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Reiskirchen: Urteil zur Südumgehung am 5. Oktober

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Am zweiten Verhandlungstag zur geplanten Ortsumgehung stand die Frage im Mittelpunkt, ob die Süd- und die Nordvariante korrekt miteinander verglichen wurden.

Kreis Gießen (vb). Am Mittwoch, 5. Oktober, fällt die Entscheidung. Dann wollen die Richter des zweiten Senats des Verwaltungsgerichtshofs in Kassel ihr Urteil über die geplante Südumgehung von Reiskirchen und Lindenstruth verkünden. Wird der Planfeststellungsbeschluss von 2016 - quasi die Baugenehmigung - gekippt, wie es die Kläger fordern? Oder wird er bestätigt, wie es das Land als Beklagter will? Wird es Auflagen und Forderungen zu Änderungen geben? Zu welcher Entscheidung die drei hauptamtlichen und zwei ehrenamtlichen Richter tendieren, ließ sich auch am gestrigen zweiten Verhandlungstag nicht herauslesen.

Im Mittelpunkt stand die Frage, ob die vorgesehene Südumgehung korrekt mit der von den Klägern geforderten Nordumgehung verglichen worden ist. Die Vorsitzende Richterin Dr. Karin Sens-Dieterich wies darauf hin, dass die Nordvariante laut Planfeststellungsbeschluss unter anderem Vorteile beim Arten- und Biotopschutz habe, während es bei der Südumgehung leichte Vorteile für die Bereiche Klima, Wasser und Boden gebe. Sie betonte aber, dass das Gericht nicht abwägen werde, welche Variante man für besser halte. Es gehe nur darum, zu klären, ob bei der Gewichtung Fehler gemacht wurden.

Ein entscheidender Faktor sind auch die Kosten. Sens-Dieterich verwies auf Schätzungen von 1999, nach denen die Südumgehung umgerechnet 10,72 Millionen Euro kosten sollte, die Nordumgehung 15,2 Millionen. Die um 42 Prozent höheren Kosten lägen an der einen Kilometer längeren Trasse und an neun statt fünf Brückenbauwerken. Auf Basis einer detaillierteren Planung waren 2016 für die Südumgehung Kosten von rund 16 Millionen Euro ermittelt worden.

Wulf Hahn vom Marburger Büro RegioConsult ist Gutachter für die beiden Kläger: den Landesverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und Carmen Grieb, die Inhaberin des »Sonnenhofs« bei Lindenstruth. Er hatte neue Berechnungen angestellt und stellte in den Raum, dass ein Artenschutzprojekt an einer Brücke über die Wieseck doppelt in den Kosten auftauche. Dies wies der Projektleiter von Hessen Mobil, Guido Krämer, als falsch zurück. Die Kosten seien allerhöchstens falsch zugeordnet, aber nicht doppelt vorhanden. Hahn blieb bei seinen Zweifeln.

Er brachte einen neuen Vorschlag ein, wie eine Nordumgehung mit zwei Kreisverkehren an die Autobahn 5 angeschlossen werden könne. Das eingesparte Gelände würde die Gesamtlänge der Trasse auf das Niveau der Südvariante reduzieren und so für niedrigere Kosten sorgen. Dieses Vorgehen gefiel der Vorsitzenden Richterin nicht, denn die Gegenseite habe keine Gelegenheit gehabt, diesen Vorschlag zu prüfen.

Bürgermeister Dietmar Kromm wies auf den aktuell regelmäßigen Rückstau auf der Spange von der A 5 zur B 49 hin. Mit Kreisverkehren werde es noch mehr Rückstau geben. »Wir haben mit der Südumgehung die perfekte Lösung. Ihre Lösung geht nur mit Abstrichen und ist nicht Regelwerk-konform«, warf Projektleiter Krämer dem Gutachter vor.

Weiterer großer Komplex war die Frage, welche Variante für mehr Entlastung in der Ortsdurchfahrt sorgt. Dagmar Holst, bei Hessen Mobil zuständig für Verkehrsuntersuchungen und Verkehrsmodelierungen, sah die Südumgehung im Vorteil, da sie kürzer und damit attraktiver sei. Dies gelte auch für Bürger, die zu den Märkten am Ortseingang Richtung Gießen wollen.

Gutachter Hahn nannte hingegen ähnliche Zahlen von Fahrzeugen für beide Varianten. Die Nordumgehung könne zudem den Verkehr aus den nordöstlichen Ortsteilen, von der Firma Weiss in Lindenstruth und von künftigen Baugebieten im Norden Reiskirchens aufnehmen. Kromm sah dies »als Verlagerung der Ortsdurchfahrt in den Norden, mehr ist es dann nicht«.

Für Hahn ist es ein Problem, dass der Verkehr aus den künftigen Baugebieten über die alte Ortsdurchfahrt geführt werden solle. »Das gleicht die Entlastung durch eine Südumgehung fast komplett aus«, beklagte er. Aus Sicht des Bürgermeisters ist dies »Reden über ungelegte Eier«.

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