Neue Bürgerliste sorgt für Riesenüberraschung in Rabenau

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RABENAU - (dge). Landauf, landab sind die Bürgerlisten auf dem Vormarsch, doch dürfte die Liste "Bürger für Rabenau" (BfRab) bei der Kommunalwahl 2021 den sprichwörtlichen Vogel abgeschossen haben. Addiert man die Summe der Verluste von CDU, SPD, FW und Grünen (im Vergleich zu 2016), kommt man exakt auf das Ergebnis, das die neue, erst im vergangenen Jahr gegründete Bürgerliste eingefahren hat:

43,38 Prozent. Zehn von den insgesamt 23 Sitzen in der Gemeindevertretung sind den BfRab damit sicher, sie sind jetzt die stärkste Fraktion. Einzig die Grünen haben es geschafft, ihr Ergebnis mit einem minimalen Verlust - und auch ihre zwei Sitze - zu halten. Für die CDU bleiben nunmehr vier (2016: sechs) Sitze, für die FW drei (acht) und die SPD vier (sieben).

"Ganz klar Freude" sei die Reaktion auf die ersten Ergebnisse gewesen. Christoph Nachtigall, Spitzenkandidat und Gründer der BfRab, spricht von einer "Aufbruchstimmung", die viele gespürt und letztlich die Wähler überzeugt habe. "Wir waren sehr präsent, haben ein auch vom Alter her breit aufgestelltes Team. Wir haben uns mit den Themen auseinandergesetzt, versucht, neue Ideen einzubringen. Unsere Arbeit ist wahrgenommen worden." Das Rezept: "Wenn Menschen zusammenarbeiten, können sie etwas bewegen." Offensichtlich trauten die Wähler das der Bürgerliste zu. "Wir haben ein Top-Ergebnis eingefahren und ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Rabenau wirklich weiterbringen können."

"Wir sind alle überrascht von dem Ergebnis für die BfRab", gibt Andreas Hübl, Spitzendkandidat der Christdemokraten, ganz freimütig zu und gratuliert der neuen Bürgerliste ausdrücklich zu ihrem Wahlerfolg. Die CDU sei "noch mit einem blauen Auge davongekommen", trotzdem habe er sich ein besseres Abschneiden gewünscht. "Wir müssen jetzt sehen, dass wir alle miteinander arbeiten, das Beste für die Rabenau machen." Der Wählerwille sei eindeutig, so Hübl.

Ottmar Lich (FW) meinte, das sei schon ein "erdrutschartig" gewesen. Für die Freien Wähler freue er sich, dass zwei junge Kandidaten in die Gemeindevertretung einziehen. Wie sich die künftige Zusammenarbeit gestalte, bleibe abzuwarten. "Die Frage ist, ob die neue Liste zaubern kann. Wir kochen alle nur mit Wasser." In der Vergangenheit habe man unangenehme Entscheidungen für die Bürgerschaft treffen müssen. Vielleicht seien die Parteien dafür abgestraft worden. Jetzt trügen andere die Verantwortung und müssten zeigen, welche Lösungen sie haben. Die FW wollten in der neuen Konstellation im Parlament konstruktiv mitarbeiten. "Es wird keine Blockade geben, aber wir lassen uns auch nicht alles gefallen", blickt Lich in die kommende Legislaturperiode.

Nach vorne blickt auch Bärbel Schomber, Spitzenkandidatin der SPD. Es kämen viele neue Leute in die Gemeindevertretung, nun müsse man schauen, wie man einen Konsens finde, damit Rabenau zukunftsfähig werde. "Rabenau ist hoch verschuldet, das spüren die Menschen hier leider auch am eigenen Geldbeutel. "Aber die Bürger haben entschieden." Natürlich seien die Verluste für die SPD schmerzlich, die "gute politische Arbeit" nicht gesehen worden. Doch das Wahlergebnis zeige die Unzufriedenheit der Rabenauer Bürger. "Es wird sicherlich spannend", lautet ihre Erwartung an die künftige politische Arbeit.

Es sei wohl nötig gewesen, dass es einmal "so einen Knall gegeben hat", meinte Karl-Heinz Till, Spitzenkandidat der Grünen, angesichts des Wahlergebnisses für die BfRab. Nicht ganz so zufrieden ist er mit dem Abschneiden seiner Partei, habe sie doch den landesweiten "Hype" nicht erreichen können. Till sprach von einem "zementierten Stillstand" in den vergangenen Jahren, den die Bürger nun abgestraft hätten. Kita und Feuerwehrhaus zum Beispiel seien jahrelang aufgeschoben worden. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit den neuen Kollegen, da seien etliche patente Leute drunter. Für den Stillstand machte er die FW verantwortlich und nimmt an, dass aus diesem Grund auch einige der Freien Wähler zur Bürgerliste gewechselt seien. "Die FW hat das ja regelrecht pulverisiert."

Hier die Namen der Gewählten, ihr Stimmenanteil und der Listenplatz:

CDU Andreas Hübl 1205 1

CDU Egon Kellermann 1051 8

CDU Michael Harnack 789 9

CDU Tina Reinhardt 786 7

Grüne Ute Wissner 1177 2

Grüne Petra Aumann 828 3

SPD Ingo Lich 1195 11

SPD Bärbel Schomber 1018 1

SPD Dr. Roland Beatzel 923 2

SPD Uwe Höres 744 4

FW Florian Steinmann 772 3

FW Florian Schnecker 768 6

FW Edwin Schnell 727 1

BfRab Christoph Nachtigall 2840 1

BfRab Matthias Bender 1898 2

BfRab Björn Zimmer 1828 3

BfRab Thorsten Olschinski 1753 5

BfRab Jan Benedikt Hausner 1678 4

BfRab Markus Titz 1443 10

BfRab Swen Ludwig Claar 1431 7

BfRab Pamela Becker 1429 6

BfRab Svenja Vogt 1202 9

BfRab Dirk Joachim Philipp 1132 15

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