Positionen zur Wieseckinsel "zu weit auseinander"

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BUSECK - (ebp). "Die Positionen liegen zu weit auseinander. Wir kriegen hier keine Empfehlung hin" - es war 22.48 Uhr am Montag, als der Vorsitzende des Busecker Bauausschusses, Kay-Achim Becker (CDU), mit diesen Worten die Diskussion rund um die Wieseckinsel in Großen-Buseck beendete. Eine Abstimmung war ohnehin nicht geplant, denn die Sitzung fand angesichts der Corona-Pandemie digital statt.

Am Donnerstag wird die Gemeindevertretung mit reduzierter Besetzung über das Thema entscheiden.

Freie Wähler (FW) und CDU hatten zuvor einen Antrag vorgelegt, wonach das Konzept für den "Stadtumbau" im Bereich der Wieseckinsel einer Überarbeitung unterzogen und die Flächen erweitert werden sollen. Ziele des Antrags sind unter anderem die Revitalisierung des Mühlgrabens, ein Ersatzneubau der bestehenden Wieseckbrücke im Bereich des Freibades, Herstellung und Erneuerung der Liegewiese mit einer Beachvolleyballfläche angrenzend zur Freibadfläche und der Neubau eines Mehrgenerationenhauses mit Möglichkeit zur Schaffung von Gemeinschaftswohnen. An der Kleinmühle soll ein "Haus der kleinen Forscher" entstehen, in dem laut dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Frank Müller "alle Schulen und Kindergärten der Gemeinde mitmachen" können.

Außerdem wollen die beiden Fraktionen, dass die Flächen zwischen der Wilhelmstraße und der Kaiserstraße entlang und angrenzend zur Wieseck genutzt werden, um "dem erhöhten Raum- und Ausstattungsbedarf" von Goetheschule und Georg-Diehl-Kita Rechnung zu tragen. Auch dies soll im Rahmen des "Stadtumbau"-Programms geschehen.

Bürgermeister Dirk Haas (SPD) sprach sich dagegen aus, die einzelnen Punkte in einem Antrag beschließen zu wollen: "Das sind sehr unterschiedliche Zeitabläufe." Während man bei der Wieseckinsel zeitnah loslegen könne, seien Versuche, Grundstücke für eine mögliche Erweiterung von Schule und Kita anzukaufen, in der Vergangenheit erfolglos gewesen. Für den Ankauf der Kleinmühle habe die Gemeinde zudem bereits eine Förderung erhalten - je nach zukünftiger Nutzung könne es passieren, dass Buseck das Geld zurückzahlen müsse. Wolfgang Dörr (SPD) äußerte die Sorge, dass eine Verquickung das Projekt "Freibadsanierung" gefährden könne.

Änderungsanträge zum CDU/FW-Antrag gab es sowohl von der SPD als auch den Grünen. SPD-Fraktionsvorsitzender Willy Jost verwies darauf, dass die Gemeinde beim Schwimmbadinvestitionsprogramm ("Swim") des Landes nicht zum Zug komme. FW und CDU hatten sich im vergangenen Jahr dafür ausgesprochen, Freibadsanierung und Umgestaltung der Wieseckinsel zu trennen und die Badsanierung unter anderem mit Geld aus dem "Swim"-Fördertopf zu finanzieren. Da diese Option wegfalle, solle man den ursprünglichen Antrag von Januar 2020 "in leicht veränderter Form aufleben" lassen, so die SPD. Die Gemeinde müsse so rund 1,9 Millionen Euro in die Hand nehmen, könne aber durch die "Stadtumbau"-Zuschüsse eine Investition in Höhe von rund 4,6 Millionen Euro realisieren.

"Minimaler Konsens"

Auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Habenicht sprach sich dafür aus, sich "auf die eigentliche Planung zu konzentrieren" und den "minimalen Konsens" umzusetzen. Eine Verquickung von Kleinmühle und Grundschule/Kita mit der Wieseckinsel lehnen die Grünen ab, da es hierzu eine gesonderte Planung brauche, die mehrere Jahre benötige. Die Entwicklung der Wieseckinsel solle daher zunächst nur für den südöstlichen Geltungsbereich umgesetzt werden. Hier sieht der Antrag der Grünen unter anderem ein Sportangebot für Kita und Grundschule, Möglichkeiten für naturnahen Unterricht und eine Liegewiese für das Freibad mit angrenzender Beachvolleyball-Fläche vor. Zudem sollen die bestehende Wieseckbrücke neu gebaut und das Gewässer wie vorgesehen umgebaut werden.

Das Gelände im Süden des Freibads liege tiefer als die übrigen Flächen und sei daher am meisten hochwassergefährdet, so die Freien Wähler in einer Pressemitteilung. Sinnvolle andere Nutzungen böten sich hier daher nicht an, weshalb man außer der pflanzlichen Aufwertung "hochtrabende Pläne wie 'Aussichtsplattform' , 'Flussterrasse' sowie 'Parks' nicht weiterverfolgen" werde. Mit der Reaktivierung des Mühlgrabens und der Einbeziehung der Kleinmühle wolle man das Gesamtgelände für alle Generationen aufwerten - im Gespräch sind etwa eine offene Werkstatt, ein Café sowie ein Kneippbecken. Dabei können im südlichen Teil sogar die Kosten deutlich reduziert werden.

Kritik äußerten CDU und FW an den Grünen, die den Mehrheitsfraktionen in einer Pressemitteilung "Taktieren" vorgeworfen hatten. Das sei ein "Wahlkampfmanöver", sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Müller.

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