1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Kreis Gießen

Noch kein Gänsehaut-Feeling

Erstellt:

gikrei_2604_jcs_Hallenba_4c
Schwimmmeister Andreas Jung hat das Thermometer im Hallenbad Pohlheim, dem größten im reinen Landkreis, parat und misst die Wassertemperatur im Sprungbecken. © Wißner

Gänsehautfeeling im Schwimmbad, weil die Energiekosten steigen?! Zumindet in der Ringallee in Gießen wurde die Wassertemperatur im Hallenbad schon um ein Grad gesenkt.

Kreis Gießen . Mit dem Krieg in der Ukraine sind die Heizkosten explodiert. Nicht nur an den Zapfsäulen, sondern auch die Heizkosten sind emporgeschossen und zahlreiche Eigenheimbesitzer machen sich Gedanken, wie Heizkosten eingespart werden können. »Angesichts hoher Energiekosten hat die Stadt Amsterdam beschlossen, das Wasser in ihren Schwimmbädern um ein Grad weniger aufzuheizen«, lautet kürzlich eine Meldung, der man kam glauben mochte. Die Stadtverwaltung erwog sogar weitere Maßnahmen, und kurz danach gab es auch hierzulande Nachahmer.

Dies veranlasste den Anzeiger bei den Betreibern der heimischen Hallenbäder nachzufragen, ob die hohen Energiekosten die Wassertemperaturen in den Keller treiben. Gerade in einer Zeit, in der der Badebetrieb wieder Fahrt aufnimmt, nachdem die Coronapandemie die Betreiber mit Schließungen hart getroffen hatte, ist das ein sensibles Thema. Jeder will es gerne im Bad warm haben, allerdings sollen auch die Kosten nicht davon rennen.

Interessantes förderte die Anzeiger-Umfrage im Allgemeinen zutage. Denn es stellte sich heraus, dass zu Zeiten des Hallenbadbaubooms in den 70er Jahren die Badetemperatur seinerzeit in den meisten Bädern bei 26 Grad lag. Heute beträgt diese fast überall 29 Grad - eine Temperatur, die in früheren Jahren als »Warmbadetag« angesagt war, wenn die Kessel hochgefahren wurden. Einen solchen boten die Bäder seinerzeit einmal wöchentlich an. Warum heute die Bäder wärmer sind als in früheren Jahren, dafür gibt es keine allgemeingültige Erklärung und auch der Begriff »Warmduscher« hat hiermit nichts zu tun. Allerdings wird umso klarer, warum so mancher damals in den Bädern schneller Gänsehaut bekam.

Biebertal

Im Familienbad in Biebertal wurde während der Pandemie das Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen und eine Photovoltaikanlage aufs Dach gesetzt. »Das sind zwar auf den ersten Blick erstmal hohe Investitionen, aber die zahlen sich innerhalb der ersten zehn Jahre schon aus. Bei den jetzigen Energiekosten dürfte das noch schneller gehen«, meint dann auch Bürgermeisterin Patricia Ortmann.

Schwimmmeister Jörg Norwig betont, dass man sich schon länger damit befasst habe, Energiekosten zu sparen, auch schon vor Ausbruch des Ukrainekriegs. Es sei eine Umstellung auf LED-Beleuchtung erfolgt, wobei neben der Hallenbeleuchtung auch die Unterwasserscheinwerfer umgerüstet wurden.

Im Schwimmerbecken in Biebertal liegt die Badetemperatur bei 29 Grad, im Nichtschwimmerbecken bei 30 und im Babybecken bei 34 Grad. »Aktuell ist es noch nicht geplant, die Temperaturen zu senken. Was wir aber in Zukunft nicht ganz ausschließen können«, so Norwig.

Buseck

Das vom Hallenbadverein Busecker Tal betriebene Hallenbad hat hinsichtlich einer Absenkung der Badetemperatur noch keine Entscheidung getroffen. Wie Vorsitzender Wolfgang Dörr hierzu ausführte, soll das Thema allerdings beraten werden. Hier gibt es samstags bis dienstags sogar Warmbadetage mit 30,5 Grad, ansonsten sind es 29 Grad. Von den Amsterdamer Verhältnissen hat man hier bereits gehört und überlegt bereits, ob man sich das noch leisten kann, zumal die Mitglieder den Badebetrieb seit 1997, also schon 25 Jahre, tragen. Auf den Prüfstand gestellt werden jedenfalls die bestehenden Versorgungsverträge.

Gießen

»Das haben wir schon gemacht. Ende März haben wir die Badetemperatur in der Ringallee von 29 auf 28 Grad gesenkt«, gibt der Unternehmenssprecher der Stadtwerke Gießen, Ulli Boos, unumwunden zu.

Die Stadtwerke sind neben dem Hallenbad in der Ringallee für das Hallenbad Gießen-West, aber auch das in Pohlheim zuständig. In Gießen-West hält ein Blockheizkraftwerk die Temperaturen. Ein Einsparpotential ist hier nicht zu generieren.

Angaben wie hoch die Ersparnis aufgrund der Absenkung der Wassertemperatur in der Ringallee ausfalle, konnte Boos nicht machen. »Wir rechnen mit einer erheblichen Einsparung«. Genaueres könne erst im September gesagt werden, wenn eine erste Auswertung erfolgen soll.

Laubach

»Die Badewassertemperatur im Hallenbad Laubach beträgt seit jeher 29 Grad. Eine Absenkung ist aktuell nicht geplant«, versicherte dagegen Geschäftsführer Michael Köppen von der Gemeinnützige Laubacher Kultur- und Bäder GmbH.

Pohlheim

Das Hallenbad Pohlheim steht im Eigentum des gleichnamigen Zweckverbandes, gebildet von der Gemeinde Fernwald und der Stadt Pohlheim. Betrieben wird das Bad im Auftrag durch die Stadtwerke Gießen, bei der auch das Personal beschäftigt ist.

Wie Schwimmmeister Andreas Jung berichtet verfügt das Bad über vier Becken, wobei das große 50-Meter-Becken wie auch das Sprungbecken miteinander verbunden sind. Immerhin fast 1,9 Millionen Liter müssen damit auf einer Temperatur von 28 Grad gehalten werden. Das Lehr- und Nichtschwimmerbecken weist eine Badetemperatur von 31 und das Planschbecken gar von 32 Grad auf. Ob hier an der »Temperaturschraube« gedreht wird, darüber werde noch in den Gremien, zu denen der Förderverein »Hallenbad Pohlheim« gehört, beraten. Zur Energieeinsparung wurde eine coronabedingte Zwangsschließung nicht nur zur Erfüllung der Brandschutzauflagen sondern auch damit einhergehend zur LED-Umrüstung genutzt.

Lich

»Der Licher Hallenbadverein hat sich schon vor einigen Jahren mit der Frage befasst, wie die Energiekosten im Griff behalten werden können. Wir haben uns dazu fachliche Beratung geholt. Daher wurde schon vor mehr als fünf Jahren die Klimaanlage dergestalt erneuert, dass jetzt ein erheblicher Teil der Wärme zurückgewonnen wird. Wir haben so in den vergangenen Jahren unsere Kosten für Strom und Heizung um bis zu 50 Prozent gesenkt, und damit nicht nur die Kosten, sondern natürlich auch den Wärmebedarf«, betont Schatzmeisterin Isolde Zimmer.

Überhaupt sei das Bad an ein Fernwärmesystem angeschlossen, bei dem die Preise langfristig kalkuliert und die Schwankungen bis jetzt sehr moderat ausfielen. Bei der Wassertemperatur von 30 Grad sei man dem Wunsch der Mitglieder gefolgt, weshalb eine Absenkung derzeit nicht geplant sei. »Wir halten die Wassertemperatur konstant, das heißt es gibt keine Tage, an dem das Wasser noch einmal aufgeheizt wird. Verbunden mit der Wärmerückgewinnung durch die Klimaanlage ist der Wärmebedarf für das Badewasser auch recht konstant. Ohne begleitende Maßnahmen wie Wärmerückgewinnung und Erneuerung von Fenstern ist es schwer, in einem Bad die Kosten für die Heizung im Griff zu behalten, man muss - wie überall - kontinuierlich in die Gebäude investieren«, betont sie.

Lollar

Im Lollarer Hallenbad wird derzeit maximal gespart, denn es ist wegen Bauarbeiten »voraussichtlich bis zum Sommer 2022 geschlossen«, heißt es auf der Homepage. Erst dann wird man sich seitens der Stadt Gedanken machen müssen.

Auch interessant