1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Kreis Gießen

Oberhessisches Museum wird zum Spielzimmer

Erstellt:

gikult_IrinaRiesliest43__4c_1
Die Grundschüler lauschen Irina Ries im Oberhessischen Museum. Foto: Schultz © Schultz

Bundesweiter Vorlesetag: Schauspielerin Irina Ries will Kinder in Gießen für Bücher begeistern

Gießen . Vorlesen macht Spaß und tut gut, deshalb gibt es seit 2004 den bundesweiten Vorlesetag. An diesem Tag wird im ganzen Land jungen Menschen vorgelesen, in Gießen auch im Oberhessischen Museum. Vorleserin war Schauspielerin Irina Ries, die zu drei Terminen eingeladen hatte. Wir hörten bei dem ersten zu.

Vielfalt feiern

Der bundesweite Vorlesetag, der in diesem Jahr zum 19. Mal stattfand, eine gemeinsame Initiative von Die Zeit, Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung, ist »Deutschlands größtes Vorlesefest und ein öffentliches Zeichen, um alljährlich am dritten Freitag im November Kinder und Erwachsene für die Bedeutung des Vorlesens zu begeistern«, heißt es in der offiziellen Ankündigung. Das Oberhessische Museum feiert damit die Vielfalt unserer Gesellschaft als alltägliche Bereicherung und verbindendes Element.

Am Freitagmorgen waren zwei Schulen zu Besuch, die Grundschule Launsbach und die Waldschule Daubringen mit je einer Klasse 4. Irina Ries sagte vor Beginn, was Sache ist: »Wer jetzt noch was trinken will oder auf die Toilette, kann das jetzt tun« - und schon sauste ein Drittel der Kinder aus dem Raum und die andere Hälfe löschte ihren Durst. Jeder bekam ein Blatt Papier zum Zeichnen, einen Stift konnte man ausleihen; die meisten Kinder hatten jedoch Material dabei.

Es lag eine spürbare Vorfreude in der Luft, als Ries mit der ersten Geschichte begann: »Kleiner Löwe, großer Mut« von Tom Belz. Auf einer Leinwand konnte man Bilder aus dem Buch sehen, in dem ein kleiner Löwe mit nur drei Beinen Abenteuer erlebt.

Sie wurden von den Kindern genau betrachtet. Zum Beispiel spielt der kleine Löwe gern Wasserbomben mit den Nilpferden, die das nicht immer gut finden und schubst mal ein Nashorn an, das wider Erwarten umfällt, obwohl der Kleine das eigentlich gar nicht schaffen konnte. »Ich wollte dir eine Freude machen«, sagte das Tier lieb.

Irina Ries trug die politisch und moralisch vollkommen korrekte, witzige Geschichte professionell vor, intonierte perfekt und sprach glasklar. Selbstverständlich gab sie den Tieren jeweils eine eigene Stimme. Vor allem findet sie einen kindgerechten, sehr sympathischen Tonfall, der auf die kleinen Zuhörer eingeht.

Sie hörten sehr gut zu und begannen sorglich Löwenköpfe und Co. zu zeichnen. Zwischendurch fragte Ries die Runde nach Dingen aus ihrem Erlebten, die mit der Geschichte zu tun hatten, was auf rege Resonanz stieß. Insgesamt ähnelte der Ausstellungsraum an diesem Morgen eher einem riesigen Spielzimmer als einem Museumsort.

Dann kündigte Ries eine Geschichte in Reimform an, »Wie der Prinz die Ehe schloss« von Zoltán Csehy. Die Pointe darin war, dass der Bräutigam sich in einen anderen Prinzen verliebte und die Braut sich mit dem Hofmarschall vermählte.

Als Ries fragte, wer denn ein Gedicht vortragen könne, erinnerten sich die Kinder an das »Eichhörnchengedicht«, das sie gerade in der Schule gelernt hatten. Drei Mädchen trugen das witzige Werk auch prima vor. Überdies präsentierte Ries auch noch eine modernisierte Fassung von Hänsel und Gretel, »Die Schwestern Tag und Nacht« und die Geschichte eines kleinen Mädchens: Das Buch »Sulwe«, hat Oscarpreisträgerin Lupita Nyong’o geschrieben, es basiert auf ihrer eigenen Geschichte.

Skizzen als Erinnerung

Für alle Interessierten, jung oder alt, Einzelpersonen oder Familien, fand um 14 Uhr noch eine Lesung aus »Die kleine Hexe« von Otfried Preußler statt. Außerdem gab es Skizzen aus den Geschichten zum Ausmalen als kleines Geschenk zur Erinnerung.

Alles in allem war das eine gelungene Veranstaltung, die hohes sprachliches Niveau mit ebensolchem Vortrag, sozial konstruktive Inhalte und eine sehr altersgerechte Präsentation vereinte. Abgesehen davon und vom Zauber des Zuhörens wirkte sich das auch noch günstig auf die Erweiterung des Wortschatzes aus, weiß die Wissenschaft. Und die erwachsenen Zuhörer hatten auch immer wieder etwas zum Schmunzeln.

Auch interessant