Pohlheim: Was einst 1966 als Idee begann...

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POHLHEIM - (fod). Die Einwohnerzahl von Pohlheim ist im ersten Halbjahr 2020 zwar leicht zurückgegangen - von 18138 auf 18110, wie die Daten des Statistischen Landesamts belegen. Doch über die vergangenen Jahrzehnte zeigt der Bevölkerungstrend insgesamt betrachtet nach oben. Dagegen begrenzt sind in der Limesstadt die für Neubauten zur Verfügung stehenden freien Flächen.

Wie anderswo lautet daher auch hier das Motto Nachverdichtung, also zu schauen, wo die Bebauungsdichte noch erhöht werden kann. Im Pohlheimer Stadtteil Watzenborn-Steinberg soll dies nun in Form des Baugebiets "Verlängerte Bruchstraße" und "Verlängerte Fahrtgasse" geschehen. Die Fraktionen im Bauausschuss stimmten am Montagabend einstimmig für den vorliegenden Bebauungsplan und den dazugehörigen Satzungsbeschluss, nun muss es noch in die Stadtverordnetenversammlung. Anwesend waren auch einige Anwohner dieser beiden und benachbarter Straßen, denn das Bauvorhaben ist keineswegs unumstritten. Und ohne Corona-Auflagen hätten sicherlich auch noch mehr daran teilgenommen, zumal sich schon vor Längerem die Interessengemeinschaft Bruchstraße gegründet hatte. Wenngleich der Zeitraum der Offenlage der Planungen, in dem Einwände und Anregungen auch aus der Bürgerschaft erfolgten, schon einiges zurückliegt, im Dezember 2019 / Januar 2020 war das nämlich bereits.

Dass es "länger als sonst üblich dauerte", erklärte Bürgermeister Udo Schöffmann mit einer zwischenzeitlichen Erkrankung des Planers, der Corona-Pandemie und externen Eingaben. So mussten zahlreiche Stellungnahmen eingeholt werden, sei es nun von Regierungspräsidium (RP), Wasserverband oder zur infrastrukturellen Erschließung etwa durch Netzanbieter. Gerne hätte sich bei der Sitzung am Montag wohl der eine oder andere kritische Besucher zu Wort gemeldet - seitens der Gremiumsmitglieder tat das keiner -, diese Möglichkeit aber bestand nicht. So war ihnen beim Verlassen des Saals die Enttäuschung anzumerken, wobei die meisten aufgrund der langen Vorlaufzeit vermutlich mit keinem anderen Abstimmungsergebnis gerechnet haben dürften.

Wie Planer Hendrik Christoffel ausführte, reicht der "Uralt-Plan" für dieses Baugebiet sogar schon ins Jahr 1966 zurück. Und dieser sei auch heute noch "für uns maßgeblich". Die Anzahl der kommenden Neubauten ist zwar überschaubar, jedoch entstehen sie in zweiter Reihe auf bereits bebauten Grundstücken und erhalten zusätzlich Garagen und Pkw-Stellplätze, wodurch alles enger zusammenrückt und auch Grünflächen weniger werden. Daher befürchten manche Nachbarn eine Minderung ihrer Wohn- und Lebensqualität wie auch den Wertverlust ihres Grundstücks. So wird beispielsweise in einem der Anwohnerschreiben an den Magistrat gefordert, den Abstand der Neubebauung von der eigenen Grundstücksgrenze - und somit die Breite des dazwischenliegenden Grünstreifens - auf zehn anstatt der eingeplanten sechs Meter zu erweitern. Das aber wird in diesem Fall abgelehnt, da es "städtebaulich und aus Sicht des Ortsbildes nicht zu rechtfertigen ist" und überdies zu "einer nicht gewollten Erschwernis bei der Ausnutzung der zulässigen überschaubaren Fläche führt", heißt es dort.

Umgekehrt gibt es aber auch Einwendungen seitens der Bauwilligen. Zum Beispiel wünscht jemand, die Baugrundfläche für seinen Bereich von 140 auf 200 Quadratmeter zu erhöhen und die Anzahl der darin befindlichen Wohnungen um drei auf vier. Während ein anderer den Ausschluss von Staffelgeschossen moniert. Seitens der Entscheidungsträger wird das damit begründet, dass diese Innerortslage von Watzenborn-Steinberg "ausschließlich von Gebäuden ohne Staffelgeschoss geprägt ist". Ein kompletter Überblick der Einwendungen und Antworten von Bürger- wie auch Behördenseite findet sich im Parlamentsinformationssystem auf der Homepage der Stadt Pohlheim.

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