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Mit »Justus« auf Erfolgskurs

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Von: Debra Wisker

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Sophie und Felix Sacher mit ihrem Roboter »Justus«, für dessen Name allerdings nicht der gleichnamige Familienhund Pate stand. Foto: Wisker © Wisker

Wißmarer Geschwister sind unter den besten 15 Jung-Entwicklern der Roboterwelt gelandet. Sie schufen »Julius«, einen digitalen Reinigungshelfer. 80 000 Technikfans hatten sich weltweit beworben.

Kreis Gießen . »Wunderbar« - mit einem Wort fassten Felix und Sophie Sacher die »World Robot Olympiad« zusammen. Die jungen Erfinder aus Wißmar haben hier mit ihrem Reinigungsroboter den zwölften Platz abgeräumt. Eine beeindruckende Leistung, bedenkt man, dass Teilnehmer aus über 80 Ländern der Welt in Dortmund ihre Projekte der Jury vorstellten.

Drei Tage, vom 17. bis 19. November, konnte man in nordrhein-westfälischen Metropole staunen, was die Teilnehmer so alles ausgetüftelt hatten. »My Robot, my friend« lautete das Motto. Doch bis man sich beim Weltfinale zeigen durfte, galt es, zuvor einige Hürden zu überwinden. Das haben die Geschwister geschafft.

Zunächst stand der Regionalentscheid in Schwalbach im Taunus an. Hier gab es nicht nur den ersten Preis für ihre Erfindung, sondern noch den Team-Award obendrauf. Kaum war das geschafft, blickten der zwölfjährige Felix und seine siebenjährige Schwester nach Chemnitz - zum Deutschlandfinale und damit der endgültigen Qualifikation für die »World Robot Olympiad«. Deutschlandweit erreichten sie den dritten Platz.

15 im Weltfinale

»Nur die stärksten 15 Teams kamen ins Weltfinale«, erzählte Vater Benjamin Sacher und auch Mutter Christine ist stolz auf den Nachwuchs. Denn nach Chemnitz war klar, die Geschwister dürfen auch beim weltweiten Wettbewerb mitmachen, dürfen sich zur Elite der erfinderischen Köpfe zählen.

Weltfinale, das hieß rund 40 000 Teilnehmer, 15 000 Teams aus über 80 Ländern, Juroren aus 38 Ländern. Gestartet sind Felix und Sophie in der jüngsten Altersklasse, den Elementary Teams, in der Kategorie Future Innovations.

»Justus« wurde im Vorfeld noch ein wenig überarbeitet, seine Fähigkeiten verfeinert. Wer ist Justus? Das ist der Reinigungsroboter, den Felix und Sophie entwickelt, gebaut und programmiert haben. Die Idee kam ihnen bei einem Besuch beim Kinderarzt. Die Spielsachen im Wartezimmer waren weg, mussten gereinigt werden.

Die beiden lenkten ihren kurzfristigen Ärger darüber in kreative Kanäle - und erfanden »Justus«, den Reinigungsroboter. Der versteht seine Befehle mittlerweile nicht nur auf Deutsch, sondern folgt auch englischsprachigen Aufforderungen. Hinzu kam noch ein Erkennungssensor für Gesten. »Wenn ein Kleinkind, das ja noch nicht sprechen kann, mit der Hand vor ihm rumwedelt, stoppt er und das Kind kann mit ihm spielen«, erklärte Felix. Drei Tage vor dem großen Finale kam der Sensor hinzu - »das war ein Muss«. Wie funktioniert »Justus«? Der Roboter fährt auf Rollen, an seinem langen Arm ist eine Sprühvorrichtung befestigt. Fordert man ihn auf, etwa einen Tisch zu reinigen, fährt er los, sprüht die Oberfläche mit Desinfektionsmittel ein. Die »Zutaten« für Justus kommen teilweise aus dem Modellbaukasten, ergänzt durch Kabel, Platinen, Regler.

Der Düsenschlauch stammt aus dem Aquaristikbedarf, eine Pumpe aus dem Internet und ein ganz gewöhnlicher Messbecher rundet das Ganze ab. Vom Display des Tablets - auch dies Marke Eigenbau - lächelt ein Frosch.

Und auch die Abdeckung hat einen neuen Schliff bekommen. Sie ist ebenfalls froschgrün und kommt aus einem 3D-Drucker der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). Und reden kann »Justus« jetzt auch. Wie ist der Roboter zu seinem Namen gekommen? Nein, nicht der gleichnamige Familienhund stand Pate. Die Geschwister erklären: »Justus heißt ›der Gerechte‹ oder ›just us‹, also wir beide.«

Neue Freunde

Doch zurück zur »World Robot Olympiad«. »Ich habe jetzt zwei ganze Freundebücher voll«, freute sich Sophie. Die Bücher hatten die Organisatoren gestiftet. »Ein Informatikstudent aus Asien hat sich meine komplette Programmierung erklären lassen«, blickte Felix auf den Austausch unter Profis zurück.

Gerade die internationale Atmosphäre hat die Familie sehr genossen. Der olympische Gedanke, die verbindende Idee sei spürbar gewesen. Dabei das eigene Land zu repräsentieren, sei schon etwas Besonderes gewesen, ist sich die vierköpfige Familie einig. Man parlierte auf Englisch - auch bei der Präsentation der Projekte. Für Felix und Sophie kein Problem, sie haben sowohl den geforderten Vorstellungsfilm auch den 20-seitigen Projektbericht in Englisch verfasst.

Die Eltern staunen noch immer: »Dass die zwei sich überhaupt im ersten Anlauf qualifiziert haben, ist einfach toll«, so Christine Sacher. Benjamin Sacher spricht - durchaus berechtigt - vom »Mittelfeld der Weltelite«. Keine Frage, die Konkurrenz war nicht zu unterschätzen. Viele Teilnehmer wurden von Schulen, Firmen oder Hochbegabtenzentren unterstützt.

Nicht so Felix und Sophie. Die beiden haben ihr Projekt im Alleingang durchgezogen. Umso beeindruckender ist ihr Erfolg, ihr zwölfter Platz.

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