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»Panzer aus Fell« getragen

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Der Shih Tzu-Mischling »Charlie« ist trotz seiner bisher katastrophalen Lebensbedingungen ein freudiges Kerlchen. Die Verwahrlosung des Hundes kann man noch am verfilzten Fell am Schwanz erkennen. Foto: Jahn © Jahn

Ein wohl zweijähriger Shih Tzu-Mischling hatte in der Gießener Weststadt sein gesamtes bisheriges Leben unter fürchterlichen Bedingungen verbracht. Die Heuchelheimer Tieroase kam zur Hilfe.

Heuchelheim (ljh). Im Tierschutz sind die Verantwortlichen viel Leid und verwahrloste Tiere gewohnt. Ein Hilferuf aus der Gießener Weststadt war jedoch selbst für Ilse Toth, Gründerin der Heuchelheimer Tieroase, einer ihrer schlimmsten Fälle. Ein wohl zweijähriger Shih Tzu-Mischling hatte dort sein gesamtes bisheriges Leben unter fürchterlichen Bedingungen verbracht. Die Schwiegertochter der Tierhalterin hatte die Tieroase kontaktiert, ein grundsätzlich recht normaler Vorgang.

Babygitterbett

Doch das Ausmaß der Verwahrlosung des kleinen Tieres war beispiellos. Eine überforderte ältere Dame von der »Gummiinsel« hatte den Hund größtenteils in einem Babygitterbett gehalten, zumindest draußen an der frischen Luft war er wohl noch nie gewesen. Auch das gerade bei dieser Rasse pflegebedürftige Fell des Kleinen war noch nie gekämmt oder gepflegt worden. Entsprechend stellte sich die Situation dann nach der Rettung im Hundefriseursalon dar: Drei Scherköpfe waren beim Versuch, den Hund von seinem »Panzer aus Fell« zu befreien, im Einsatz. Die restlichen Teile des verwahrlosten Felles können wegen Verletzungsgefahr nur unter Narkose entfernt werden. Trotzdem strotzt der kleine Hund nur so vor Lebensfreude, wenn er in Ilse Toths Garten auf- und abspringt. Auf den Namen Charlie wurde der Kleine getauft, auch wenn er dies noch nicht ganz verinnerlicht zu haben scheint. »Ein toller kleiner Hund« sei Charlie, mittlerweile ist er sogar stubenrein. Er mag Kinder und andere Hunde, nur Katzen sind ihm nicht geheuer. Zwar fehlt Charlie natürlich noch einiges an Erziehung, doch das kleine Energiebündel ist trotzdem ein freundlicher, verspielter und verschmuster Hund. Gesundheitlich fehlt ihm nach einer ersten Untersuchung nichts, weitere Untersuchungen und notwendige Behandlungen wie Impfungen werden bald nachgeholt.

In Charlies Fall hätten alle Beteiligten zu lange weggeschaut, wie Toth ausführt. Mensch und Tier hatten Hilfe benötigt. Trotzdem war der Weg zum Tierschutz der richtige und besser für den Hund als ein Verkauf über gängige Portale. Generell müsse man bei der Tierabgabe gerade an ältere Menschen immer darauf achten, dass das Tier auch zum Halter passt.

Charlie bleibt nun zunächst auf seiner Pflegestelle, nach Abschluss der noch erforderlichen Schritte wie Kastration und weiteren Untersuchungen soll er an eine neue Familie vermittelt werden. Ein erster Schritt ist dabei sein Auftritt in der Sendung »Maintower« des Hessischen Rundfunks. Dort war Charlie am gestrigen Abend in der Rubrik »unser neuer Freund« als zu vermittelnder Hund zu sehen.

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