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Schwitzen bei bis zu 40 Grad

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Eine neue Hitzewelle mit rekordverdächtigen Temperaturen wird auch die Menschen im Landkreis Gießen zum Schwitzen bringen. Viel zu trinken ist dabei besonders wichtig. Symbolfoto: dpa © DPA Deutsche Presseagentur

Wetterexperte Friedel Steinmüller aus Heuchelheim blickt auf die kommende Hitzewoche und ist besorgt über die große Regenarmut.

Kreis Gießen . (lth). Der Hochsommer kehrt zurück. Nachdem bereits in der zurückliegenden Woche Temperaturen um die 30 Grad erreicht wurden, klettert das Thermometer in der kommenden Woche in Sphären, die viele als eher unangenehm wahrnehmen werden. Die nächste Hitzewelle rollt auf Hessen zu und auch im Landkreis Gießen kratzen die Temperaturen an der 40-Grad-Marke.

Das prognostiziert auch der Heuchelheimer Wetterexperte Friedel Steinmüller im Gespräch mit dem Anzeiger. Für das Wochenende wird die Hitze kaum ein Thema sein. »Im Gegenteil: Es kommt wieder zu einer deutlichen Abkühlung; aber fast ganz ohne Regen«, blickt Steinmüller voraus.

Doch es ist die Ruhe vor dem Sturm, oder besser gesagt vor der Hitze. Denn bereits am Montag steigen die Temperaturen über die 30-Grad-Marke und bewegen sich bis Mitte der neuen Woche hin zur 40-Grad-Marke. Ob diese geknackt werden kann, bleibt abzuwarten. Besonders der Süden und Südwesten Deutschlands werden davon betroffen sein.

»Zunehmende Hitzebelastung«

Der Deutsche Wetterdienst warnt auf seiner Homepage vor einer »entsprechend zunehmenden Hitzebelastung und andauernden Trockenheit«. Die Bundesärztekammer rät dazu, ausreichend Flüssigkeit (mindestens drei Liter) zu trinken und sich beim Gang nach draußen mit einer Kopfbedeckung vor der direkten Sonneneinstrahlung zu schützen, um einem Sonnenstich oder einem Hitzschlag vorzubeugen.

Doch wie kommen Hitzewellen, die man in diesem Ausmaß normalerweise nur von Urlaubsregionen im Süden kennt, bei uns in Deutschland und in unserer Region zustande? »Immer dann, wenn wir an der Westflanke eines Hochs liegen, das sich von West- nach Osteuropa oder zum Baltikum verlagert«, lautet Steinmüllers Antwort. Auf der Westseite eines Hochs strömen dabei heiße Luftmassen aus dem nordafrikanischen Raum nach Europa. Unterstützt wird das fast immer durch ein Tiefdrucksystem vor Westeuropa, respektive dem Ostatlantik.

Und je weiter beide Druckgebilde bis in südliche Breiten reichen, desto intensiver ist der Warmluftvorstoß nach Deutschland.

Am Donnerstag jährte sich die Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Der Anzeiger wollte damals von dem Heuchelheimer Wetterexperten wissen, ob ein solches Ereignis, ausgelöst durch extremen Starkregen, auch in der heimischen Region möglich wäre. Seine klare Antwort lautete: »Ja«.

Doch in diesem Jahr ist »mehr noch als die Hitze in Wirklichkeit die seit Wochen bestehende große Regenarmut das Problem«, sagt Steinmüller. Gab es vor vier Jahren noch Wasser im Überfluss - »da standen Mitte Juni noch teilweise die Felder unter Wasser« - so habe die starke Trockenheit in diesem Jahr noch ein größeres Ausmaß als zuletzt in den Hitzesommern 2003 und 2018, weiß Steinmüller mit Blick auf die Historie.

Ein Ende der extremen Trockenheit sei in unserer Region noch nicht in Sicht. Schwerwiegende Folgen hat dies vor allem für die Land- und Forstwirtschaft. Auch die Wasserversorgung in manchen Regionen könnte noch kritischer werden, als sie ohnehin schon ist, blickt der Heuchelheimer voraus. Als eine Maßnahme haben etliche Landkreise und Städte bereits in dieser Woche die Entnahme von Wasser aus Bächen, Flüssen und Seen verboten.

Klimawandel als Ursache

Extreme Hitzeperioden treten seit Anfang des 21. Jahrhundert auffallend häufiger auf. Der Wetterfachmann macht den Klimawandel ganz eindeutig als Schuldigen aus. Sogenannte Hitzesommer gab es einst nur in Abständen von zehn bis 15 Jahren. »Doch seit 2000 haben wir solche Hitzetage fast in jedem Sommer und ihre Anzahl steigt offensichtlich weiter deutlich an«, hält Steinmüller fest. Zusätzlich gab es früher einen stetigen Wechsel zwischen Hitze, Dürre, Kälte und Nässe, was somit für einen ausgeglichenen Klimaverlauf sorgte. »In den Jahren 1947 oder 1959 gab es ähnlich heiße Sommer wie 2003 oder 2018. Aber danach folgten serienweise kühle und regenreiche Sommermonate.« Das sei nun seit circa Ende der 80er Jahre nicht mehr der Fall.

Der bisherige »Hitze-Supergau« liegt erst drei Jahre zurück. »Am 26. Juli 2019 gab es in fast ganz Nordrhein-Westfalen Temperaturen von über 40 Grad. Hier in Hessen war das im Rhein-Main-Gebiet der Fall. In Gießen hatten wir an diesem Tag fast 39 Grad«, erinnert sich der Experte. In diesem Jahr könnte dieser Wert übertroffen werden. Vielleicht sogar schon in der kommenden Woche.

Archivfoto: Maywald

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Friedel Steinmüller © Red

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