Reiskirchen: Grüne legen deutlich zu, FW stärkste Fraktion

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REISKIRCHEN - (ebp). Die Grünen gewinnen deutlich, SPD und CDU verlieren und es gibt mit den Freien Wählern (FW) eine neue stärkste Fraktion - so lassen sich die Ergebnisse der Kommunalwahl in Reiskirchen zusammenfassen. "Da kann man nur freudig erregt sein", sagte FW-Spitzenkandidat Gerhard Albach mit Blick auf das Ergebnis. Waren die Freien Wähler vor fünf Jahren noch zweitstärkste Fraktion hinter der SPD, konnten sie diesmal an ihr vorbeiziehen.

Die Wahlbeteiligung sank gegenüber 2016 um eineinhalb Prozentpunkte.

Unter den zehn FW-Kandidaten, die einen Sitz für die Gemeindevertretung errungen haben, sind sechs Neuzugänge. "Das ist eine junge Mischung, die wir haben wollten", erklärte Albach. Er vermutet, dass gerade auch das verjüngte Team neue Wähler angezogen hat. Zudem habe man eine "ruhige und sachliche Politik gemacht" und sich "nicht auf Spielchen eingelassen".

Am kommenden Montag wollen sich die Freien Wähler absprechen, voraussichtlich wird Albach Fraktionsvorsitzender bleiben. Als stärkste Fraktion werde man SPD, CDU und Grüne einladen, um etwa über Ausschussvorsitze und den Gemeindevorstand zu sprechen. Eine Koalition wird es wohl weiterhin nicht geben. "Wir sind an Sachthemen interessiert. Die Mehrheiten muss man sich suchen", sagte Albach.

Die Grünen haben in den vergangenen Monaten beinahe eine Achterbahnfahrt der Gefühle erlebt: Im Dezember drohte noch das Aus für die Kommunalwahl, nun hat man nicht nur 5,1 Prozentpunkte, sondern auch zwei Sitze hinzu gewonnen. Das Problem Ende 2020: Neben den beiden Urgesteinen Heidemarie Hagemann-Haag und Dr. Rolf Tobisch sowie Renz Hornischer waren schlicht keine Kandidaten zu finden, die sich für ein Amt zur Verfügung stellen wollten. Wenige Tage vor Ablauf der Frist konnte dann doch noch eine Liste mit 14 Bewerbern aufgestellt werden, die von Carolin Launspach aus Hattenrod angeführt wurde. Ein deutliches Plus, nachdem die Zukunft im Dezember noch unsicher war, sei "der Jackpot", sagte Launspach im Gespräch mit dieser Zeitung. "Aber es hätte gerne noch mehr sein können."

Mit 28,76 Prozent erreichten die Grünen in Ettingshausen ihr bestes Ergebnis und wurden zweitstärkste Kraft knapp hinter der CDU. "Das ist sehr gut, dass Ettingshausen sich so entschieden hat", sagte Spitzenkandidatin Launspach mit Blick auf die mögliche Gewerbegebietserweiterung in dem 2000-Seelen-Dorf. Die Grünen hatten sich klar gegen die Erweiterungspläne ausgesprochen: Mit ihnen im neuen Parlament sei das nicht zu machen, teilten sie vor der Wahl mit. Wäre der Aufstellungsbeschluss früher in der Gemeindevertretung gefasst worden, hätte sich manch ein Briefwähler wohl noch anders entschieden, vermutet die Spitzenkandidatin.

Weniger Grund zur Freude hat Anja Stark, Spitzenkandidatin der SPD. Es sei "bedauerlich", dass die Sozialdemokraten nicht mehr stärkste Kraft in Reiskirchen sind. Letztendlich spiegele das Wahlergebnis aber die Stimmung in der Gemeinde gut wider: "Keiner hat die absolute Mehrheit", zwischen den Ergebnissen der drei großen Fraktionen liegen jeweils nur wenige Prozentpunkte.

Zumindest was die Stimmenzahl einzelner Kandidaten angeht, liegen die Sozialdemokraten aber vorne: Mehr Stimmen als Frank Arnold (2887) und Spitzenkandidatin Stark (2848) hat sonst niemand erhalten. Ob die Hattenröderin sich erneut als Fraktionsvorsitzende zur Verfügung stellen will, ließ sie ebenso offen wie andere Personalfragen. "Das werden wir im Team und mit den gewählten Personen abstimmen."

"Wenn man zwei Sitze verliert, ist das nicht prickelnd", sagte CDU-Spitzenkandidatin Petra Süße auf Anfrage. Erreichte die CDU vor fünf Jahren noch 27,8 Prozent, waren es diesmal lediglich 24,2. Schuld sei wohl auch die Berliner Maskenaffäre, die den einen oder anderen Wechselwähler davon abgehalten habe, sein Kreuz bei den Christdemokraten zu machen.

Für Süße wird es die fünfte Amtszeit sein, aber zum ersten Mal hat sie den Wahlkampf fast ausschließlich digital geführt. "Die persönlichen Gespräche an den Ständen haben mir gefehlt", resümierte sie. Die Verlagerung ins Digitale aufgrund der Corona-Pandemie habe aber durchaus auch Vorteile und spare Zeit und Wege, etwa beim Austausch innerhalb der CDU. Ob die Ettingshäuserin Fraktionsvorsitzende bleibt, das werde man intern noch besprechen. "Ich werfe meinen Hut auf jeden Fall in den Ring."

Sie wurden gewählt

Partei Name Stimmen - Listenplatz

CDU Petra Süße 2283 - 1

CDU Ingo Galesky 1968 - 2

CDU Karl-Wilhelm Langsdorf 1908 - 3

CDU Jörg Langsdorf 1821 - 8

CDU Claudia Bast 1757 - 4

CDU Michael Subtil 1731 - 7

CDU Johannes Blei 1679 - 6

Grüne Carolin Launspach 1693 - 1

Grüne Heidemarie Hagemann-Haag 1646 - 3

Grüne Jannik Hornischer 1606 - 2

Grüne Helen Hornischer 1264 - 7

Grüne Renz Hornischer 1233 - 11

SPD Frank Arnold 2887 - 3

SPD Anja Stark 2848 - 1

SPD Alfred Kerber 1970 - 6

SPD Michael Seipp-Wallwaey 1822 - 5

SPD Marc Hartel 1803 - 2

SPD Reinhard Strack-Schmalor 1692 - 4

SPD Manfred Schmitt 1617 - 10

SPD Laura Becker 1387 - 13

SPD Sergio Marchi 1373 - 7

FW Gerhard Albach 2711 - 1

FW Bernd Debus 2625 - 9

FW Heiko Polzin 2274 - 5

FW Ingo Rühl 2253 - 2

FW Felix Schneidau 2140 - 7

FW Dr. Joachim Bille 1952 - 4

FW Allessandra Keil 1930 - 6

FW Mathias Böninghausen 1801 - 3

FW Ottmar Licher 1705 - 11

FW Robert Keilmann 1676 - 8

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