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Petition gegen Flächenfraß

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Mittelhessische Initiativen, die sich für den Klimaschutz einsetzen, haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam Widerstand gegen weitere Flächenversiegelungen zu leisten

Kreis Gießen (rrs). Mittelhessische Initiativen, die sich für den Klimaschutz einsetzen, haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam Widerstand gegen weitere Flächenversiegelungen zu leisten. Konkret geht es um den Entwurf für den neuen Regionalplan. Um ihren Argumenten mehr politischen Druck zu verleihen, plant die »Initiativen für Bodenschutz - kein Quadratmeter mehr«, eine Petition auf den Weg zu bringen. Außerdem sollen über Crowdfunding Gelder für eventuell notwendige Klagen - zum für den Nabu - generiert werden. Angedacht ist auch ein Zusammenschluss mit der »Fridays for Future«-Bewegung.

Der Entwurf des Regionalplans für Mittelhessen ist derzeit offengelegt. Noch bis zum 11. März kann jeder seine Meinung zu dem 200-seitigen Entwurf einbringen. Die mittelhessischen Initiativen üben daran herbe Kritik. Zu ihnen gehören unter anderem »Masterplan Wettenberg 2030«, der Nabu-Kreisverband Gießen, die »Scientists for future« Gießen und die »Bürgerinitiative für die Roos« in Rödgen.

Im Regionalplan wird alles, was Fläche benötigt wie Wohn- und Industriegebiete, Straßen, Radwege, Rohstoffabbau, Windenergie, Naturschutzgebiete, Hochwasserrückhaltung oder Siedlungsdurchlüftung detailliert festgeschrieben. Für die Kommunen wird dargestellt, welche Flächen in den zehn Jahren Gültigkeit des Regionalplans für Bau- oder Gewerbegebiete genutzt werden können. Die Ausschöpfung der Flächen ist nicht verpflichtend, es handelt sich nur um erlaubte Höchstgrenzen.

»Mit jedem neuen Regionalplan wird mehr Fläche ausgewiesen und versiegelt. Bodenfläche wächst nicht nach. Bodenschutz ist ein zentraler Punkt im Klimaschutz, da die Böden CO2 speichern. Wir sagen Stop, kein Quadratmeter mehr für Gewerbe, Neubaugebiete, Verkehr oder Energie - das können wir uns einfach nicht mehr leisten«, betonte Tim van Slobbe von Wurzelgrün, einer Basisinitiative der hessischen Grünen.

Simone van Slobbe, Stadtverordnete der Grünen in Pohlheim, bezeichnete den angedachten Flächenverbrauch als »gigantisch und für unsere Natur alles andere als gut. Die Parlamente müssen das im Kleinen umsetzen. Die Frage, wie viel Gewerbe noch geht und genug Geld in die Gemeindekasse spült, damit sie nicht vom Wachstum ausgeschlossen wird und gleichzeitig der Natur genug Raum zu geben, ist heikel«. Bei vielem, wie zum Beispiel die 6-spurige Erweiterung der A5, hätten die Kommunen gar keine Handlungsmöglichkeiten. »Bodenschutz ist essenziell, wir müssen massiv Druck auf die Politik ausüben«, ist ihr Credo.

Lioba Krämer vom Nabu-Kreisverband sind die direkt an Naturareale und Schutzreservate grenzenden Gewerbeflächen ein Dorn im Auge. Artenschutz sei da kaum möglich, man denke nur an die intensive Beleuchtung während der Nacht, die für Insekten und Schmetterlinge zur Todesfalle werde, ganz zu schweigen von Lärm, Lkw-Verkehr und mehr.

Marc Strickert von S4F beobachtet mit wachsendem Entsetzen, wie die Landschaft durch immer neue Gewerbe- und Siedlungsgebiete umgeformt wird. »Böden brauchen unglaublich lange, um sich zu regenerieren. Nicht zu vergessen sind die Bodentiere im Erdreich die besten Mitarbeiter in der Landwirtschaft.« Ihm geht es nicht nur um einen Stopp beim Bodenverbrauch, sondern auch um eine Entsiegelung. Ebenso müssten Leerstände und Freiflächen in den Innenortsbereichen wieder genutzt werden.

Für Simone Stolz von Wurzelgrün steht die Verkehrswende gepaart mit guter Anbindung an den ÖPNV im Mittelpunkt.

»Einwände von Einzelpersonen werden zwar geprüft, aber gerne unter den Tisch gekehrt. Wir müssen auf höherer Ebene Druck aufbauen und die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren«, betonte Strickert.

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