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Reiselust im Landkreis Gießen ist ungebrochen

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Wer in diesem Winter Skifahren will, hat dazu bis April Zeit, sollte aber flexible Tarife wählen, bei denen kurzfristige Stornierungen und Umbuchungen kostenfrei sind. Symbolfoto: dpa © DPA Deutsche Presseagentur

Reiseveranstalter im Landkreis Gießen freuen sich, dass ihr Geschäft trotz Pandemie langsam wieder in Fahrt kommt. Bei den Kunden gebe es aber viel Verunsicherung.

Kreis Gießen . Die Winterreisesaison ist da. Doch wie stellt sich die aktuelle Situation mitten in der Corona-Pandemie für Reiseveranstalter dar? Der Anzeiger hat nachgefragt.

»Der Wunsch nach Reisen ist ganz extrem da, zugleich sind die Leute aber noch sehr zurückhaltend und verunsichert, weil keiner weiß, wie es mit der Pandemie weitergeht«, bringt Rudolf von Bünau, einer der beiden Geschäftsführer des »Reisezentrums Linden«, das Thema auf den Punkt. Das Reisebüro verkauft fast ausschließlich Pauschalreisen, Wintersport wird fast gar nicht gebucht. »Wir verkaufen im Moment viele Reisen nach Spanien und Griechenland. Vermehrt Stornierungen haben wir nicht, es ist gewissermaßen ein Corona-Gewöhnungseffekt eingetreten«, berichtet von Bünau. Fast alle Kunden seien geimpft oder genesen und viele bereits geboostert, »die sind recht tiefenentspannt. ›Hauptsache ich kann reisen‹, diese Einstellung begegne ihm immer wieder.

Normalerweise sei auch im Januar die Hauptbuchungszeit. »Es ist nicht so, dass gar nichts los ist, aber viele buchen kurzfristiger«, so seine Erfahrung. »Wir haben sehr viele Stammkunden, die uns auch in der Krise die Treue gehalten haben. Corona hat uns nicht zerstört«, betont von Bünau. Sein Tipp an die Kunden: »Wählen Sie ein Zielgebiet, das flugtechnisch gut bedient wird. Wählen Sie Länder, in denen die medizinische Versorgung gegeben ist, denn man weiß nicht, was die Pandemie noch alles bringt.«

»Die Leute wollen weg, viele buchen jetzt schon für den Sommer «, schildert Birgit Korditzky, Inhaberin des »First Reisebüros« in Grünberg, die Situation. Skiurlaub sei bei ihr bereits vor Corona noch nie ein zentrales Thema gewesen. Flugreisen, besonders auf die Kanaren, seien momentan sehr gut gebucht. Bei den Winterfernreisen nach beispielsweise Thailand oder die Malediven komme das Geschäft langsam wieder in Fahrt. »Kreuzfahrten laufen erstaunlich gut. Sie werden sehr gut vorbereitet und das funktioniert ganz prima«, so ihre Erfahrung. Seitdem Reisen in die USA im November wieder erlaubt wurden, sei auch dieses Ziel sehr beliebt: »Die USA waren vom ersten Tag der Einreisemöglichkeit ein großes Thema und wurden sofort gut angenommen. Die Leute standen geradezu in den Startlöchern.«

Das Geschäft insgesamt verlaufe langsamer und sei sehr beratungsintensiv geworden, »das machen wir aber sehr gerne«, betont Korditzky. »Wir können noch nicht wieder die ganze Welt anbieten, und achten darauf, dass es nicht zu kompliziert wird.« Die Inzidenzen in den einzelnen Zielgebieten seien ehr unterschiedlich. Als klassisches Warmwassergebiet mit nur sechs Stunden Flugzeit empfiehlt sie die Vereinigten Arabischen Emirate. Birgit Korditzky sieht die Lage optimistisch: »Vieles ist einfacher geworden, es wird schon wieder.«

Vincent Geisert vom »Fun & Sun« Reisebüro in Buseck beschreibt seine Kundschaft als »verhalten abwartend« und die Lage als »relativ ruhig und zurückhaltend«. Der zurückliegende Sommer und Herbst seien »recht gut« gelaufen, aktuell gebe es für Corona-Variantengebiete tatsächlich Absagen. Von Reisen ins südliche Afrika und Namibia werde momentan abgeraten, da gebe es entsprechend auch wenige Anfragen. Ansonsten komme es auf das Zielgebiet an, die meisten Länder seien aber bereisbar, allerdings ändere sich ständig etwas.

Skifahren bis April

Bei Skireisen seien die Kunden derzeit abwartend, für Österreich gab es auch Stornierungen. Geisert empfiehlt: »Skiurlaub wird bis April möglich sein. Es ist nicht das Schlechteste, jetzt zu planen und flexible Tarife zu buchen, bei denen kurzfristige Stornierungen und Umbuchungen kostenfrei sind.« Denn insbesondere in den Ferien seien die Skiunterkünfte schnell ausgebucht. Er rät sogar dazu, schon jetzt die nächsten Herbstferien zu planen, die sind nur eine Woche lang, »und mit einem Flex-Tarif sind Sie relativ sicher.«

Jens Becker vom »Reisebüro Becker« in Gießen freut sich über eine »ziemlich gute Nachfrage für Sommer und Herbst, die Leute wollen planen.« Der Hauptbuchungsmonat sei traditionell der Januar. Seine Erfahrung ist: »Die Leute sind verhalten, fragen an, ziehen sich dann aber wieder zurück und melden sich später wieder.« Auch Fernreisen seien aktuell wenig gefragt, »da trauen sich viele nicht«. In vielen asiatischen Ländern gebe es außerdem noch erschwerte Einreisebedingungen. Insgesamt blickt Becker auf »zufriedenstellende Zahlen im Moment« und zeigt sich »sehr zuversichtlich«. Firmenkunden würden bereits jetzt langfristig planen, auch viele Kreuzfahrten würden nachgefragt. Skireisen werden auch bei ihm wenig gebucht. Der Reiseexperte verweist ebenfalls auf die Flex-Tarife, über die man sich auch den Frühbuchervorteil problemlos sichern könne.

Angela Längsdörfer, eine der drei Geschäftsführer des »Holiday Land Pegasus«-Reisebüros in Gießen berichtet über »wenige Absagen, ab und an wird mal wegen Impfdurchbrüchen bei 2G eine Kreuzfahrt abgesagt.« Allerdings verkaufe das Reisebüro keine Skireisen. Besonders beliebt seien die Kanaren. Es kämen ausschließlich Geimpfte zu ihnen. »Es ist immer noch ein ziemliches Hin und Her, Flüge werden verschoben und gestrichen. Wir haben definitiv mehr Arbeit als vorher.« Gereist werde aber trotzdem, »die Leute wollen wieder Normalität«.

»Wenn, dann können wir nur ganz kurzfristig ab Januar Reisen in Skigebiete anbieten«, sagt Dieter Walter von Schwalb Reisen in Buseck. Das Unternehmen ist auf Busreisen spezialisiert. »Wir wissen seit fast zwei Jahren nicht, woran wir sind, und haben die Situation dadurch nicht im Griff«, bilanziert er. Denn die Hotels müssten frühzeitig fest gebucht werden. Wenn es dann zu Einschränkungen oder gar Absagen komme, »fliegt uns das wirtschaftlich um die Ohren«. Busreisen sind deshalb erst wieder ab Frühjahr geplant. »Ich glaube, das gilt flächendeckend bei allen Busreiseunternehmen. Die Leute wollen zwar reisen, sind aber verunsichert. Uns fehlt einfach die Planungssicherheit.«

Verunsicherung

»Wir haben sehr viel weniger Buchungen als vor Corona. Die Kunden möchten vor jeder Buchung noch einige Punkte abstimmen und zeigen so auch ihre Verunsicherung«, sagen Marc Kögler und Jan Theiß von »Skitours-Reisen.de« aus Wetzlar. Grundsätzlich sehe es aber schon viel besser aus als im vergangenen Winter, als die auf Skireisen spezialisierten Anbieter keine der geplanten Reisen durchführen konnten und viele Buchungen auf diese Saison umbuchen mussten. »Ob Reisen stattfinden können, hängt davon ab, wie die Verordnungen in Hessen oder an unseren Zielorten sind. Im November mussten wir wegen des Lockdowns in Österreich alle Buchungen stornieren oder umbuchen.«

Die Regeln bei den Busreisen und in den Skigebieten hätten sich über die komplette Pandemie sehr oft verändert. Momentan sei unter anderem zu beachten, dass sowohl in den Skigebieten als auch in Reisebussen mindestens 2G gelte. »Wir versuchen, positiv zu denken, allerdings sind die ständigen Rückschläge für die Planung weiterer Reisen nicht einfach. Unsere Hoffnung ist groß, dass wir ab Februar mehr zur Normalität zurückkehren und unser Winterprogramm bis Ende April wie geplant durchführen können.« Ab Juni starten dann die Bike- & Hike-Reisen, mit denen die beiden Anbieter ein Standbein in den Sommermonaten aufbauen möchten. Die Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre zeigten, dass der touristische Sommer in den Bergen funktioniere und sicher sei.

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Rudolf von Bünau vom »Reisezentrum Linden« ist wie viele andere Reisebürobetreiber froh, dass das Geschäft langsam wieder Fahrt aufnimmt. © Rieger

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