1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Kreis Gießen

Stau beim Sirenenausbau

Erstellt:

Von: Petra A. Zielinski

Der Warntag verlief in 16 von 18 Kommunen im Kreisgebiet erfolgreich. Dennoch gibt es beim Sirenenausbau einen Stau.

Kreis Gießen (paz). Nach dem vor zwei Jahren der bundesweite Warntag sehr viele Schwächen aufgezeigt hat, zieht das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) dieses Mal eine positive Bilanz. Vieles habe besser geklappt als bei der Premiere 2020. Auch das hessische Innenministerium zeigt sich zufrieden. Nach ersten Rückmeldungen hätten die Alarmierungen der Warn-Apps und Sirenen bis auf wenige Ausnahmen funktioniert.

Über Lautsprecher in Langgöns gewarnt

Diesem positiven Ergebnis kann sich der Landkreis Gießen, der seine 18 Kommunen bei der Warnung der Bevölkerung durch das Auslösen der Sirenen durch die Leitstelle unterstützt hat, nur anschließen. »Mit Ausnahme von zwei Kommunen konnte in jeder mindestens eine Sirene ausgelöst werden«, unterstreicht Kreisbrandinspektor Mario Binsch. Eine davon sei Langgöns gewesen, wo die Feuerwehr die Warnung per Lautsprecherwagen übernehmen musste.

»Nach der Wiedervereinigung 1990 hat sich der Bund aus dem Zivilschutz rausgezogen und den Kommunen freigestellt, was sie mit ihren Sirenen machen«, erklärt Binsch im Nachgang. Einige hätten dann ihre Sirenen abgebaut oder sich nicht weiter darum gekümmert. Aus diesem Grund könnten einige Gemeinden alle drei Warntöne - den Bevölkerungswarnton, die Entwarnung und den Feueralarm - empfangen, andere weniger oder eben keine. Die Hochwasserkatastrophen und der Ukrainekrieg hätten aber gezeigt, wie wichtig gut funktionierende Warnsysteme seien.

Drei der Kommunen - Reiskirchen, Biebertal und Wettenberg - verfügten bereits über die modernsten digitalen Sirenen und konnten somit die Warnung des Bundes empfangen. Die übrigen erhielten die Warnung durch die Leitstelle des Landkreises. »Den meisten Kommunen steht nur Analogfunk zur Verfügung. Einige haben zwar auch Digitalfunk, aber nicht den entsprechenden Chip, um den Signalton vom Bund zu empfangen. Und: »Alte Sirenen haben leider nur einen bestimmten Wirkungskreis.«

Aktuell seien alle Kommunen des Landkreises dabei entsprechend umzurüsten. Dabei erhielten sie sowohl vom Bund als auch vom Land finanzielle Unterstützung. Über 80 Millionen Euro wolle der Bund in komplette Sirenensysteme stecken, 6,4 Millionen davon gingen nach Hessen. Das Land hingegen finanziere digitale Steuergeräte, unter anderem für 178 Sirenen im Landkreis Gießen.

Ende 2023 alles digital

»Bis Ende 2023 soll der analoge Funk komplett abgestellt werden«, betont Binsch. Ersatzteile für analoge Sirenen seien schon jetzt schwer zu bekommen, darüber hinaus müsse das Land aktuell zwei Funknetze zahlen. »Die Polizei, der Rettungsdienst sowie unsere Feuerwehrfahrzeuge verfügen bereits über digitalen Funk. Nur die Sirenen fehlen noch.«

Da alle Kommunen eine Förderung für den digitalen Funk erhielten, hätten die wenigen Firmen der Region, die sich darauf spezialisiert hätten, alle Hände voll zu tun und kämen mit der Bewältigung der Aufträge kaum hinterher. »Diese Fachfirmen machen auch den Gemeinden Vorschläge, wo die Sirenen aufgestellt werden können. Jede Gemeinde muss sehen, wie viel Fläche sie abdecken will. Hochleistungssirenen benötigen weniger Standorte«, so Binsch. In der Regel würde man Masten aufstellen oder die Sirenen auf gemeindeeigene Häuser setzen. In Ausnahmefällen könnten sie auch auf Privathäusern angebracht werden.

Erstmals wurde in Deutschland beim Warntag das neue System Cell-Broadcast getestet, eine Warnmeldung für Handys, für die keine spezielle App nötig ist. In Kombination mit anderen Apps wie »hessenWARN« oder »KATWARN« sollte sie für eine bessere Reichweite sorgen. Voraussetzung hierfür war die Installation neuer Software auf dem Handy und, dass der Netzanbieter seine Stationen technisch bereits entsprechend ausgestattet hat. »Die Auslösung war problemlos und mit Ausnahme von Cell-Broadcast haben alle Warn-Apps gut funktioniert«, fasst Binsch zusammen.

Telekom-Kunden im Nachteil

Vor allem Telekom-Kunden hätten die Warnung nicht auf ihren Handys empfangen. Handys in den Netzen von Vodafone und O2 hätten hingegen mehrheitlich eine Meldung erhalten. »Bis Ende Februar 2023 sollen alle Mobilfunkanbieter aber entsprechend umgerüstet sein«, weiß der Kreisbrandinspektor.

Auch interessant