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Milde Nächte machen sie süß

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Anne ist mit ihrer Großmutter gekommen und hilft beim Pflücken auf dem Erdbeerfeld von Benders am Münsterer Kreuz. Foto: Kächler © Kächler

Im Landkreis Gießen hat die Erdbeersaison begonnen. Das Selbstpflücken wird immer beliebter. Hier erfahren Sie, wo das möglich ist.

Kreis Gießen . Sie haben so klangvolle Namen wie Allegro, Clery, Sonata, Asia, Lola oder Rumba und die Sonne bringt sie zum Leuchten. »Das Wetter ist in diesem Jahr optimal für Erdbeeren«, versichert Ulrich Bender. »Sie lieben es, wenn es tagsüber nicht zu heiß wird, und milde Nächte lassen sie richtig süß werden.« Denn die Erdbeere sei ein Nachtschattengewächs, deren Früchte nur nachts reifen.

Das sonnige Wetter am Tag lockt allerdings die Kunden auf die Felder. Auf dem Erdbeerfeld der Familie Bender am Münsterer Kreuz füllen sich die Reihen. Eine Großmutter ist mit ihrer Enkelin gekommen, eine Familie hat schon fast ihren Eimer voll gemacht und zwei junge Frauen lassen sich gerade einweisen.

Auf dem gut einen Hektar großen Feld mit sieben verschiedenen Sorten wird nämlich mit System gepflückt. Alle Reihen sind mit Schildern versehen, die jeder Gast dorthin verschiebt, wo er aufgehört hat, zu pflücken. So weiß der Nächste, wo er anfangen kann, die roten Erdbeeren zu ernten.

Und auch an die Kinder ist gedacht: Am Rand des Erdbeerfeldes sind Spielgeräte aufgestellt, damit es den kleinen Besuchern nicht langweilig wird, wenn die Eltern pflücken gehen.

»Bis Mitte 20 Grad gefällt es den Erdbeeren am besten. Wird es heißer, leidet der Ertrag«, weiß der Erdbeer-Experte. Am meisten fürchteten die Erdbeerbauern schwül-feuchtes Wetter. »Dann kann es zu Grauschimmel kommen«, so Bender. »Bis jetzt sieht es aber nach einer sehr guten und ertragreichen Ernte in den nächsten etwa vier Wochen aus.«

Auch Manfred Paul bietet auf seinem gut 1,7 Hektar großen Areal direkt an der Straße zwischen Hungen und Villingen Erdbeeren zum Selbstpflücken an.

»So ein gutes Erdbeerjahr habe ich lange nicht erlebt«, macht der Fachmann deutlich, der gemeinsam mit seinem Sohn Christian das Feld bewirtschaftet. »Jeden Morgen werde ich von frisch gereiften Erdbeeren auf dem Feld begrüßt«, freut sich Paul über »teils mandarinengroße« Früchte.

Der Johanneshof zwischen Langsdorf und Bettenhausen bietet acht verschiedene Sorten von früh- bis spätreifend an.

Allerdings habe man diesmal auf den Anbau der Sorte Korona verzichtet, lacht Annegret Schadeck. Sie freut sich ebenfalls über das Wetter: »Dieses Jahr sind die Früchte besonders saftig und süß.« Zur Sicherheit habe man aber schon vor einigen Jahren eine Tropfbewässerung über Schläuche verlegt, die die Pflanzen auch bei Trockenheit mit Wasser versorgen.

Das traditionelle Erdbeerfest muss dieses Jahr aus persönlichen Gründen leider ausfallen. Dafür gibt es immer sonntags und an Feiertagen frischen Erdbeerkuchen im Johanneshof, wo man sich die Erdbeeren nach vorheriger Absprache auch pflücken lassen kann.

Traditionell beschließt der Hof von Gabriele und Manfred Rau mit seinem Feld zwischen Grünberg und Rabenau an der Abfahrt nach Lumda mit seinen mittelfrühen Sorten die Erntezeit und öffnet als letzter im Kreis. »Die Früchte reifen noch«, erklärt Gabriele Rau. »Nachts war es bei uns einfach noch ein bisschen zu frisch«, erläutert sie. Doch nun würden sie kräftig reifen. Die Raus beschäftigt aber noch ein ganz anderes Problem. Die beiden Sorten, die sie auf ihrem rund ein Hektar großen Feld anpflanzen, kommen aus England.

Doch seit dem Brexit laufen die Bestellungen für Sweetheart und Eros ins Leere. »Wir werden uns wohl nach neuen Sorten umschauen müssen«, resümiert Gabriele Rau.

Die Gäste auf den Feldern im Landkreis kommen zum Teil von weit her. Sie erwartet ein süßer Genuss: Denn von Marmelade, Eis und Sorbet über Erdbeertorte bis hin zu Bowle oder Shake lässt sich viel aus den leckeren Früchtchen zaubern. Und natürlich schmecken sie am besten, wenn man sie sich gleich beim Pflücken in den Mund schiebt.

Die Preise für ein Kilo selbstgepflückter Erdbeeren variieren zwischen vier und fünf Euro.

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