Schleichfahrt durch Lich

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LICH - (ija). Das Logistikzentrum an der "Langsdorfer Höhe" in Lich, ein Politikum. steht kurz vor der Vollendung. Und auch die beiden Kreisel an der viel befahrenen B 457 sind fertig. Im Juni könnte der Betrieb dort aufgenommen werden. Das bedeutet mehr Verkehr. Wie viel genau, wird sich noch weisen. Eine neue Verkehrsführung soll verhindern, dass der Durchgangsverkehr in Lich zunimmt und einzelne Ortsteile übermäßig belastet werden.

Am Dienstag stellte Bürgermeister Dr. Julien Neubert (SPD) gemeinsam mit dem Leiter vom Bauservice Marco Römer und Thomas Repp vom Ordnungsamt dazu nun die Beschilderungspläne für die aktive Verkehrslenkung an den Knotenpunkten rund um die "Langsdorfer Höhe" vor. Neben der Stadt Lich und Hessen Mobil waren auch der Landkreis Gießen als Straßen- und Verkehrsbehörde, die beiden Anrainerkommunen Hungen und Gießen sowie die Verkehrspolizei in dieses Konzept eingebunden.

Woher die Lkws kommen und welchen Weg sie nehmen, wird sich erst zeigen, wenn das Logistikzentrum des Online-Händlers Wayfair den Betrieb aufgenommen hat. Für Lastwagenlenker gibt es mehrere Möglichkeiten auf die zwei Autobahnen, die A 5 und A 45, zu gelangen. Lkw-Fahrer, die vom Gewerbepark an der Langsdorfer Höhe in Richtung Norden oder das Rhein-Main-Gebiet wollen, können über die B 457 direkt zur Anschlussstelle der A 5 bei Fernwald fahren. Wer Richtung Dortmund und Hanau muss, gelangt über die Bundesstraße zu den Auffahrten der A 45 bei Wölfersheim und Eberstadt. Eine weitere Möglichkeit nach Hanau zu kommen, ist die A 5-Abfahrt am Gambacher Dreieck. Richtung Dortmund kommt man auch über die Licher Straße in Gießen an der A 485-Auffahrt Licher Straße.

Problemfeld Innenstadt

Als problematisch aus Licher Sicht wird der Lkw-Verkehr angesehen, der sich durch die Innenstadt Richtung Eberstadt schieben könnte. Aktuell sind auf dem Wegweiser Richtung A 45 am Abzweig der B 457 Richtung Innenstadt/Waldschwimmbad noch die Städte Dortmund und Hanau zu lesen. Künftig wird dort nur noch Dortmund stehen. Ganz zufrieden ist der Licher Bürgermeister damit nicht, denn die Gießener und Kolnhäuser Straße Richtung Eberstadt sind betroffen. Er habe massiv dafür gekämpft, dass der Wegweiser ganz verschwinde, betont Neubert. "Wir rechnen innerorts schon mit einer zusätzlichen Verkehrsbelastung durch Lkw", sagt Neubert, glaubt aber nicht, dass es "katastrophal" werde. Um die Sicherheit für alle zu gewährleisten, hat er als zuständige Verkehrsbehörde auf der Strecke innerorts eine Geschwindigkeitsbegrenzung für den Lkw-Verkehr auf 30 Stundenkilometer angeordnet. Schließlich seien hier direkt auch Schulen und Kindergärten betroffen, begründet er seine Entscheidung. Ob eine Ausweitung auf den Pkw-Verkehr nötig sei, bleibe abzuwarten.

Der Verkehr in Richtung Hanau wird künftig über die A5-Anschlussstelle Fernwald geleitet. Direkt am großen Kreisel an der Langsdorfer Höhe wird es keine Beschilderung über die Bundesstraße 457 in Richtung A 45 zur Anschlussstelle Wölfersheim geben. Damit soll ein zusätzlicher Durchgangsverkehr in Inheiden und Utphe vermieden werden.

Zudem wird es Hinweisschilder zum Gewerbegebiet Langsdorfer Höhe an mehreren Knotenpunkten an der B 457, in den Kreuzungsbereichen der Innenstadt und am Klosterwald geben.

Das neue Verkehrslenkungskonzept arbeite nur mit einer "Positivbeschilderung", betont der Rathauschef. Durchfahrtsverbote wird es nicht geben. "Das ist das Konzept, mit dem wir jetzt arbeiten. Aber es ist nicht in Stein gemeißelt", betont Neubert. Je nach Bedarf kann es noch überarbeitet und angepasst werden. Aktuell würden in Abstimmung mit den Straßenmanagern von Hessen Mobil verschiedene Verkehrsmessungen durchgeführt. Je nach Ergebnis könnte also noch einmal nachjustiert werden. Verbote seien demnach nicht ganz ausgeschlossen.

Dass Sprinter eine große Rolle bei dem Lieferverkehr des Logistikzentrums spielen könnten, glaubt Neubert nicht. Das Logistikzentrum an der "Langsdorfer Höhe" sei ein Distributionslager. Es bedeutet, dass die Ware, die dort ausgeliefert wird, an Verteiler und nicht an den Endverbraucher geht. Zudem habe Wayfair ihm gegenüber erklärt, dass Sprinter höchstens für Lieferungen nach Frankfurt in Frage kämen, was vorerst jedoch nicht vorgesehen sei. Wie hoch die Verkehrsbelastung rund um die Langsdorfer Höhe ist, bleibt abzuwarten. Aussagekräftige Ergebnisse aus dem Realbetrieb des Logistikzentrums werde es erst im nächsten Jahr geben, meint Neubert. Dann zeige sich, wo der Verkehr tatsächlich entlang fließe.

Enttäuschung

Enttäuscht zeigt sich der Rathauschef indes von der zuständigen Verkehrsfachbehörde Hessen Mobil, von der er mehr konstruktive Hilfe und Ideen zur künftigen Verkehrssicherheit erwartet habe. Stattdessen habe man sich dort zu Beginn der Bauleitplanung einzig den Knotenpunkt an der Langsdorfer Höhe angesehen und zu weiteren Auswirkungen nichts gesagt. Erst kurz vor der Inbetriebnahme habe Hessen Mobil Einwände erhoben. Dadurch habe es in der Endphase des Bauprojektes immer neue Abstimmungsgespräche gegeben und sich der Beteiligtenkreis zur Verkehrslenkungsplanung in den zurückliegenden Monaten stets vergrößert.

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