SPD der große Verlierer in Lollar

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LOLLAR - (dge). Der große Verlierer bei der Kommunalwahl 2021 ist in Lollar die SPD. Konnten die Sozialdemokraten 2016 noch 42,87 Prozent der Wähler für sich gewinnen, so waren es nun nur noch 32,18 Prozent, ein Stimmenverlust von immerhin 10,69 Prozent. Die FDP konnte ihr Ergebnis von 2016 knapp halten, sie büßten 1,38 Prozent ein. Freuen dürften sich vor allem die Grünen, die satte 7,8 Prozent zulegten und 24,32 Prozent einfuhren (2016:

16,52 Prozent). Grund zur Freude haben auch die Christdemokraten, verbesserten sie ihr Ergebnis doch von 28,50 Prozent (2016) auf 32,75 Prozent. Statt bislang 31 werden künftig 37 Abgeordnete in der Stadtverordnetenversammlung sitzen. Das hatte das Parlament in der vergangenen Legislaturperiode beschlossen. Die Sitze verteilen sich wie folgt: CDU zwölf (2016: neun), Grüne neun (fünf), SPD zwölf (13) und FDP vier (vier).

Mehr Sitze und das Ergebnis von 2016 hätte sich Norman Speier, Spitzenkandidat der SPD, schon gewünscht. Trotzdem richtet er den Blick nach vorne. Immerhin habe man einen Gleichstand mit der CDU, was die Anzahl der Sitze im Parlament betreffe. Die gemeinsame Arbeit von SPD und Grünen sei in den vergangenen Jahren gut gewesen, er hofft, daran anknüpfen zu können. "Wir haben im Prinzip ja nur einen Sitz verloren. Das sehe ich noch gelassen. Mehr hätte mich dann schon geärgert." Die Gründe für die Verluste seiner Partei sieht er als schwer einzuschätzen an. Das Neubaugebiet in Ruttershausen werde wohl sehr kontrovers gesehen, dafür sprächen auch die Zahlen. Mit den Grünen wolle man auf jeden Fall reden, dann müsse man schauen, ob oder wie es mit einer Koalition weitergehe.

"Wir haben überwältigenden Zuspruch bekommen und das beste CDU-Ergebnis aller Zeiten eingefahren", freute sich Dr. Jens-Christian Kraft, Spitzenkandidat der Christdemokraten. Das Wahlergebnis sei "eine tolle Wertschätzung für unsere glaubwürdige und lösungsorientierte Arbeit." Die CDU habe im Wahlkampf ihr Team in den Vordergrund gestellt und die Zukunftsthemen adressiert. "Wir haben eine junge Fraktion und möchten notwendige Veränderungen durchsetzen. Nun sind in Lollar erstmals neue politischen Mehrheiten möglich, die die verkrusteten Strukturen endlich aufbrechen können", blickt Kraft in die neue Legislaturperiode.

"Das ist doch ein erfreuliches Ergebnis, das ist fast eine Verdoppelung", fasst es Gerhard Born für die Grünen zusammen. Sowohl bei der SPD als auch bei den Grünen spiegele sich der landesweite Trend wieder. Für die einen in den Verlusten, für die anderen in den Gewinnen. Ein wenig bedauerlich fand er, dass die Leistung der rot-grünen Koalition in Lollar nicht honoriert worden sei. Er sieht es aber auch ganz pragmatisch: "Wenn es um Klimaschutz geht, wählt man halt am besten das Original." Für rot-grün an sich habe sich das Ergebnis nicht verschlechtert. Vorsichtig geschätzt, geht Born davon aus, dass dabei bleiben wird. Trotzdem würde man sich auch mit den anderen Parteien unterhalten. Von der CDU habe man bereits eine Einladung erhalten, das Gespräch werde man führen, das sei demokratisch legitim und gehöre sich auch so.

Cornelia Maykemper, Spitzenkandidatin der FDP, sieht ihre Partei als eine Kraft, die parlamentarischen Prozesse und Entscheidungsfindungen kritisch begleitet. "Ideen statt Ideologien" sei ihr Motto im Wahlkampf gewesen und das werde sie auch beibehalten. Maykemper plädierte für ein "Miteinander statt gegeneinander." Grabenkämpfe hält sie für kontraproduktiv. Mit dem Ergebnis der Wahl zeigte sie sich zufrieden. Ganz persönlich freut sie sich, dass ihr Sohn Johannes Maykemper so gut abgeschnitten und sie sogar von Platz eins verdrängt hat. Auch wenn die FDP mit vier Frauen an der Spitze angetreten ist, sieht sie grundsätzlich zu wenig Frauen in den Parlamenten. In Sachen möglicher Koalitionen - vielleicht mit der FDP als kleinem Partner - will sie nicht spekulieren. Das sei einfach zu früh.

Hier die Namen der Gewählten, ihr Stimmenanteil und der Listenplatz:

CDU Mathias Fritz 2635 2

CDU Rüdiger Pohl 2251 5

CDU Dr. Jens-Christian Kraft 2249 1

CDU Sabine Schiller 2059 3

CDU Jannis Georg Gigler 2046 7

CDU Benjamin Ochs 2009 4

CDU Gerald Weber 1998 6

CDU Horst Haase 1839 9

CDU Klaus-Dieter Geißler 1828 8

CDU Michelle Marie Kraft 1791 12

CDU Christian Mank 1695 13

CDU Jan Christian Gast 1673 10

Grüne Robin Lynker 1856 4

Grüne Petra Schubert 1796 1

Grüne Heidelore Alt 1667 5

Grüne Jens Ruppel 1601 6

Grüne Wolfgang Haußmann 1438 2

Grüne Gerhard Born 1428 10

Grüne Ida-Elena Schulz 1424 3

Grüne Jutta Pfaff 1375 7

Grüne Theresa Alt 1352 13

SPD Norman Speier 2609 1

SPD Hartmut Bierau 2256 2

SPD Bernd Maroldt 2064 4

SPD Horst Klinkel 2017 3

SPD Willi-Ludwig Hofmann 1686 6

SPD Sylvia Venohr 1586 5

SPD Ottmar Kowalsky 1317 9

SPD Hartmut Wirth 1291 11

SPD Harald Pusch 1278 19

SPD Sina Valeska Speier 1243 15

SPD Annegret Bastian 1163 20

SPD Petra Schön 1139 10

FDP Johannes Maykemper 1603 7

FDP Cornelia Maykemper 1478 1

FDP Kornelia Kärcher 1116 3

FDP Christine Schneider 939 2

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