Neuer Förderverein für Projekt "Allendorfer Altstadt"

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ALLENDORF/LDA - (dge). Bereits im August war die Initiative "Neue Altstadt Allendorf" mit dem "Hessischen Preis für Innovation und Gemeinsinn im Wohnungsbau", der mit 20 000 Euro dotiert ist, ausgezeichnet worden. Dazu war Tarek Al-Wazir, Hessens Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, eigens ins beschauliche Lumdatal gereist. Ein großer Moment für Renate Becker, denn sie hatte den Stein überhaupt erst ins Rollen gebracht.

Doch dazu gleich.

Vor Kurzem wurde erst einmal der Förderverein zu dem ambitionierten Projekt aus der Taufe gehoben. Acht engagierte Bürger hatten sich in der Gaststätte "Zum Alten Bahnhof" eingefunden, um einen gemeinnützigen Förderverein "Hand in Hand - Neue Altstadt Allendorf" zu gründen. Wie der frisch gekürte Vorsitzende Roland Meuschke mitteilte, ist das Ziel des neuen Vereins, "die bereits begonnene und ausgezeichnete Arbeit einer Bürgerinitiative zur Weiterentwicklung der Innenstadt im Sinne des generationenübergreifenden, barrierefreien, Familien- und Altengerechten gemeinschaftlichen Wohnens zu fördern und zu ermöglichen." Außerdem will der Verein kompetenter Ansprechpartner für die Stadt Allendorf sein. Von dort, quasi aus dem Rathaus, hat Bürgermeister Thomas Benz (FW) schon Unterstützung signalisiert und das Projekt gelobt. Auch die Kommunalpolitik steht dem Ganzen wohlwollend gegenüber.

Drei Dinge sind in der Satzung als Vereinszweck genannt. Das ist zum einen die Gestaltung und Entwicklung der Innenstadt Allendorf, wobei ein besonderes Gewicht im Bereich des selbstbestimmten und aktiv gestalteten Wohnens in altersgerechter Umgebung liegt. Zum Zweiten will man einen Anlaufpunkt für am gemeinschaftlichem Wohnen Interessierte zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch und der Vermittlung von Informationen über gemeinschaftliches Wohnen und Wohnprojekte bieten, drittens soll ein stabiles soziales Umfeld zur Erhöhung der Lebensqualität mit Unterstützung in der Betreibung einer Tagespflegeeinrichtung geschaffen werden. Bei der Vorstandswahl fungierte Altbürgermeister Horst Hormann als Wahlleiter. Neben dem Vorstand (siehe Infokasten) wurden Mareike Krieb und Ulrich Schmitz zu Kassenprüfern gewählt.

Doch worum geht es beim Projekt "Neue Altstadt" und wie kam es zu der Idee? Im Prinzip ist es eine traurige Geschichte, die für Initiatorin Renate Becker den Anstoß gab. Ihre Vermieter, ein älteres Ehepaar, hatten ihr Haus verkauft und sind in ein Seniorenheim gezogen. Nur ein Jahr später sei die Ehefrau verstorben. "Das kann es doch nicht sein, dass ältere Menschen nach über 70 Jahren ihr Zuhause verlassen, weil sie alleine nicht mehr zurechtkommen", so hatte sie im Rahmen der Preisverleihung ihre Beweggründe geschildert. Becker gelang es, Prof. Maik Neumann (Technische Hochschule Mittelhessen) als Fachmann für nachhaltiges Bauen für das Projekt zu gewinnen. Nun gibt es bereits eine anschauliche Broschüre, die gemeinsam mit Neumann entworfen worden war. Zuvor hatte Renate Becker in Manfred Damm, Sandra Henneberg und Günter Muhly bereits engagierte Mitstreiter gefunden. Becker hatte bei den Anwohnern vorgefühlt, war von Haus zu Haus gegangen, um für das Vorhaben zu werben. Sie stieß auf offene Ohren.

Der Grundgedanke, der hinter all dem steht, ist, dass Menschen auch im hohen Alter selbstbestimmt im Ortskern wohnen können. Daher soll die Allendorfer Altstadt so gestaltet werden, dass sie nicht nur zu einem Wohn-, sondern auch zu einem Begegnungsort für alle Generationen wird. Im Fokus des Vorhabens liegt der Bereich Rheingasse, Marktstraße, Treiser Straße und Kirchstraße.

Wie in vielen dörflichen geprägten Ortschaften gibt es auch in Allendorf Gebäude, die ehemals landwirtschaftlich genutzt wurden und nun leer stehen. Ebenso typisch für den ländlichen Raum: In manchen Häusern wohnt eine Person alleine. Manche Gebäude in dem Bereich sind bereits restauriert, andere könnten ein wenig Zuwendung vertragen. Die "neue Altstadt" soll vom Quartiersgedanken getragen werden. Die Stichworte dazu lauten Mehrgenerationenwohnen, Tagespflege, Nachbarschaftshilfen, Läden, Gastronomie und Coworking-Büros, Freiflächen als Bürgergarten mit Spiel- und Sitzgelegenheiten. Ein Augenmerk soll außerdem auf die Aspekte Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Klimaschutz gelegt werden. Um das umzusetzen, ist eine Bürgerbaugenossenschaft im Gespräch.

In der nächsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 22. November wird Maik Neumann das Projekt nochmal im Detail erläutern.

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Der Vorstand:

Vorsitzender: Roland Meuschke

Stellvertreterin: Renate Becker

Kassenwartin: Sandra Henneberg

Schriftführer: Manfred Damm

Beisitzerin: Petra Folkmann

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