Norma plant in Annerod mit 1150 Quadratmetern Verkaufsfläche

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FERNWALD - (ebp). Auf bis zu 1150 Quadratmetern Verkaufsfläche will der Discounter Norma noch in diesem Jahr seine Kunden in Annerod begrüßen. Der entsprechende Bebauungsplan wurde in der jüngsten Sitzung der Fernwalder Gemeindevertretung beschlossen. Das Regierungspräsidium Gießen hat zugestimmt, ein Abweichungsverfahren ist nicht notwendig. Wie Planer Holger Fischer in der Sitzung mitteilte, gab es aus den Reihen der Bevölkerung eine Stellungnahme, der jedoch nicht entsprochen wurde.

Der Steinbacher hatte argumentiert, dass ein Markt mit einer Verkaufsfläche von 1150 Quadratmetern nicht einhergehe mit den Vorgaben des Regionalplans Mittelhessen und des Landesentwicklungsplans und zudem die bestehende Grundversorgung in Steinbach beeinträchtigen könnte.

"Flächen für großflächige Einzelhandelsprojekte kommen nur in Oberzentren und Mittelzentren in Betracht. Standorte außerhalb der zentralen Ortsteile sind auszuschließen", heißt es im Regionalplan Mittelhessen. Die Gemeinde Fernwald gilt als Grundzentrum, hier weise der Landesentwicklungsplan Steinbach als zentralen Ortsteil aus, der "als Schwerpunkt der Versorgung und Infrastruktur in seiner Funktion und zentralörtlichen Einstufung zu sichern" sei, so der Bürger.

Der Steinbacher kritisiert, dass kein Verträglichkeitsgutachten vorliege, das Auskunft über mögliche Kaufkraftverschiebungen geben könnte. Neben dem Rewe in Steinbach seien auch die Supermärkte in Großen-Buseck und Reiskirchen sowie in der Grünberger Straße in Gießen in "zumutbarer Entfernung" zu Annerod gelegen. Einen Nachweis, dass der geplante Discounter auch auf diese Märkte keine negativen Auswirken habe, gebe es nicht.

Zwar sichere der neue Markt in Annerod "mehr Menschen eine noch wohnortnähere Versorgungsmöglichkeit als bislang". Die vorgesehene Verkaufsfläche sei jedoch nicht notwendig, um die Grundversorgung der Gemeinde zu sichern. Um eine Beeinträchtigung für die zentralen Ortsteil zu verhindern, müsse der geplante Norma in Bezug auf die Verkaufsfläche hinter Rewe zurückbleiben.

Die Kaufkraftbindungsquote, aus der sich ableiten lässt, ob die vorhandene Kaufkraft lokal genutzt wird oder in andere Regionen abfließt, liege für Fernwald mit dem neuen Discounter bei rund 64 Prozent, heißt es in der Abwägung. Es werde daher "auch weiterhin in vergleichsweise großem Umfang Kaufkraft aus Fernwald abfließen". Für Annerod rechne Norma mit einem Jahresumsatz in Höhe von vier Millionen Euro. Ein Vollsortimenter wie Rewe erwirtschafte auf 800 Quadratmetern bereits 4,1 Millionen Euro.

Der Steinbacher Supermarkt werde dagegen kaum Kunden durch den Neubau verlieren. Laut Abwägung liege die erwartete Umsatzumverteilung deutlich unter der allgemein als kritisch angesehenen Schwelle von zehn Prozent. Da "keiner der raumordnerisch oder städtebaulich schutzwürdigen Anbieter durch das Planvorhaben in Annerod existenziell gefährdet werden wird", sei eine Auswirkungsanalyse nicht notwendig. Der Rewe-Markt könne zudem in Steinbach und Albach mehr "Kaufkraft binden, als der Nahversorger in dem näher am Oberzentrum Gießen liegenden Ortsteil Annerod".

Auch beim Regierungspräsidium Gießen erwartet man durch den Neubau keine negativen Auswirkungen auf den Supermarkt in Steinbach. Da bereits im Regionalplan ausnahmsweise die geplanten Siedlungsflächen für Fernwald nicht in Steinbach, sondern Annerod festgelegt sind, sei es "konsequent, dort auch einen Lebensmittelmarkt zu ermöglichen, nachdem der dortige kleine Markt vor einigen Jahren geschlossen hat", teilte die Pressestelle auf Anfrage mit. Der Neubau diene der Zielsetzung einer wohnungsnahen Versorgung mit Lebensmitteln. Ein "erheblicher Verstoß gegen Ziele des Regionalplans" liege nicht vor, weshalb auch kein Zielabweichungsverfahren erforderlich sei.

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