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Standort einst heiß diskutiert

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Von: Debra Wisker

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Aus der Mittelpunktschule wurde in den 1970er Jahren die Gesamtschule Allendorf. Archivfoto: Ulmers © Red

1968 wurde die Gesamtschule Lumdatal, damals noch Mittelpunktschule, eingeweiht, Seit 2015 ist sie der Allendorfer Standort der Clemens-Brentano-Europaschule Lollar.

Allendorf . 1968 wurde die Gesamtschule Lumdatal, damals noch Mittelpunktschule, eingeweiht, drückten die ersten Schüler dort die Schulbank, Seit 2015 ist sie der Allendorfer Standort der Clemens-Brentano-Europaschule Lollar.

Werfen wir doch mal einen Blick auf die Anfänge der Lehranstalt. Dazu hat Brunhilde Trenz (Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins) ins Archiv geschaut und ist fündig geworden: Unter der Führung des Magistrats, an der Spitze der damalige Bürgermeister Schwarz, und unter Mitwirkung aller Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung habe man seinerzeit Nennenswertes geschaffen. Das ist in der Nikelsmarkt-Zeitung aus dem Jahr 1962 nachzulesen.

Zu Beginn der 1960er Jahre hatte der Landkreis Gießen die Idee zur Gründung eines Zweckverbands »Mittelpunktschule Lumdatal« ins Spiel gebracht. Den in Frage kommenden Gemeindeparlamenten im Lumdatal wurde dieser Gedanke vorgetragen. In der Stadtverordnetenversammlung am 24. November 1961 wurden die Vertreter zur Gründungsversammlung gewählt. Die Versammlung fand am 8. Dezember 1961 im Dorfgemeinschaftshaus Treis statt.

Versammlung

»In Anwesenheit von Landrat Dr. Georg Maraun, Kreisschulrat Dr. Grund und Regierungsamtmann Bodenbender erlebte das Dorfgemeinschaftshaus Treis/Lumda am 8. Dezember 1961 eine historische Stunde, als sich die Vertreter aus den Gemeinden Allendorf/Lumda, Londorf, Odenhausen/Lumda, Kesselbach, Geilshausen, Allertshausen, Climbach, Treis/Lumda, Nordeck und Winnen zu einem Zweckverband Mittelpunktschule Lumdatal zusammenschlossen«, heißt es in den Annalen.

Nach der Begrüßungsansprache des Treiser Bürgermeisters Nuhn hatte Landrat Maraun die Gründe, die zur Bildung von Mittelpunktschulen führen, zusammengefasst. Er gab auch der Hoffnung Ausdruck, dass man den Grundstein für die neue Schule 1963 legen könne, und die Kinder im Jahre 1964 die modernste Schule des Landkreises Gießen besuchen könnten. Dem war, wie sich zeigte,nicht so. Es sollte noch ein Weilchen dauern.

Der Landrat versicherte damals auch, dass im Landkreis verstärkt Schulraum geschaffen und vom Land Hessen auch weiterhin durch Zuschüsse gefördert würde. Nach Klärung einiger Verfahrensfragen stimmten die Vertreter dem Antrag auf Mitbestimmung der Gemeinden Nordeck und Winnen, die dem Landkreis Marburg angehörten, zu. Auch berieten die Vertreter die Satzung des Schulverbandes.

Breiten Raum hatte schließlich die Diskussion über den Standort der Schule eingenommen. Bürgermeister Wissner (Londorf) stellte den Antrag, die Frage des Standortes nicht zu behandeln, »da sich mehrere Gemeinden bewerben würden und die Verbandsvertreter ohne nähere Kenntnis der örtlichen Verhältnisse überfordert seien«. Der damalige Allendorfer Stadtverordnetenvorsteher Stein lehnte es indes ab, diese Frage zu vertagen. Allendorf habe bereits am 29. November 1960 beschlossen, sich um den Standort zu bewerben. Schützenhilfe bekam er von Bürgermeister Schwarz, der sich für seine Gemeinde ins Zeug legte und betonte, dass die Festlegung des Standortes »das A und O der Satzung« sei. Seine Gemeinde sei sich der großen Bedeutung dieser Schule bewusst, und sie werde das Werk entsprechend fördern, so der einstige Rathauschef.

Sowohl Landrat Maraun als auch Kreisschulrat Dr. Grund stellten die Zweckmäßigkeit im Hinblick auf Kostenersparungen heraus, wenn Mittelpunktschule und Realschule in einem Ort vereinigt wären. Dies sei in Allendorf der Fall. Auf Vorschlag des Landrates wurde die Sitzung unterbrochen, damit sich die Vertreter beraten konnten. Anschließend wurde über den Antrag des Stadtrats Gerhard Lemp (Allendorf), der sich für den Sitz des Schulverbandes in Allendorf aussprach, abgestimmt. Zwölf Vertreter sprachen sich für Allendorf aus, zwei enthielten sich der Stimme, elf Vertreter stimmten mit Nein. Damit war die Entscheidung - wenn auch knapp - für Allendorf gefallen.

Satzung

Nun gab es noch die Abstimmung über die gesamte Satzung, die von 23 Vertretern bei zwei Enthaltungen gebilligt wurde. Damit hätten die Verbandsvertreter die »Grundlage für eine neue und umfassende Ausbildung der Kinder« gelegt, betonte der Landrat und beglückwünschte die Versammlung zu ihrem »bedeutungsvollen Entschluss«. Der Schulverband dürfte sicher sein, dass der Landkreis in größtmöglicher Weise das Werk unterstützen werde. Am 1. September 1968 wurde das neue Schulgebäude hoch oben auf dem Ziegenberg bezogen, kurz darauf, am 12. Oktober, offiziell eingeweiht. Mit dem Schuljahr 1968/69 kamen die ersten Kinder an die Schule. Sie kamen aus Allendorf, Ra-benau und Treis, um die Haupt- und Realschule zu besuchen. War es damals durchaus noch üblich, auch am Samstag zur Schule zu gehen, so war die Allendorfer Schule Vorreiter im Landkreis, als sie 1970 die Fünf-Tage-Woche einführte. Die Einführung der Förderstufe kam 1972, der Gymnasialzweig - bis zur zehnten Klasse - kam mit der Einführung der Gesamtschule 1976 hinzu.

Da die Schülerzahlen im Laufe der Jahre doch ziemlich zurückgingen, verlor die Gesamtschule 2015 ihre Eigenständigkeit und ist seither ein Standort der Clemens-Brentano-Europaschule. 2018 feierte die Allendorfer Schule ihr 50-jähriges Bestehen.

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