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Mehr Zeit für die Familie

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Beate Korf mit einer in der Musik-AG der Grundschule hergestellten Trommel. Foto: Schu © Schu

Beate Korf hat Kindern über viele Jahre Musik nahegebracht - in der evangelischen Kirchengemeinde Hausen und in der Grundschule. Jetzt hört sie auf.

Pohlheim . (jüs). Nach über 25-jähriger musikalischer ehrenamtlicher Tätigkeit in der evangelischen Kirchengemeinde Hausen und über zehn Jahren musikalischen Wirkens in der Grundschule ihres Heimatorts gönnt sich Dr. Beate Korf nun etwas mehr Ruhe. Hat sie ihr Engagement in der Kirchengemeinde schon im vergangenen Jahr beendet, so hört sie jetzt auch an der Schule auf.

»Die Beziehungen zu den Menschen ist das, was unser Leben ausmacht. Das habe ich aus der Pandemie mitgenommen, weil ich auch gemerkt habe, wie wichtig für Kinder diese Beziehung war. Ich war froh, in diesen schon über zwei Jahre andauernde Pandemie mit den Chorkindern arbeiten zu können«, sagte sie im Gespräch mit dem Anzeiger.

Verpflichtungen

Neben all ihren Verpflichtungen hatte Beate Korf auch noch drei betagte Familienangehörige zu Hause gepflegt. Jetzt hat sie ein bisschen mehr Raum und Zeit, sich um die Enkelkinder und Familie zu kümmern. Doch der Reihe nach.

Die 62-Jährige ist Ärztin und hatte eine Fachausbildung in der Neuropathologie damals fast abgeschlossen, sie wegen der Kinder und der beruflichen Eingebundenheit ihres Ehemannes Dr. Horst Werner Korf,aber letztlich beendet. Die Eheleute Korf haben drei Kinder, Sohn Simon arbeitet als Bankdirektor in London und lebt auch dort, Tochter Lena, Fachärztin in der Neurologie, hat es nach Lübeck verschlagen und Tochter Johanna ist Kantorin in Mansfeld-Südharz (Sachsen-Anhalt).

Es war die Jüngste, die Kirchenmusikerin, die großen Anteil am Engagement ihrer Mutter in der Hausener Kirchenmusik hatte. Als die ehrenamtliche Mitarbeiterin Birthe Steiß nachfragte, ob sie nicht dazukommen möchte, um Musik zu machen, willigte Korf nur zu gerne ein. Es sollte ihr riesigen Spaß machen, wie sich im Laufe der Jahre herausstellte. Angefangen mit Musicals folgten schnell Krippenspiele mit Musik, dann kamen Sommerferienspiele hinzu. Unter dem damaligen Pfarrerehepaar Christa und Rüdiger Haug entstand die Idee, aus dieser unregelmäßigen musikalischen Arbeit einen Kinderchor entstehen zu lassen. Davon war Korf angetan, denn sie vertrat die Meinung, dass man das Potenzial der Kinder, die singen können, nicht ruhen lassen sollte.

Projekt Kinderchor

Nach einem Gespräch mit dem Kirchenvorstand wurde das Projekt Kinderchor gestartet. Sofort meldeten sich acht Kinder, nach einem Jahr waren es bereits 25, so dass schon zwei bis drei Jahre später die Kinder altersmäßig in differenzierte Gruppen eingeteilt werden mussten. Ältere Kinder wurden immer als Chorhelfer integriert. Die Chorleiterausbildung hat Beate Korf kurz vor ihrem Einstieg in die kirchenmusikalische Arbeit gemacht, denn so ganz ohne gar nichts wollte sie nicht anfangen. Beim Kinderchor war ihr immer wichtig, dass man die Kinder als Person wahrnimmt und erkennt, ihre Stärken und Schwächen sieht und darauf eingeht. Aufgrund ihrer erfolgreichen Arbeit mit den Kindern in der Kirche und auch weil ein Musiklehrer fehlte, ist auch die Grundschule Hausen auf Beate Korf durch die damalige Lehrerin Katja Lepper aufmerksam geworden. Anfang der 2010er Jahre hat Korf mit einem Schulchor regelmäßig gearbeitet. Nach der Verabschiedung von Schulleiter Walter Meinl (Juli 2015) hat sie mit Katja Lepper zusammengearbeitet, die aber dann die Grundschule in Hausen verlassen hat. Danach hat Beate Korf eine Zeitlang - fachfremd und auch völlig pädagogisch fremd - den Musikunterricht an der Schule übernommen.

Die Arbeit habe sich gegenseitig befruchtet, denn die Kirche habe davon profitiert, dass die Kinder alle die »Musiklehrerin« kannten, die dann vermehrt in die Kirche kamen. Auch mit den nachfolgenden Pädagoginnen an der Schule in Hausen, zu denen Julia Schäfer, Schulleiterin Gudrun Stoll und Mareike Kollmann gehörten, waren die Zusammenarbeit und der Austausch hervorragend. Es gab jährlich immer Aktivitäten und Veranstaltungen, bei denen der Chor auftrat. Dazu zählten die Einschulungsfeiern, Verabschiedungen, Schulfest und andere Feste. Mit der Pandemie wurde das Singen in der Schule komplett verboten. Um nicht ganz »einzurosten«, hat sie mit den Kindern ab und zu draußen im Freien mit riesigem Abstand gesungen. Darüber hinaus hat sie nach dem Unterricht eine Musik-AG in der Schule angeboten, in der Instrumente und Trommeln gebaut wurden.

Um kreativ zu bleiben, hat sie nach Lockerung der Pandemie-Verordnung mit Schülern in der Musik-AG mit Xylophon, Trommeln und Drehangeln gearbeitet, fünf Kinder haben dazu gesungen. Auch in der schwierigen Zeit von Lockdown und Homeschooling motivierte sie mit selbst gemachten Videos ihre Schüler zum Musizieren.

Auch für ihre musikalische Kirchenarbeit hat sie sich zusammen mit Birthe Steiß sehr viel einfallen lassen. 30 Kinder wurden dabei wöchentlich kontinuierlich versorgt. Das alles aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Beate Korf und Birthe Steiß beendeten im Sommer 2021 ihre gemeinsame ehrenamtliche Arbeit in der evangelischen Kirche Hausen. Übergangsweise hatte Chorleiterin Adele Franz den Chor in der Kirche übernommen, der Taktstock geht jetzt in die Hände von Musikerin und Kulturpädagogin Marion Bathe, die in Pohlheim eine Singschule startet. Die kleinen Kinder aus Hausen bleiben vor Ort, während die Kinder ab dem zweiten Schuljahr ihren Chorunterricht mit professioneller Stimmbildung in Watzenborn-Steinberg haben. Dr. Beate Korf ist »heilfroh«, dass es jetzt die Möglichkeit gibt, einen Jugendchor ins Leben zu rufen.

Eigenes Schullied

Anfang Juli 2022 wurde Korf nach über zehnjähriger musikalischer Arbeit mit den Schülern insbesondere im Schulchor von Schulleiterin Mareike Kollmann, dem Kollegium und den Kindern feierlich verabschiedet.

Als Abschiedsgeschenk überreichte die 62-Jährige das von ihr selbst getextetes Schullied »Unsre Hausener Schule ist klein und ganz famos«, das von ihrer Tochter Johanna in Noten gesetzt wurde. Tochter Johanna war es auch in der Vergangenheit, die für Texte und Musik bei den zahlreichen Musicalaufführungen verantwortlich zeichnete.

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