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Musik verbindet alle Nationen, heißt es auch an den Schulen im Landkreis: Hier gibt es wenig Verständigungsprobleme mit jungen Ukrainern. Symbolfoto: dpa © Red

Im Schulamtsbezirk gibt es ab Herbst 47 310 Schüler, 480 mehr als bisher. Die Zahlen nannte Schulamtsleiter Kissel. Dennoch können kreisübergreifend noch Schüler aufgenommen werden.

Kreis Gießen (imr). Der Elternärger am Rande des Landkreises in Oberkleen war groß. Ihre Kinder sollten im Schuljahr 2022/23 nach Butzbach in weiterführende Schulen geschickt werden, doch der als Schulträger zuständige Wetteraukreis sagte erstmals Nein. Begründung: Wegen der zu erwartenden Anzahl von geflüchteten Kindern aus der Ukraine müssten entsprechende Kapazitäten geschaffen beziehungsweise freigehalten werden.

Wie sieht es mit der Aufnahme unter anderem von Hüttenberger und Lahnauer Schülern im Kreis Gießen mit der Beschulung aus, hakte der Anzeiger beim hiesigen Schulamt nach.

Für viele Mädchen und Jungen steht bekanntlich im Sommer der Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule an. Dabei kommt es auch immer wieder zu »kreisübergreifenden« Schulbesuchen.

Nachdem die Butzbacher Absage öffentlich geworden war, ruderte man in der Wetterau zurück. Ausnahmen bei Geschwisterkindern würden gemacht, deren Bruder oder Schwester bereits in Butzbach beschult würden.

Norbert Kissel, Amtsleiter beim Staatlichen Schulamt für den Landkreis Gießen und den Vogelsbergkreis, gab gleich Entwarnung für die Eltern in Anrainer-Kommunen, die ihre Zöglinge in den Gießener Raum schicken.

Auf die Frage, gibt es auch im Landkreis Gießen und dem Vogelsbergkreis eine entsprechende Regelung, antwortete Kissel eindeutig: »Von einer entsprechenden Regelung im Vogelsbergkreis oder im Landkreis Gießen ist mir nichts bekannt.«

Wie viele Kinder aus der Ukraine werden vermutlich im kommenden Schuljahr an Schulen in ihrem Schulamtsbezirk aufgenommen? Wie viele sind es ungefähr aktuell?

Nach aktuellem Stand besuchen im Zuständigkeitsbereich des Staatlichen Schulamts für den Landkreis Gießen und den Vogelsbergkreis knapp 800 Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine unsere Schulen. Wie viele im kommenden Schuljahr aufgenommen werden, ist - wie vieles andere auch - nicht zu prognostizieren.

Nach welchen Kriterien werden die Kinder aus der Ukraine auf die Schulen verteilt?

Wir versuchen, vor allem die Kinder im Grundschulalter so wohnortnah wie möglich zu beschulen, damit sie mit anderen Kindern aus ihrem neuen Wohnort gemeinsam eine Schule besuchen können und schnell Anschluss finden. In den Grundschulen gibt es daher eine Mischung aus Deutschunterricht in der Kleingruppe, dem sogenannten Intensivkurs, und der Teilnahme am normalen Unterricht. An einigen Grundschulen, an denen eine große Anzahl ukrainischer Schutzsuchender angekommen ist, gibt es auch Deutsch-Intensivklassen.

Kinder ab der 5. Klasse besuchen in der Regel immer zunächst eine Deutsch-Intensivklasse und nur stundenweise den Unterricht einer normalen Schulklasse, in die sie vom Alter her passen. Dies gestaltet jede Schule je nach organisatorischen Möglichkeiten und abhängig von dem, was ein Kind oder Jugendlicher schon kann, individuell.

Hierzu werden Einzelfallentscheidungen getroffen. Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine können den Unterricht der regulären Klassen besuchen oder auch Deutschförderung in sogenannten Intensivkursstunden erhalten.

Nur wenige ältere Schülerinnen und Schüler, die im Heimatland Deutsch als zweiten Fremdsprache erlernt haben, konnten bisher aufgrund ihrer fremdsprachlichen Kompetenz sofort in Regelklassen der Mittelstufe aufgenommen werden.

Je nach Sprachniveau erfolgt eine Teilintegration oder der Regelunterricht wird komplett besucht. Es ist auch möglich, dass Schülerinnen und Schüler an solchen Unterrichtsfächern im Regelunterricht teilnehmen, in denen eine gewisse Beherrschung der deutschen Sprache in einzelnen Phasen nicht notwendig ist.

Ich nenne hier beispielhaft die Fächer Kunst, Musik, Sport, verschiedene stark handlungsorientierte Unterrichtsprojekte, aber auch Mathematik, wenn es inhaltlich passt.

Für die Entscheidung, an welchem Unterricht ein Kind teilnehmen kann, bedarf es einer gewissen Beobachtungszeit durch die Schule. Feste Vorgaben hierzu gibt es nicht. Die Schule entscheidet. Hierbei hat sich die enge beratende Zusammenarbeit der Schulleitungen mit dem Staatlichen Schulamt sehr bewährt.

Können Sie bereits jetzt sagen, welche Schulen besonders viele dieser Kinder aufnehmen werden und ob es deshalb dort zu Einschränkungen bei den Kapazitäten kommen wird?

Ich kann nicht sagen, welche Schulen besonders viele Kinder aufnehmen werden, ich kann nur beispielhaft Schulen nennen, die bereits verhältnismäßig viele ukrainische Kinder aufgenommen haben: Die Anne-Frank-Schule in Linden, die Clemens-Brentano-Schule in Lollar, die Gesamtschule Busecker Tal, die Gesamtschule in Hungen, die Theodor-Heuß-Schule in Laubach, die Kirschbergschule in Reiskirchen, die Grundschule am Diebsturm in Grünberg und die Erich-Kästner-Schule in Lich.

Wenn die räumlichen Kapazitäten an ihre Grenzen stoßen, ist es die Aufgabe der jeweiligen Schulträger, entsprechende Maßnahmen einzuleiten.

Welche Gesamtschülerzahlen erwarten Sie für das neue Schuljahr im Schulamtsbezirk LK Gießen und Vogelsbergkreis?

In der Prognose rechnen wir mit insgesamt 47 310 Schülerinnen und Schülern im Schulamtsbereich Gießen/ Vogelsberg zum Schuljahr 2022/23, 480 mehr als bisher. Die aktuelle Gesamtschülerzahl 2021/22 beträgt 46 830.

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Norbert Kissel Schulamtsleiter © Red

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