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Sonne lässt die Kasse klingeln

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Am 30. Juni 2012 wurde der »rote Knopf« gedrückt, für alle Beteiligten ein großer Moment. Seither liefert der Solarpark Buchenberg nicht nur Strom, sondern auch Einnahmen für die beteiligten Kommunen und Bürger. Foto: Zylla/Archivfoto: Wisker © Zylla/Archivfoto: Wisker

Der Solarpark Buchenberg in Daubringen produziert nicht nur Strom, er bringt den beteiligten Bürgern auch eine gute Rendite

Kreis Gießen . (dge). Seinerzeit mit der sprichwörtlichen heißen Nadel gestrickt, besteht der Solarpark Buchenberg in Staufenberg nun seit zehn Jahren. Am 30. Juni 2012 wurde der »rote Knopf« gedrückt, die Anlage ging ans Netz und produziert seit dieser Zeit munter Strom. Nicht nur das. Auch die Bürger, die sich an dem Projekt beteiligt haben, freuen sich alljährlich über eine ordentliche Rendite.

Ein Solarpark in kommunaler Hand, erstellt von regionalen Unternehmen, betrieben von einer Energiegesellschaft, deren Beteiligte mehrere Kommunen sind - Peter Gefeller (SPD) war gerade erst ins Rathaus eingezogen, als er eine Idee in Gang setzte, die ihn schon längere Zeit umtrieb. Noch als Stadtrat, etwa 2005/2006, hatte er sich bei einem Urlaub an der Nordsee gewundert, warum es im benachbarten Dänemark scheinbar keinen Widerstand gegen die zahlreichen Windkraftanlagen zu geben schien.

Die Antwort war einfach: Die Anlagen gehörten sozusagen den Bürgern, waren in genossenschaftlicher Hand. »Die Dänen sind schlau. Das können wir auch«, dachte sich der damalige Stadtrat. 2010 stellte sich Peter Gefeller zur Wahl als Bürgermeister, am 1. August 2011 trat er sein Amt an, knapp ein Jahr später ging der Solarpark Buchenberg ans Netz.

»Wenn sich das Ding nicht rechnet, wird es nicht gebaut«, betonte Gefeller in der Planungsphase gebetsmühlenartig. Indes: Es rechnete sich und rechnet sich noch heute. Mit Uwe Kühn, Vorstand der Bürgerenergiegenossenschaft Sonnenland, hatte der Bürgermeister nicht nur einen Verfechter von erneuerbaren Energien, sondern auch genau den kühlen Rechner mit im Boot, den ein solches Vorhaben braucht.

Sonnenland hatte in Buseck schon Solaranlagen auf kommunalen Dächern umgesetzt und sich 2011 am Solarpark am Kernberg in Großen-Buseck beteiligt, also Erfahrung in dem, was in Staufenberg seinerzeit Neuland war. Hinzu kamen die Stadtwerke Gießen (SWG) und fünf weitere Kommunen, nämlich Allendorf/Lda., Buseck, Lollar, Rabenau und Wettenberg. Nicht zu vergessen die Bürger, die sich über Sonnenland beteiligen konnten. »Eine Anlage auch für Leute mit einem schmalen Geldbeutel«, hob Uwe Kühn hervor. Die Kommunen bildeten die Energiegesellschaft Lumdatal GmbH, die wiederum Betreiberin des Solarparks ist. Am Buchenberg sind die Kommunen mit 50, Sonnenland mit 30 und die Stadtwerke Gießen mit 20 Prozent beteiligt.

Ein Blick zurück: Nach Erdbeben und Tsunami im japanischen Fukushima und der daraus folgenden Nuklearkatastrophe machte man sich 2011 auch in Staufenberg Gedanken über erneuerbare Energien. Am 15. November 2011 beschloss das Parlament die Aufstellung des Bebauungsplans für den Solarpark Buchenberg. Angesichts leerer städtischer Kassen keine leichte Aufgabe. »Kommunal« und »regional« waren die Stichworte. Hinzu kam ein sehr enges Zeitfenster, Stichtag für die Fertigstellung war der 30. Juni 2012. Denn die Bundesregierung plante eine Senkung der Einspeisevergütung. Wollte man die höhere Förderung bekommen, musste der Solarpark rechtzeitig fertig und in Betrieb genommen werden.

Ein gutes halbes Jahr musste also reichen, um den Plan umzusetzen. Noch im Dezember wurden erste Gespräche mit dem Regierungspräsidium geführt. Am 9. März 2012 wurde der Antrag auf die Baugenehmigung und eine Umstufung des Geländes - einer ehemaligen Deponie für Bauschutt - in die Deponieklasse Null gestellt.

Die Genehmigung lag am 10. Mai 2012 vor. Jetzt musste tonnenweise, Laster für Laster, Erde herangeschafft werden. Auch das gelang. »Oben wurde schon gebaut, unten noch Erde aufgeschüttet«, erinnerte sich Gefeller.

Wenige Tage zuvor, am 4. Mai 2012, war die Energiegesellschaft Lumdatal GmbH gegründet worden. Binnen sechs Wochen wurde der Solarpark Buchenberg quasi aus dem Boden gestampft und ging ans Netz. Die Punktlandung war gelungen. 2013 gab es vom Land Hessen noch 100 000 Euro Förderung für das Vorzeigeprojekt. Dies auch, um die beispielhafte Zusammenarbeit der sechs Kommunen zu würdigen.

3,7 Millionen Euro hat der Solarpark gekostet, der Eigenkapitalanteil der Energiegesellschaft Lumdatal lag bei 750 000 Euro. Die anteilige Einlage pro Kommune bei 62 500 Euro. »Die CDU hat damals gegen diese Einlage gestimmt«, erinnerte sich Gefeller. Aus dieser Zeit stamme der Spruch der Stadtverordneten Ilse Staude (Grüne): »No risk, no fun«. So habe sie die Zustimmung ihrer Fraktion trocken kommentiert.

»Staufenberg hat übrigens vom Land weitere 16 000 Euro an Fördergeldern bekommen, somit lag die Einlage niedriger. Im Übrigen bekommen die Kommunen ihre Einlage bei Vertragsende zurück.« Und der Bürgermeister betonte, dass man die Investition schon mehrfach wieder reingeholt habe. Zum Stichtag 1. Juni 2022 seien allein an die Stadt Staufenberg bislang 207 000 Euro ausgezahlt worden. »Das ist das 3,2-fache unserer Einlage«, freute sich Gefeller. »Nicht nur das, auch die Bürger bekommen ihre Rendite.« Vier Prozent hatte man anfangs vorsichtig kalkuliert. »In der Regel wurden rund acht Prozent ausgeschüttet an die Gesellschafter«, zog Kühn eine kurze Bilanz. »Die 4,5 Prozent in den Anfangsjahren kommen daher, dass die Zinsberechnung über drei Jahre gemittelt wurde. Daher kommen in den ersten drei Jahren nur die Basiszinssätze zur Anwendung. Das war vertraglich so festgelegt. Ohne Mittelung hätten da auch etwa acht Prozent ausgezahlt werden können. Die Einbehalte daraus wurden in Sondertilgungen gesteckt«, erläuterte er.

2,184 Millionen Euro sind in den zehn Jahren aus dem Projekt in die regionale Wertschöpfung geflossen. Sei es als Steuern, Zinsen für die Darlehen heimischer Kreditinstitute, Pachterlöse oder eben als Gewinnausschüttung. Unliebsame Preissprünge gibt es beim Buchenberg nicht. Sonnenlicht ist gratis, es gibt einen festen Einspeisetarif. »Daher sind wir auch keinerlei Marktschwankungen unterworfen«, so Uwe Kühn zur aktuellen Lage auf dem Energiemarkt. Auch bei der Produktion habe man vorsichtig gerechnet, sei lieber von weniger Sonnenstunden ausgegangen. Etwas mehr als zwei Millionen Megawatt produziert die Anlage pro Jahr, das entspricht dem Strombedarf von 700 Haushalten.

Zur Zeit entstehen im Staufenberger Stadtwald drei Windkraftanlagen, auch diese mit Bürgerbeteiligung. Eben nach dem gleichen Strickmuster wie der Solarpark. »Wenn die Bürger die Last tragen, also die Windräder vor der Nase haben, sollen sie auch einen Nutzen haben«, stellte Gefeller klar. Neben dem Aspekt, einen Teil zum Klimaschutz beizutragen, hat die regionale Energieversorgung für ihn noch einen ganz entscheidenden Vorteil: »Sie macht uns unabhängig von fossilen Energieträgern und damit auch unabhängig von Despoten und Diktatoren wie etwa Putin.«

Wie wichtig diese Unabhängigkeit sei, zeige der Krieg in der Ukraine. Man dürfe nicht vergessen, dass fossile Brennstoffe oft aus politisch unsicheren Ländern kommen. Auch um allein dieses Risiko zu minimieren, ist Gefeller ein Verfechter regionaler Energieversorgung. Für die Zukunft gelte es, nicht nur Strom zu produzieren, sondern ihn auch zu speichern. »Das muss uns in den kommenden Jahren gelingen und das würde ich als Bürgermeister gerne noch umsetzen.«

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gikrei_0207_dge_Solarpar_4c_1 © Debra Wisker

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