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Der Versuch, den Geldautomaten der Sparkasse in Alten-Buseck zu sprengen, scheiterte Ende Juni 2021. Zwei der Täter wurden gestern zu Jugendstrafen verurteilt.

Geldautomatensprenger

Niederländer für Tat in Alten-Buseck verurteilt

Zwei der drei Täter der versuchten Geldautomatensprengung in Alten-Buseck müssen ins Gefängnis.

Kreis Gießen (bcz). Hungen, Buseck, Langgöns, Linden - das sind nur einige der Tatorte, an denen in den vergangenen Monaten Geldautomaten gesprengt worden sind. In den meisten Fällen sind die Täter nach erfolgter oder gescheiterter Sprengung verschwunden. Doch im Juni 2021 hat die Polizei zwei der drei Tatverdächtigen in Alten-Buseck festgenommen. Die niederländischen Staatsbürger, beide 20 Jahre alt, mussten sich gestern vor dem Jugendschöffengericht verantworten und wurden zu Jugendstrafen von je 18 Monaten ohne Bewährung verurteilt.

In den frühen Morgenstunden des 23. Juni 2021 wollten die Männer den Geldautomaten der Sparkasse in der Straße »Am Rinnerborn« in Alten-Buseck sprengen, um so an das Geld heranzukommen. Doch bevor sie diese Tat ausführen konnten, wurden sie von der Polizei gestellt und zwei von ihnen festgenommen.

Die Anwohner rund um das kleine Automatenhäuschen an der Ortsdurchfahrt hatten in der Nacht vom 22. zum 23. Juni Glück, denn die Täter waren mit rund 1,2 Kilogramm Sprengstoff angereist, um den Automaten zu sprengen. Das hätte einen erheblichen Sachschaden verursachen können. Laut Aussage der Polizei wären rund 400 Gramm des Sprengmittels ausreichend gewesen, um das kleine Häuschen samt Automat zu zerstören. Daher lautete die Anklage auch auf schwereren Bandendiebstahl in Tateinheit mit dem Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion.

Schulden und Abenteuerlust

Zu ihren Motiven erklärten die beiden Angeklagten über die Dolmetscherin, dass sie Schulden hätten und sich auch aus etwas Abenteuerlust dazu hätten hinreißen lassen. Beide Männer sind in Amsterdam geboren, leben im gleichen Viertel und kennen sich vom Sehen. Sie wohnen bei ihren Familien, besuchen eine Schule und verdienen sich durch gelegentliche Jobs noch etwas dazu.

Laut den Aussagen der Polizeibeamten war der Tathergang wie folgt: Die drei Männer organisierten sich das entsprechende Werkzeug sowie den benötigten Sprengstoff, trafen sich am Vorabend in Utrecht, um nach Buseck zu fahren, wo sie den Tatort besichtigten. Anschließend fuhren sie zu einer Garage, die als Unterschlupf dienen sollte. Gegen 2.30 Uhr ging es zu dem Automaten. Dass es nicht zur Sprengung kam, lag vor allem daran, dass die niederländische und die deutsche Polizei das Trio bereits im Blick hatten, so dass es zur Festnahme kam, bevor etwas passieren konnte. Das Tatfahrzeug wurde später in Wetzlar verlassen und mit wenigen verwertbaren Spuren aufgefunden.

Keine Hintermänner verraten

Die beiden Angeklagten zeigten sich zwar geständig, jedoch nur bei den Dingen, die offensichtlich waren und bei denen ein Leugnen zwecklos war. Sie nannten keine weiteren Namen möglicher Hintermänner, weitere Umstände oder Hintergründe. Die Männer begründeten dies mit Angst, dass ihren Familien etwas passieren könnte.

Daher stufte das Gericht die Geständnisse als halbherzig ein und sah auch keine echte Reue der beiden Straftäter. »Sie wussten genau, worauf Sie sich einlassen. Für Bewährung ist hier kein Raum«, sagte die Vorsitzende Richterin Dr. Maddalena Fouladfar in der mündlichen Urteilsbegründung und sie bestätigte die besondere Schwere der Schuld, die der Staatsanwalt gefordert hatte. Hingegen konnte die Mitgliedschaft in einer kriminellen Bande nicht hinreichend belegt werden, so dass die Niederländer letztlich für die Verabredung zu einem Verbrechen und der Beschaffung von Sprengstoff zur Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion verurteilt wurden.

Das Gericht folgte auch nicht den Wünschen der Verteidiger, die jeweils für eine Jugendstrafe zur Bewährung plädiert hatten, da die Angeklagten die Tat nicht vollendet hätten und auch sonst geständig und reuig gewesen wären.

Staatsanwalt Moriz Leo Musinowski hatte für eine Haftstrafe von drei Jahren plädiert und darauf hingewiesen, dass eine Teilnahme an einem solchen Delikt nicht mit der klassischen Jugendkriminalität zu vergleichen sei. »Das ist organisierte Schwerkriminalität. Sie können froh sein, dass es nicht zur Sprengung gekommen ist.«

Da die Niederländer seit der Tat in Untersuchungshaft sitzen, müssen sie noch ein knappes Jahr verbüßen. Allerdings können gegen das Urteil binnen einer Woche Rechtsmittel eingelegt werden.

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