Neuer Versuch ab 1. Februar

Kreis Gießen (vb). Seit Oktober 2017 ist das Gesundheitsamt des Landkreises Gießen formell ohne Leitung. Im Juli des Jahres war Dr. Jörg Bremer in den Ruhestand verabschiedet worden. Er kehrte in der Anfangszeit der Corona-Pandemie als Berater mit Honorarvertrag kurzfristig zurück. Sein Nachfolger blieb dem Landkreis nur drei Monate erhalten. Seitdem sind diverse Versuche gescheitert, einen dauerhaften Leiter oder eine Leiterin zu finden.

Das Problem ist die Bezahlung, da der Landkreis nach Tarif zahlt, ein Arzt im Krankenhaus aber mehr Geld verdienen kann. Ab 1. Februar wird es einen neuen Versuch geben.

Dann tritt eine Ärztin im Gesundheitsamt ihren Dienst an und wird eine Weiterbildung zum Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen absolvieren. Dies berichtete Nadine Jung, Pressereferentin des Landkreises, auf Anfrage des Anzeigers. Mittelfristig soll die Ärztin die Leitungsfunktion im Gesundheitsamt übernehmen.

Sie werde sämtliche Abteilungen des Gesundheitsamtes während der voraussichtlich drei Jahre dauernden Weiterbildung durchlaufen. Für die Übergangszeit wurde laut Jung ein Leitungsteam gebildet, das aus dem Verwaltungsleiter sowie den Sachgebietsleitern besteht, um die Aufgaben der Leitung des Gesundheitsamtes wahrzunehmen.

Ist die Bezahlung der Ärztin attraktiv? Nadine Jung nannte die Gehaltsklasse A16, was je nach Einstufung in Hessen eine Summe zwischen 5800 bis 7300 Euro brutto monatlich bedeutet.

Über die Feiertage machte ein Interview von Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Schlagzeilen. Sie erklärte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dass die Kontaktnachverfolgung bei Corona-Fällen für viele Gesundheitsämter nur noch sehr schwer möglich sei. Wegen des Anstiegs der Inzidenzen liege der Fokus jetzt darauf, zunächst die zahlreichen Corona-Fälle zu erfassen und zu melden. In mehreren Bundesländern sei die Suche nach Kontaktpersonen komplett ausgesetzt worden. Wie ist die Situation im Landkreis Gießen?

Team Covid mit 50 Kollegen

Bei der Ermittlung der Kontaktpersonen gebe es einen Rückstau von ein bis zwei Tagen, was zum Teil aber auch an der dünneren Personalbesetzung zwischen den Jahren liegen könne, teilte Jung mit.

Circa 50 Mitarbeiter des Teams Covid seien für die Fallbearbeitung mit allen dazugehörigen Arbeitsgruppen im Einsatz. Neu Infizierte würden kontaktiert und befragt. Quarantäneanordnungen werden nicht mehr ausgesprochen, da dies inzwischen in der hessischen Coronaschutzverordnung geregelt ist (wer nach einem PCR-Test ein positives Ergebnis hat, muss sich sofort in Quarantäne begeben). Per E-Mail und als QR-Code im Anschreiben wird ein Link zur Verfügung gestellt, unter dem Kontaktpersonen des Infizierten registriert werden können. Die Anordnungen für Kontaktpersonen würden tagesaktuell versendet, betonte die Pressereferentin.

Unterstützt wird das Covid--Team seit 13. Dezember von zwölf Bundeswehrsoldaten. Der Einsatz dauert laut Jung zunächst bis zum 26. Januar 2022. Eine Verlängerung kann bei Bedarf beantragt werden. Mitarbeiter aus anderen Abteilungen der Kreisverwaltungen sind derzeit nicht in Sachen »Corona« aktiv.

»Motiviert, aber auch angespannt«

Wie ist die Stimmung im Gesundheitsamt? »Die Kollegen sind motiviert, aber auch angespannt, was die prognostizierte Omikron-Welle angeht. Besonders in Bezug auf kritische Infrastrukturen werden - soweit dies möglich ist -Vorbereitungen getroffen«, antwortete die Pressereferentin.

Zur Frage nach weiteren Vakanzen jenseits der Leitungsstelle hieß es, dass Kollegen, die zusammen fünf Vollzeitstellen haben, zum Jahresende ausscheiden. Die Krankheitsrate im Dezember sei »überdurchschnittlich hoch«. Laut Stellenplan 2022 sollen vorhandene Stellen nachbesetzt und weiterere ausgeschrieben werden, um den Anteil an Fachpersonal zu erhöhen.

Im Sommer 2020 hatte es einen Nachtragshaushalt des Kreises eigens für zusätzliche Stellen im Gesundheitsamt gegeben. 500 000 Euro waren für sechs unbefristete und bis zu 25 befristete Vollzeitstellen zur Verfügung gestellt worden, um sich für künftige Herausforderungen zu wappnen - zum Beispiel einen neuen verstärkten Coronavirus-Ausbruch.

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