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Musik als Herzensangelegenheit

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Vielseitig war das Programm, das das »Jean Paul Trio« im Rathaus präsentierte. © Schepp

Perfekt aufeinander abgestimmt: »Trio Jean Paul« überzeugt bei den Gießener Meisterkonzerten

Gießen . Gestenreich und mit wunderbar kommunikativem Spiel präsentierte das »Trio Jean Paul« am vergangenen Freitag beim vierten Winterkonzert der Gießener Meisterkonzerte ein Programm, das in seiner Vielseitigkeit die musikalischen Schwerpunkte der Gruppe genau zu umzeichnen schien. Das Ensemble, bestehend aus Violinist Ulf Schneider, Cellist Martin Löhr und Pianist Eckart Heiligers, hatte drei Werke ausgesucht, die wie ein Brennglas ihre Unterschiedlichkeit in einem gemeinsamen Kontext vereinten: der (Rück-)Bezüglichkeit ihrer musikalischen Sprache auf (und in) das Herz des 19. Jahrhunderts.

So brachte schon das eröffnende Klaviertrio Es-Dur op. 1/1 von Ludwig van Beethoven einen Tonfall mit sich, der ebenso Rückschlüsse auf einen Ursprung in Haydn und Mozart zuließ, wie auch Ausblicke auf den Erfindergeist des idolisierten späteren Beethoven, der die Nachwelt des 19. Jahrhunderts entscheidend prägen würde. Als kontrastreicher Perspektivwechsel ließ die Gruppe sodann Wolfgang Rihms Fremde Szene III folgen, auch aus Anlass des diesjährigen 70. Geburtstages des Komponisten.

Hier offenbarten sich nahezu kaleidoskopisch Anklänge auf den Pathos vergangener Zeit in Form von aufblitzenden romantischen Ideen, die jedoch in einen steten pulsierenden Konflikt mit energetischen und zuweilen geräuschhaften Klängen der Gegenwart gestellt wurden. Als Herzstück des Abends zelebrierte das Ensemble in einem zweiten Teil dann schließlich Franz Schuberts Klaviertrio Es-Dur op. 100 - ein Abgesang auf jenen poetischen Gestus romantischen Gefühls, den das Beethoven-Trio schon in Aussicht gestellt und die »Fremde Szene« retrospektiv betrachtet hatte.

Dass diese Stückauswahl bei der Gruppe direkt ins Schwarze traf, war schnell festzustellen: Die Palette der Interpretationsrichtungen reichte von sportlicher Frische und zugleich ausgeglichenem klassischen Kalkül im Beethoven-Trio bishin zu ausladendem Gestenreichtum und strahlender Eleganz bei Schubert; perlige Läufe vom Klavier zeugten ebenso von großer Spielfreude, wie die entschlossenen und zuweilen ausgesprochen körperlichen Bogenstriche der zwei Streicher.

Zudem wussten die drei Musiker sich ausgezeichnet aufeinander abzustimmen: Übergänge von flächiger Balance in tänzerische Bewegung erfolgten mit einheitlichem Impuls, das Zusammenspiel nahm die Form eines Dialogs an, der nicht nur innermusikalisch Motive von Instrument zu Instrument hüpfen ließ, sondern sich körperlich manifestierte.

Besonders Schneider und Löhr spielten sich die Musik nahezu optisch zu, ließen den im Schachbrettmuster voll besetzten Raum des Hermann-Levi-Saals anhand ihrer Mimik Trugschluss und Auflösung nachfühlen, schauten gar ihrer Musik beim Entschweben zu. Besonders bemerkenswert war die Fähigkeit der einzelnen Musiker, selbst bei einer Spielpause Teil der Musik zu bleiben: Mit geschlossenen Augen fühlte man bis zum nächsten Einsatz dem Spiel der anderen nach, hielt die Spannung in der Stille aufrecht, bewegte sich entlang der melodischen Linien mit.

Es bedarf einer gewissen werktheoretischen Feinfühligkeit, um ein Programm zu gestalten, in dessen Gesamtkontext eine nur knapp zehnminütige Fremde Szene III ebenso wesentlich ist, wie ein mehrsätziges Werk mit fünffacher Länge. In dieser Hinsicht legte das »Trio Jean Paul« einen runden und erinnerungswürdigen Konzertabend hin, in dem der Gruppe darüber hinaus durch und durch nachzufühlen gewesen war, dass sie die Musik zu einer Herzensangelegenheit gemacht hatte.

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