1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Kreis Gießen

»Seismograph« für Zustand einer Gesellschaft

Erstellt: Aktualisiert:

gikrei_klk_Antisemitismu_4c_3
Alexandra Kurth und Julia Bernstein mit Moderator KLaus Pradella (v.l.) auf dem Podium inn Grünberg,. © privat

Grünberg (red). Das Kollegium der Theo-Koch-Schule in Grünberg nutzte seinen diesjährigen Pädagogischen Tag, um sich zu verschiedenen Erscheinungsformen des Antisemitismus in unserer Gesellschaft und den Umgang mit Antisemitismus an Schulen fortzubilden.

Zur Begrüßung erinnerte Direktor Jörg Keller an Anlass und Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit dem Judenhass. Vor zwei Jahren wurden im Rahmen einer schulischen Exkursion zur Gedenkstätte Buchenwald judenfeindliche Lieder auf der Rückfahrt abgespielt, was die gesamte Schulgemeinde erschütterte. Gleichzeitig stieß der offensive Umgang der TKS mit dem Vorfall aber auch auf eine hohe Bereitschaft zur Unterstützung, die eine Fortbildung in dieser Größenordnung und Qualität erst möglich machte.

Christopher Lipp, Erster Kreisbeigeordneter und Schuldezernent, lobte in seinem Grußwort die vorbildliche Aufarbeitung und Präventionsarbeit der TKS und betonte die Verantwortung für jüdisches Leben in Deutschland.

Im Anschluss richtete Uwe Becker, der Beauftragte des Landes Hessen für das jüdische Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, das Wort an die Zuhörenden. Eindringlich veranschaulichte er die Wirkung antisemitischer Vorfälle in Deutschland auf die Betroffenen, insbesondere auf Kinder und Jugendliche. Er bezeichnete den Antisemitismus als »Seismograph« des Zustandes einer Gesellschaft.

Den größten Teil des Tages beschäftigten sich alle Teilnehmenden in vorab gewählten Workshops intensiv mit verschiedenen Aspekten des Antisemitismus: mit dem Erkennen, dem Reagieren, im Zusammenhang mit deutschsprachigem Hip-Hop, mit Verschwörungsdenken oder der »Neuen Rechten«, mit Erscheinungsformen unter Musliminnen und Muslimen, im Sport, im Erkennen von Rechtsextremismus und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und in seiner Bezogenheit auf Israel. Die meisten Workshops wurden von Teamern des »Netzwerks« für politische Bildung, Kultur und Kommunikation (NBKK e.V.) gestaltet, außerdem eingebunden waren die »Fachstelle [m²] miteinander mittendrin« aus Köln, die pädagogische Fachstelle »rote linie« aus Marburg, die »Fachstelle für Demokratie und Toleranz« der Jugendförderung des Landkreises Gießen, die »Bildungsstätte Anne Frank« aus Frankfurt und das »Kompetenzzentrum Rechtsextremismus« des Landesamts für Verfassungsschutz Hessen.

Zum Abschluss des Tages fand ein Podiumsgespräch mit zwei ausgewiesenen Expertinnen auf dem Gebiet der Antisemitismusforschung zum Thema »Antisemitismus an der Schule« statt. Dr. Alexandra Kurth, Studienrätin im Hochschuldienst an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Vorsitzende des NBKK, und Dr. Julia Bernstein, Professorin an der Frankfurt University of Applied Sciences, die per Videokonferenz zugeschaltet war, stellten sich den Fragen von Klaus Pradella, Regionalreporter des Hessischen Rundfunks. Die Fragen bezogen sich dvor allem darauf, wie jüdische Schülerinnen und Schüler in ihrem Alltag antisemitische Diskriminierung erleben, wie Antisemitismus an Schulen wirkungsvoll begegnet werden kann und welche Möglichkeiten der Prävention und Intervention an Schulen in Frage kommen.

Auch interessant