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Nicht allein in neuer Lebenssituation

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V.l.: Die stellvertretende Ortsvorsteherin Kornelia Steller-Nass (SPD), Sina Steuernagel, ehrenamtliche »Hallo Welt«-Koordinatorin, Meike von Stoutz, ab Januar hauptamtliche »Hallo Welt«-Koordinatorin, Bürgermeister Dirk Haas (SPD), Clara Nickel, ehrenamtliche »Hallo Welt«-Koordinatorin sowie Dr. Susanne Gastmann, hauptamtliche »Hallo Welt«-Koordinatorin bei »Eltern helfen Eltern« in Gießen. © Dreyer

Buseck (jbd). In Buseck wird es ein neues Angebot für Familien geben, die gerade ein Kind bekommen haben. »Hallo Welt«-Familiencafés gibt es bereits in Gießen und in Laubach, nun halten sie weiter Einzug im Landkreis. Schon seit 2010 können Eltern in Stadt und Landkreis von ehrenamtlichen »Hallo Welt«-Botschafterinnen besucht, beraten und begleitet werden.

Nun kommt in Buseck eine Anlaufstelle vor Ort dazu, wo Eltern von Babys im Alter von wenigen Wochen bis zu einem Jahr sich wöchentlich treffen und austauschen können und bei Bedarf fachkundige Beratung und Unterstützung erfahren.

Geplant ist dies ab Januar in der Brandsburg in Alten-Buseck, wo das Projekt am Freitag von Dr. Susanne Gastmann, hauptamtliche Koordinatorin des Gießener Vereins »Eltern helfen Eltern e. V.« (Träger der »Hallo Welt«-Angebote), zusammen mit ihrer Kollegin Meike von Stoutz und zwei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen vorgestellt wurde.

Gefördert wird das für Familien kostenlose Angebot vom scheidenden Bürgermeister Dirk Haas (SPD) und der stellvertretenden Ortsvorsteherin Kornelia Steller-Nass (SPD), die beim Pressetermin ihre Freude über das wohnortnahe Angebot ausdrückten. Haas betonte, dass er das »Hallo Welt«-Projekt von Anfang an im Kreis-Ausschuss begleitet habe.

Bei den wöchentlichen Gruppentreffen (Familiencafés) sind jeweils zwei der ehrenamtlichen »Hallo Welt«-Koordinatorinnen anwesend. Diese sind über den Verein »Eltern helfen Eltern e. V.«, der seit 1978 in Gießen besteht, gründlich für die Aufgabe geschult worden. Seit 2013 gibt es das Familiencafé-Angebot in Gießen.

Die anwesenden Koordinatorinnen Sina Steuernagel (auch stellvertretende Vereinsvorsitzende) und Clara Nickel, beide aus Buseck, berichteten von ihrer Tätigkeit im »Hallo Welt«-Projekt. Da die Gemeinde diese mit Hauptamtlichen nicht bezahlen könne, so Haas, sei er »sehr froh, dass es das ehrenamtliche Engagement gibt«.

Seit zwölf Jahren erhalten Eltern nach der Geburt des Kindes in einem Begrüßungsschreiben der Gemeinde die Kontaktdaten der Mitarbeiterinnen (»Hallo Welt«-Botschafterinnen) und können dann einen Termin vereinbaren. Der erste Kontakt entsteht in der Regel durch einen Begrüßungsbesuch in der Familie, bei dem den Eltern der Neugeborenen ein Familien-Begleitbuch mit allen wichtigen Informationen rund um das erste Lebensjahr sowie zu Angeboten für junge Familien am Wohnort überreicht wird.

Später erhalten sie ein weiteres Kapitel über das zweite und dritte Lebensjahr. In der Pandemiezeit findet der Erstkontakt auch bei einem Spaziergang, auf dem Spielplatz oder im Café statt. Auf den Geburtsstationen in Lich (Asklepios-Klinik), im Universitätsklinikum in Gießen (derzeit pandemiebedingt nicht) und im St. Josefs Krankenhaus werden gleichfalls erste Kontakte ermöglicht. Anschließend können die Botschafterinnen Familien länger begleiten.

Dirk Haas schätzt besonders, dass mit den Familiencafés ein zusätzliches niederschwelliges Bildungs- und Beratungsangebot, unabhängig vom Jugendamt, existiert, bei dem auch die Kinder aktiv einbezogen werden. Familien und ihr Umfeld könnten in Stresssituationen entlastet werden, zum Beispiel bei durchwachten Nächten oder anderen belastenden Lebensumständen. Für Kornelia Steller-Nass ist wichtig, in Buseck - gerade in der geeigneten barrierefreien Brandsburg - »ein inklusives Angebot mit reinzubringen«.

Kommunikation anstoßen

Die Koordinatorinnen sehen ihre Aufgabe bei den Familiencafés vor allem in der Vernetzungsarbeit. Sie möchten die Kommunikation zwischen den Müttern und Vätern anstoßen. »Wenn die Eltern untereinander ins Gespräch kommen, kann ich mich auch wieder zurückziehen«, beschreibt Sina Steuernagel ihre Funktion. Der Austausch stehe im Mittelpunkt, nicht die fachkundigen Leiterinnen. Es sei aber keine Selbsthilfegruppe, sondern ein offenes Angebot. Expertinnen und Experten, wie ein Kinderarzt, könnten auch mal hinzugezogen werden. Geplant ist, dass Eltern freitags zwischen 16 Uhr und 18 Uhr nach ihren Möglichkeiten mit dem Baby kommen und gehen können, erläutert Susanne Gastmann. Auch Geschwisterkinder sind willkommen. Die langjährige Koordinatorin weiß, dass sich beim dritten Kind zudem manchmal ganz neue Fragen stellen. Während die Erwachsenen sich austauschen, sollen sich die Kinder bewegen können. Es werde auch mal gemeinsam gesungen oder Eltern kämen über anregende Zitate ins Gespräch. »Es entwickeln sich Sachen, die man nie geahnt hätte«, berichtet Gastmann.

In der Pandemie hat sich auch ein Online-Familiencafé etabliert, das gut angenommen werde, jeweils am letzten Dienstag im Monat. So kann der Kontakt aufrechterhalten werden, wenn beispielsweise das Kind krank ist, Familien etwas entfernt wohnen oder wegziehen. Die gemütlichen Treffen bei Kaffee, Tee und Kuchen in der Brandsburg müssen allerdings noch etwas warten. Starten möchten die Organisatorinnen zunächst mit einem Spaziergang am 14. Januar um 16 Uhr von der Brandsburg aus, für den keine Anmeldung notwendig ist.

Weitere Informationen zu den Angeboten gibt es unter www.ehe-giessen.de/hallowelt. Für Fragen stehen Dr. Susanne Gastmann und ab Januar auch Meike von Stoutz bei »Eltern helfen Eltern« per Telefon unter 0641/38650 oder unter hallo-welt@ehe-giessen.de zur Verfügung.

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