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Sensibles Thema im Finanzausschuss beraten

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Architektonisch ist die Friedhofskapelle im Lumdastädtchen ein Glanzstück. Foto: Heller © Heller

Allendorf/Lumda (voh). Die Friedhofskapelle des Lumdastädtchens sticht architektonisch deutlich aus der Masse heraus. Trotzdem rät Brundhilde Trenz (BfA/FDP) den Leuten: »Lassen sie sich lieber von der evangelischen Kirche aus beerdigen. Das ist billiger.« Im städtischen Finanzausschuss beriet man jetzt buchstäblich über die Kosten des Sterbens. Der Magistrat hatte nämlich bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Theobald Jung Scherer (Gießen) eine Neukalkulation der Friedhofsgebühren für den Zeitraum 2021 bis 2024 in Auftrag gegeben.

Hubert Jung trug das Ergebnis vor.

Anschließend meldeten sich einige Sitzungsteilnehmer mit Bauchschmerzen. Von einem sensiblen Thema sprach Bürgermeister Thomas Benz (FW). Wer die Friedhofskapelle in Anspruch nehme, befinde sich in einer Notsituation (Trauer). Dem noch eins obendrauf zu setzen mittels einer saftigen Gebühr, das könne man doch nicht tun. Die Bestattungskultur habe sich in den vergangenen Jahren verändert. Wesentlichstes Merkmal sei der Rückgang von Sarggräbern (sind am teuersten, verursachen die meiste Arbeit). Trotzdem würden die Friedhofskosten nicht geringer.

Fehlbetrag ermittelt

Der Wirtschaftsprüfer hatte nüchtern und sachlich die verursachten Kosten und die Einnahmen (Nutzungsgebühr) gegenüber gestellt und demnach für die Jahre 2023 und 2024 einen Fehlbetrag ermittelt. Kosten setzten sich zusammen aus Energie, Strom, Leistungen des Bauhofs. Trenz bekundete: »Die Gebührenhöhe erschreckt mich.« Warum die Aufbewahrung einer Leiche mit 465 Euro pro Tag berechnet wird, wollte emotional niemand verstehen. Bei der Diskussion pendelte die Notwendigkeit einer Kosten deckenden Gebührenhöhe und der Zumutbarkeit für die Bürger hin und her. Die Verwaltung berechnet im städtischen Haushalt 25 000 Euro jährlich als pauschale Maschinenkosten. Finanzchef Jürgen Rausch (urlaubt) soll in der nächsten Sitzung informieren wie der Betrag zustande kommt.

Annette Bergen-Krause (SPD) stellte fest: »Wir müssen das entscheiden.« Das Wirtschaftsbüro habe seine Arbeit getan. Wenn man aber diese Gebühren für zu hoch seien, müsse die Politik dem nicht eins zu eins folgen. Der Fehlbetrag könne im Haushalt quersubventioniert werden. Jung: »Sie können ja einen niedrigeren Wert nehmen, etwa für die Kindergräber.« Sandra Henneberg (Grüne) wollte wissen warum die Trauerhalle so teuer sei. Eine Stunde (Trauerfeier) koste 571 Euro. Ausschlaggebend sei deren Instandhaltung (abgeschrieben ist das Gebäude) und die geringe Zahl von Beerdigungen. Henneberg: »Wer zahlt bei Leuten die sich da nicht leisten können«. Das Sozialamt, aber nicht in voller Höhe, wusste jemand. Ob man die Ruhezeit von 30 auf 15 oder 20 Jahre senken könne, so Kosten spare, war ein Gesichtspunkt.

Trenz gab zu bedenken, der Friedhof sei auch eine Begegnungsstätte für die Menschen, wo man sich treffe, unterhalte. Sie brachte das von der Gemeinde Biebertal bereits praktizierte Kölner Modell ins Spiel. Dabei werden die Kosten zum einen nach Grabflächen, und zum anderen nach Infrastrukturflächen über die Nutzungsjahre verteilt. Ausschuss-Vorsitzender Ralf Hofmann (FW): »Das ist kein Spiel. Wir können bei der Kalkulation nicht willkürlich etwas raus- oder reinnehmen«. Beschlossen wurde nichts. Auf der nächsten Sitzung wird weiter diskutiert.

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