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Stadtgeschichte, »sehr bekömmlich«

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Die letzte Bahn von Hungen nach Friedberg wird im Frühjahr 2003 verabschiedet. Mittlerweile stehen die Chancen für eine Reaktivierung der Horlofftalbahn nicht schlecht. © GAZ

Hungens Bürgermeister und das Redaktionsteam haben die Chronik »50 Jahre Großgemeinde Hungen« vorgestellt.

Hungen . »Sehr bekömmlich«, so lobte Bürgermeister Rainer Wengorsch (FW) bei der Vorstellung der brandneuen Stadtchronik »50 Jahre Großgemeinde Hungen« das Werk. »Gar nicht so steif und klebrig wie man das von so manch anderer Chronik gewohnt ist.«

In der Tat ist auf den rund 500 Seiten die Hungener Geschichte interessant aufgearbeitet. Zu den historischen Fakten kommen zahlreiche Themenbeiträge, die vom Redaktionsteam, bestehend aus Sabine Fellner von Feldegg, Ulrike Haupt, Andrea Krüger und Stadtarchivar Erhard Eller, ausgewählt wurden.

Eigentlich sollte eine Chronik bereits vor zehn Jahren zum 650-jährigen Stadtjubiläum erscheinen, doch dieser Erstentwurf sei an mangelnder Zeit und personellen Problemen gescheitert und nie zur Veröffentlichung gelangt, wie Wengorsch schilderte.

»Jetzt haben wir einen Schatz aus der Schublade gehoben und mit aktuellen Beiträgen noch weiter aufgewertet«, freute sich Sabine Fellner von Feldegg als Vorstandsmitglied des Vereins Stadtmarketing Hungen. »Allerdings hatten wir dann doch mehr Arbeit als zunächst erwartet«, ergänzte Andrea Krüger, die sich um die rund 200 historischen Aufnahmen zur Bebilderung kümmerte. Das Ergebnis der vielen Arbeit an der neuen Stadtchronik kann sich sehen lassen. »Es lässt sich gut lesen«, findet auch Stadtarchivar Erhard Eller, der selbst einiges wie etwa die Geschichte über das jüdische Leben in Hungen beigetragen hat.

So finden sich neben Kapiteln zur römischen Geschichte oder der Erlangung der Stadtrechte auch redaktionelle Beiträge zur Arbeit der Arbeitsgruppe »Spurensuche« oder zum Abschied von der Horlofftalbahn, die man ja aktuell sehr bald wieder begrüßen möchte.

Ebenso gibt es ein Kapitel über das Jahr 1987, als Hungen als Standort für eine Dekontaminierungsanlage für radioaktiv verstrahlte Molke im Gespräch war.

Andere Themenbeiträge beschäftigen sich mit der Entwicklung der Städtepartnerschaft zu Saint Bonnet-de-Mure, der Entstehung des Solarparks oder der in den 1990er Jahren entstandenen Tradition der Europawoche.

Mehr als 40 Autoren sind an dem Werk beteiligt, das nun 50 Jahre nach Gründung der Großgemeinde Hungen und 660 Jahre nach Verleihung der Stadtrechte erscheint.

»Das ist eine tolle Leistung der Mitwirkenden, vor allem des Redaktionsteams, das unheimlich viel recherchiert, organisiert und korrigiert hat in den letzten Monaten«, betonte Wengorsch.

Die Chronik setzt im Vergleich zum »Buch der Stadt Hungen« aus dem Jahr 1961 und der Chronik »1200 Jahre Hungen« von 1982 andere Schwerpunkte.

Zum einen wird natürlich die Zeit seit der Gründung der Großgemeinde Hungen ausführlich bis zur Kommunalwahl 2021 und der Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Professor Adolf Hampel beleuchtet und Stadtarchivar Erhard Eller schildert den durchaus schwierigen Prozess bis zum Abschluss der kommunalen Gebietsreform 1977. Zum anderen erhalten die einzelnen Stadtteile und ihre Entwicklung von der Gründung bis in die Neuzeit deutlich mehr Raum, sodass einige interessante Aspekte ihrer Geschichte dargestellt werden können.

Die drei Burgen in Bellersheim, der Barbarossa-Brunnen in Langd, das Sühnekreuz in Rabertshausen, die Zünfte und Zunftmeister in Rodheim oder die Friedhofskapelle im Bauhaus-Stil in Trais-Horloff gehören etwa dazu.

Das letzte Kapitel ist Hungener Persönlichkeiten gewidmet, darunter der bedeutsame frühe Verfechter einer nachhaltigen Forstwirtschaft, Georg Ludwig Hartig, die jüdische Kunstsammlerin Amalie Seckbach-Buch, der Maler James Pitcairn-Knowles, der Heimatdichter Karl Reinhardt, das prominente Gesangsduo »Amigos« sowie der jüngst zum Hungener Ehrenbürger ernannte Professor Adolf Hampel.

Die Stadtchronik »50 Jahre Großgemeinde Hungen« ist ab sofort im Rathaus, in der Stadtbibliothek sowie beim Stadtmarketing zum Preis von 30 Euro erhältlich.

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Blauer Einband, goldene Schrift; Die neue Chronik mit dem Redaktionsteam und Bürgermeister Wengorsch (Mitte). © Kächler

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