur das, was diesbezüglich verordnet wird. Ich denke, digitale Unterrichtsangebote werden sich auch unabhängig von Corona in verschiedenen Schulformen weiter etablieren. Beispielsweise der Unterricht mit älteren Schülern der Oberstufe. Ansonsten sage ich als einer, der drei Jahrzehnte immer sehr gerne als Lehrer vor der Klasse gestanden hat: Nichts geht über Präsenz! Nur hier entwickelt sich der Grad an Resonanz zwischen Lehrenden und Lernenden, den wir für ein erfolgreiche pädagogische Arbeit benötigen.

Ist ausreichend Personal vorhanden, wenn Lehrer ausfallen?

Es gibt Regionen in unserem Schulamtsbereich, in denen es etwas schwieriger ist, Vertretungspersonal zu finden, als in anderen. In Gießen selbst wird dies so schnell kein Problem sein. Aber von einem allgemeinen Engpass kann ich momentan nicht reden.

Fällt aktuell viel Unterricht aus?

Entsprechend der oben gemachten Aussage ist auch diese Situation nicht dramatisch.

Was raten Sie den Schulen?

Ich würde den Schulen einfach raten, auch weiterhin eine verantwortungsvolle und engagierte Arbeit zu machen, in den Grenzen der Bedingungen, die sich uns stellen. Wichtig ist, dass man an den Schulen offen über die Thematik »Corona« ins Gespräch kommt, damit man dann als Schulgemeinde weitgehend einvernehmlich handeln kann. Alles im Blick behalten, aber in jeder Hinsicht auf dem Teppich bleiben! Die beiden kommenden Wochen bis zu den Sommerferien werden wir auch noch schaffen. Und dann wünsche ich allen die Erholung, die man sich redlich verdient hat und die auch dringend notwendig ist. Wie es danach weitergehen wird - wir werden sehen!

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