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Rettungsdienst auch auf Nordseeinseln aktiv

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Im Namen der Gesellschafter-Kreisverbände des Rettungsdienstes überreichte Karl-Friedrich Salzmann (Mitte, DRK-Kreisverband Biedenkopf) einen Spendenscheck in Höhe von 6000 Euro an Geschäftsführer Markus Müller (l.) und den Betriebsratsvorsitzenden Arne Sommerlad. Das Geld wird zugunsten der Mitarbeiter verwendet. Foto: Ingo Becker © Ingo Becker

Der Rettungsdienst Mittelhessen besteht seit 25 Jahren. Dies wurde in Marburg gefeiert.

Kreis Gießen. Der Rettungsdienst Mittelhessen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) besteht seit 25 Jahren. In dieser Zeit hat er ein enormes Wachstum erfahren, wie Geschäftsführer Markus Müller während der Jubiläumsfeier in Marburg berichtete. Inzwischen gehören 120 Fahrzeuge zur Flotte. Müller zeigte sich aber dennoch zurückhaltend im Blick auf das volle Vierteljahrhundert. In einer Organisation wie dem Deutschen Roten Kreuz sei das fast nichts, sagte er. »Wir sind noch in der Phase des Erwachsenwerdens.«

Angeregt wurde die Gründung des Rettungsdienstes Mittelhessen seinerzeit durch den Landesverband. Er riet seinen Kreisverbänden dazu, Dienstleistungen zu regionalisieren. In der Folge taten sich die DRK-Kreisverbände Marburg, Biedenkopf und Gießen zusammen und gründeten 1997 eine gemeinnützige Gesellschaft. Mit von der Partie als Tochtergesellschaft war das Marburger Krankenpflegeteam, ein privater Rettungsdienst.

Die Anfangsjahre waren laut Müller davon geprägt, der neuen Gesellschaft eine einheitliche Struktur zu geben. Es galt, die Ausrüstung zu vereinheitlichen, die Standorte zu entwickeln - sprich Wachen neu- und umzubauen - und die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter zu verbessern. Vor allem die Wachen waren ein wichtiges Thema. Diese befanden sich anfangs in Bestandsgebäuden, die dafür nicht konzipiert worden waren.

Ein wichtiger Schritt war fast zehn Jahre nach der Gründung der Bau eines neuen Hauptsitzes in Marburg. Im Dezember 2006 konnten die Mitarbeiter umziehen. Die obere Etage nahm die Verwaltung in Beschlag, unten bekam die Rettungswache Marburg Stadt ihre Räume. »Für uns war das ein Riesenschritt«, erinnert sich Susanne Papendorf, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit und seit den Anfängen dabei.

Bis 2016 blieb der Rettungsdienst in der ursprünglichen Konstellation. Dann folgte ein weiterer Wachstumsschub. 2017 wurde der private Rettungsdienst Eschenburg (RDE) Teil der Gesellschaft. Da er im Lahn-Dill-Kreis liegt, ergab sich automatisch eine Partnerschaft zu den Rettungsdiensten Dill und Wetzlar. Im gleichen Jahr kamen die DRK-Kreisverbände Alsfeld und Lauterbach mit ihren Rettungsgesellschaften hinzu. Vier Jahre später wurden die Kreisverbände Dill und Wetzlar Mitgesellschafter, der Kreisverband Wetzlar brachte seinen Rettungsdienst mit ein. »Damit haben wir uns seit 2016 in allen Dimensionen unserer Arbeit verdoppelt«, beschrieb der Geschäftsführer das Ausmaß des Wachstums. Eine Entwicklung, die nicht nur Anpassungen in den Betriebsstrukturen erforderte. Eine wichtige Aufgabe sah das DRK in jenen Jahren auch darin, bei den Mitarbeitern ein »Wir-Gefühl« für den Rettungsdienst Mittelhessen zu entwickeln.

Das Ausmaß des Wachstums lässt sich gut an der Fahrzeugflotte veranschaulichen. 1998 gab es 33 komplett einheitliche Fahrzeuge. Inzwischen sind es 150 Fahrzeuge unterschiedlicher Bauart, die in Mittelhessen für den DRK-Rettungsdienst unterwegs sind.

Bildungszentrum

Neben dem Hauptsitz ist ein weiterer wichtiger Standort das Zentrum für Technik, Logistik und Infrastruktur (TLI) in Marburg. Integriert ist ein Bildungszentrum, das 2013 umgebaut und durch ein Simulationszentrum erweitert worden ist. 40 Notfallsanitäter absolvieren hier pro Jahr seit 2014 ihre dreijährige Ausbildung. Hinzu kommen 100 Rettungssanitäter, die dort jährlich ausgebildet werden.

Eine weitere Besonderheit des Rettungsdienstes Mittelhessen ist seit 1992 die Verbindung zur Nordseeinsel Langeoog. Sie geht noch auf die Tätigkeit des Marburger Krankenpflegeteams zurück. Bis heute erbringt der Rettungsdienst Mittelhessen im hohen Norden seine rettungsdienstlichen Leistungen. Und nicht nur dort: 2000 kam die Insel Spiekeroog hinzu.

Nicht alles ist in den 25 Jahren gelungen, wie auch das DRK zugibt. So baute man die erste Rettungswache in Lich neu. »Da muss man aus heutiger Sicht sagen: Da haben wir noch geübt«, gab Müller zu. Das klein und sparsam gebaute Gebäude sei den Herausforderungen einer Rettungswache nicht gewachsen gewesen.

Und auch die Idee, das Logo des DRK zu verändern, erwies sich nicht als glücklich. In einem hellgrauen Kreis war »Rettungsdienst Mittelhessen« zu lesen. Susanne Papendorf erinnert sich heute noch schmunzelnd an den »berühmten grauen Kringel«. Markus Müller ebenfalls. Dieser Kringel brachte ihm nämlich ein persönliches Treffen mit dem damaligen Generalsekretär des DRK in Bonn ein. Danach verschwand das Logo schnell wieder von den Fahrzeugen des Rettungsdienstes.

Voll des Lobes für die Gesellschaft war Clemens Kill, der während der Feier die Moderation der Grußworte übernommen hatte. Der Rettungsdienst sei, so erläuterte er den mehr als 100 Besuchern, eine Aufgabe der Landkreise und kreisfreien Städte. In Mittelhessen seien sie aus seiner Sicht in einer sehr komfortablen Situation, müssten sie doch nur die »Verantwortung tragen für etwas, das jemand anderes sensationell gut erledigt«.

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