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Luftballons, Girlanden und ein altes Sofa zur Begrüßung: Die Kollegen von Manuel Rosenke hatten sich etwas einfallen lassen für seinen ersten Arbeitstag als Bürgermeister.

Neuer Chef, altes Sofa

Fernwald (vb). Nanu, seit wann steht ein beige-braun-meliertes Sofa im Büro des Fernwalder Bürgermeisters? Besucher wunderten sich am Montag auch über Luftballons und Girlanden, mit denen das Zimmer geschmückt worden war. Des Rätsels Lösung: Die Kollegen hatten Manuel Rosenke an seinem ersten Arbeitstag als neuer Bürgermeister überrascht. »Ich dachte auch, dass das Zimmer beim letzten Besuch anders aussah«, lachte der 38-Jährige beim Pressegespräch.

Doch die Umgestaltung wird nicht lange Bestand haben. Das Sofa - noch aus Zeiten des früheren Bürgermeisters Dieter Howe - kommt wieder raus und ein Tisch samt Stühlen erhält seinen gewohnten Platz. Knapp ein halbes Jahr nach seiner Wahl hat der Parteilose am 1. Januar die Nachfolge von Stefan Bechthold (SPD) angetreten.

»Viel Vorfreude« war mit dem ersten Arbeitstag verbunden, zu dem der Albacher per WhatsApp viele Glückwünsche von Kollegen, Freunden oder den Feuerwehren erhielt. Rosenke machte morgens eine Runde durch die Büros im Rathaus und wünschte allen ein frohes neues Jahr. »Ich komme hier nicht als Fremder rein, ich bin noch der, der ich war«, sagt der frühere Leiter der Finanzabteilung. Folglich kennt er die Mitarbeiter und ist mit vielen per Du. Dennoch plant er Einzelgespräche, will alle Kindergärten und sonstigen Einrichtungen der Gemeinde besuchen sowie sich auf der Kläranlage über anstehende Investitionen informieren. Eine wertvolle Hilfe beim Start im neuen Amt für Rosenke ist seine Sekretärin Ellen Starke. Sie hatte diese Funktion bereits bei seinen Vorgängern Stefan Bechthold, Matthias Klose und Dieter Howe inne. »Von mir aus ist alles klar. Ich arbeitete gerne für den neuen Bürgermeister und unterstütze ihn loyal.«

»Vertrauen in die Fachabteilungen«

Mit welcher Einstellung geht er an die neue Aufgabe heran? »Als Bürgermeister habe ich mit vielfältigen Themen zu tun, mit denen ich mich vorher nicht beschäftigen musste. Ich kann nicht so tiefgründig einsteigen wie früher in die Finanzthemen, aber da habe ich das Vertrauen in die Fachabteilungen«, erklärt der 38-Jährige, der sich als »kommunikativen Typ und akribischen Arbeiter« bezeichnet.

Eines der anstehenden Themen der kommenden Monate ist die Zukunft der Straßenbeiträge. Die Gemeindevertretung muss entscheiden, ob das bisherige System Bestand hat, ob es wiederkehrende Beiträge geben soll oder ob diese ganz abgeschafft werden. Letzteres hält der neue Bürgermeister für keine gute Idee, denn »das Geld muss ja irgendwo herkommen«. Rosenke kann sich wiederkehrende Beiträge vorstellen, bei denen wie in Buseck jeder Eigentümer- abhängig von der Grundstücksgröße - jährlich kleinere Summen bezahlt, anstelle der oftmals fünfstelligen Beträge nach einer Sanierung. Der Albacher findet das bisherige System »sozial ungerecht«. Auf jeden Fall ist eine Bürger-Infoveranstaltung geplant.

Als zweites großes Thema nennt Rosenke die energetische Sanierung von Rathaus und Fernwaldhalle, die aus den 70er Jahren stammen. Das Rathaus ist nicht barrierefrei, es gibt keinen Sozialraum für die Mitarbeiter und auch über ein Bürgerbüro wird nachgedacht.

Davon losgelöst und als Maßnahme »sehr kostenintensiv« soll es um die Umgestaltung des Areals rund um die Fernwaldhalle gehen, bei der auch die ausgereizten Platzkapazitäten bei der Feuerwehr und auf dem Bauhof berücksichtigt werden müssen. Laut Rosenke erarbeitet ein Fachbüro aktuell eine Planung.

Und schließlich soll nach dem Beschluss über die Satzung eines Jugendparlaments dieses auch gebildet werden. In der nächsten Sitzung des Sozialausschusses werden die neue Jugendpflegerin Laura Jäger und Ingrid Macht von der Jugendförderung des Landkreises zu Gast sein, um mit den Gemeindevertretern darüber zu beraten, wie man Jugendliche für das Thema interessieren kann.

Finanziell habe die Gemeinde die Corona-Pandemie bisher gut überstanden, berichtet Rosenke. Der Überschuss von 2021 geht in die Rücklage »für schlechte Zeiten«. Der Haushalt 2022 soll in der Gemeindevertretersitzung am 8. Februar verabschiedet werden.

Gerne würde er die Bilanz der abgewickelten gemeindeeigenen Erschließungs- und Betriebsgesellschaft Fernwald (EBF) verbessern, in dem er das Holzhackschnitzelheizwerk verkauft. Dazu soll es neue Gespräche mit den Stadtwerken Gießen geben.

Abschreckend war viele Jahre das Klima in der Gemeindevertretung. Der neue Bürgermeister will seinen Teil dafür tun, dass die inzwischen bessere Stimmung anhält. Er wolle sich in den Fraktionen vorstellen und »frühzeitig Infos an alle« geben. »Sie sollen sich zurecht auch abgeholt fühlen.« Im Gemeindevorstand, der am 11. Januar erstmals im neuen Jahr wieder tagt, erwartet er eine »enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit«.

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