1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Kreis Gießen

Mordserie in London

Erstellt:

giloka_2410_krimifestiva_4c
Shankari Susanne Hill und Robert C. Marley alias Gerald Hagemann gestalteten den Krimiabend im Mathematikum. Zwei Exponate aus seiner Sammlung hatte der Autor dazu mitgebracht. Foto: Czernek © Czernek

Robert C. Marley nimmt Zuhörer im Gießener Mathematikum mit auf eine düstere Zeitreise ins 19. Jahrhundert. Die Lesung wurde verstärkt durch Shankari Susanne Hill auf Bratsche und Geige.

Gießen. Das Ende des 19. Jahrhunderts ist die Zeit der Morde von Jack the Ripper, der Schriftsteller Arthur Conan Doyle erfand seine Kultfigur Sherlock Holmes und die Kriminalistik stand in ihren Startlöchern. Eine spannende Zeit - bestens geeignet für Kriminalautoren. Beste Spannung schafft auch Autor Robert C. Marley mit seinen Inspector Swanson-Büchern. Am Samstagabend stellte er den sechsten Fall dieser Reihe »Inspector Swanson und die Mathematik des Mordens« im Rahmen des Krimifestivals im Mathematikum vor.

Mit einer Unschärfe räumte Veranstalterin Anna Lischper gleich zu Beginn der Lesung auf: Der wunderschön klingende Name des Autors »Robert C. Marley« ist das Pseudonym des Schriftstellers Gerald Hagemann. Diese Korrektur nahm er mit Bedauern hin, denn sie nähme ein wenig weg von dem Zauber eines echten Engländers, der aus seinen Büchern vorliest. Doch mit dieser Einleitung muss der gerngesehene Gast beim Krimifestival in Gießen schon immer leben, denn so wurde er schon immer bei seinen Auftritten begrüßt.

Hagemann jedoch auf seine Eigenschaft als Kriminalschriftsteller zu reduzieren, das wäre grundlegend falsch, denn er ist zudem Goldschmiedemeister, Hersteller von Zauberrequisiten, Sprecher für Hörbuch, Radio und Fernsehen, Dozent für kreatives Schreiben und noch vieles mehr. Seine größte Leidenschaft ist jedoch die Kriminalistik. Er ist ausgewiesener Kriminalhistoriker, wie er am Samstagabend dem Publikum im ausverkauften Saal des Mathematikums verriet. Er ist bekennender Fan von Arthur Conan Doyle und von Agatha Christie. Von daher war es nur konsequent, dass er mit der Inspector Swanson-Reihe begann. «Diesen Inspektor Swanson gab es wirklich«, erläuterte er zu Beginn der Lesung. »Er war der ermittelnde Beamte, der sämtliche Spuren zum Fall Jack the Ripper zusammengetragen hat. Wenn einer die wahre Identität von Jack the Ripper gekannt hat, dann war er es.« Doch dieses Geheimnis hat er nie preisgegeben. Er habe es immer als sehr bedauerlich empfunden, dass so viel über diesen Serienmörder geschrieben worden sei, der ermittelnde Beamte, eben jener legendäre Chief Inspector Donald Sutherland Swanson (1848-1924), jedoch kaum erwähnt würde. Das sei für ihn Anlass für sein erstes Swanson-Buch gewesen.

Mittlerweile hat er Kontakt zu den Nachfahren des genialen Ermittlers und durfte Einsicht nehmen in dessen Nachlass. Als ein besonderes Erlebnis schilderte der England-Liebhaber den Augenblick, da er eine kleine Pistole in Händen gehalten habe, die dem Inspektor gehört hat.

Aus seiner Passion heraus hat er eine eigene kriminalhistorische Sammlung mit mehr als 2500 Exponaten zusammengetragen. Aus diesem Fundus brachte er zwei Gegenstände mit, die wichtige Rollen in seinem aktuellen Werk einnehmen: Eine Öllampe und historische Handschellen, denn ein Opfer einer Mordserie im Jahre 1895 in London wird mit solchen Handschellen an einen Stahlträger gekettet aufgefunden. Denkbare schwierige Voraussetzungen für die Ermittlungsarbeit des Inspektors, der in einer kalten Winternacht bei Schneetreiben die Leiche findet. »Damals konnte man noch nicht Menschenblut von Schweineblut unterscheiden und auch die Methode der Fingerabdrücke zur Identifizierung von Personen gab es noch nicht.« Auch die Ausleuchtung eines Tatorts mittels Scheinwerfer gab es nicht, lediglich kleine Ölfunzeln konnten einen Tatort erhellen. Natürlich wurde auch schon damals an mathematischen Methoden gearbeitet, wie man einen Täter ermitteln könne und diese Methodik spielt bei der Aufklärung dieses Falles eine entscheidende Rolle. Mehr verriet der Autor nicht dazu. Um die Spannung zwischen den glänzend vorgetragenen Stellen noch zu erhöhen, wurde er von Shankari Susanne Hill unterstützt. Sie griff abwechselnd zu Bratsche und Geige. Ihre Mantra-Klänge verdichteten die Atmosphäre eindrucksvoll.

Die nächsten beiden Bände der Reihe sind bereits fertig, so dass man sich auf weitere Lesungen freuen kann.

Robert C. Marley: Inspector Swanson und die Mathematik des Mordens, Verlag: Dryas, 264 Seiten, 12 Euro.

Auch interessant