Städtische GmbH übernimmt in Laubach Postagentur

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LAUBACH - (ww). Die Post im Ortskern, das wird immer seltener. Die Agenturen zieht es in die Supermärkte im Außenbereich. In den Zentren müssen teure Mieten gezahlt werden. Selbstständige wie Donka Ruckelshaussen in Laubach bestreiten mit den Mini-Filialen ihren Lebensunterhalt, bis jetzt. Die Post in der Stiftstraße in der Kernstadt wird zum 31. März aus Unwirtschaftlichkeit schließen.

Das teilte die Betreiberin Laubachs Bürgermeister Peter Klug kurzfristig vor Weihnachten mit. Keine Poststelle mehr im Zentrum der Kernstadt, das kann nicht sein, dachte sich das Stadtoberhaupt, das dem Notausschuss des Stadtparlamentes am Dienstag kurzfristig eine elegante Lösung präsentierte.

Zehn Vertreter der Parteien hatten sich zur konstituierenden Sitzung des Gremiums im großen Rathaussaal eingefunden. Stadtverordnetenvorsteher Joachim Michael Kühn wurde hier zum Vorsitzenden gewählt. Kurz vor Weihnachten hatte das 31-köpfige Stadtparlament vorsorglich einen zehnköpfigen Notausschuss aufgrund der Pandemie eingesetzt. Der musste nun erstmals tagen, da auch der Haushaltsentwurf 2021 vorgestellt wurde. Zuvor hatte Bürgermeister Klug einen Dringlichkeitsantrag zur Post gestellt, der auf die Tagesordnung genommen wurde.

In der Bahnhofstraße 18, gegenüber dem Großparkplatz, soll ab 1. April die neue Postagentur ihre Arbeit aufnehmen. Im Gegensatz zur Stiftstraße gibt es hier ideale Bedingungen, weil gleich gegenüber der Großparkplatz für die Innenstadt genügend Raum bietet. Die Post in den Händen der Stadt, das fand die Mehrheit der Ausschussmitglieder eine gute Idee. Die Stadt Laubach bringt die neue Dienstleistung in der Tourismus und Service GmbH (LTS) um deren Geschäftsführer Michael Köppen zukünftig unter. Die Stadt hat hier 100 Prozent Anteile. Damit das 100-Quadratmeter-Ladengeschäft zum 1. April herausgeputzt ist, mussten die Stadtverordneten den Zuschuss zur GmbH erhöhen. Einmalig sind in diesem Jahr 30 000 Euro an Umbaukosten und eine Halbjahresmiete von 6000 Euro anzusetzen und danach jährlich 12 000 Euro an Miete. Für die Ausstattung sorge die Post. Da Donka Ruckelshaussen bereits tief in der Materie stecke, sollte sie in der LTS angestellt werden, meinte Klug im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Stadtverordneten sprachen sich mehrheitlich für die Bürgermeister-Idee aus. Personal, einmalige Umbaukosten und Miete sollen allerdings in der LTS verbucht und im Gegenzug Geld aus dem städtischen Haushalt zugeschossen werden. Klug hatte geprüft, ob noch andere Immobilien in der Innenstadt infrage kommen könnten, die Wahl sei aber auf den idealen Standort gefallen. Dr. Sven L. Baumann von der Freien Bürgerliste Laubach (FBLL) wies auf den Tankstellenbetrieb am Ortsausgang hin. Doch letztlich sprach sich die Mehrheit für die Bahnhofstraße aus.

Klug hatte die Dringlichkeit seines Antrags auch damit begründet, dass die Post zum 1. April ansonsten einen anderen Betreiber in der Peripherie gesucht hätte, da sie einen Grundversorgungsauftrag habe.

Der Laubacher Bürgermeister geht davon aus, dass die Stadt dauerhaft jährlich die Mietkosten zuschießen müsse. Er könnte sich gut vorstellen, dass neben der Agentur ein weiteres Geschäft dort Einzug halten könnte. Immerhin sei die anzumietende Fläche 100 Quadratmeter groß. Hier seien jetzt Ideen und Anbieter gefragt.

Ulf Häbel (FW) meint: "Wenn alles in die Supermärkte verlagert wird, gibt es keine Innenstadt mehr." Siegfried Maikranz (CDU) fügte hinzu, es sei eine gute Idee, er sorge sich aber um den Zuschuss: "Das Geld reicht sicher nicht aus. Man muss ehrlich miteinander sein." CDU-Fraktionschef Björn Erik Ruppel regte an, dass die gGmbH auch als Vermieter auftreten sollte, was beherzigt wurde. Klug entgegnete, dass die Post einfach irgendeinen ihr bereits bekannten Betreiber nehme, ohne auszuschreiben. Hartmut Roeschen (SPD) nannte die Postübernahme eine sinnvolle Sache, "im Gegensatz zu anderen Aufgaben der LTS, auch, wenn es was kostet. Das gehört zur Grunddaseinsvorsorge." Michael Köhler von den Grünen betonte: "Null auf Null kommen wir nicht hin. Das ist es mir aber wert." Zuletzt enthielt sich nur der FBLL-Mann Baumann.

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