Staufenberg: Rund 39 000 Euro Defizit

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STAUFENBERG - (dge). Viel zu kalt, viel zu nass - auch wenn viele den Sommer als nicht gerade "sommerlich" empfunden haben mögen, war es für Ralf Jäkel (Leiter Forstamt Wettenberg) und Revierförster Jacob Thomaka ein Grund zum Aufatmen. "Endlich mal ein Jahr, wo der Wald eine kleine Atempause hatte", kommentierte Jäkel die Wetterlage der vergangenen Monate.

Trotzdem habe der Wald noch jede Menge Probleme. Und das schlug sich auch im Waldwirtschaftsplan 2022 nieder, den Thomaka in der Sitzung des Staufenberger Haupt- und Finanzausschusses (HFA) vorstellte. Unter dem Strich ergibt sich ein Zuschussbedarf von rund 39 000 Euro. Auch in den kommenden Jahren erwartet der Förster ein Minus im Waldwirtschaftsplan.

Zum Sorgenkind Wald erklärte Thomaka, dass der Borkenkäfer bei der Fichte weiterhin große Probleme bereite und diese mittlerweile fast gänzlich weg sei. Zwar sei die Aufarbeitung vor der Entwertung weitestgehend gelungen, in der Folge gebe es nun riesige Freiflächen. Diese Freiflächen seien insofern problematisch, als auf ihnen keine standortgerechte Naturverjüngung erwartet werden könne. Nicht nur der Borkenkäfer, auch Trockenheit setzt der Lärche zu - zwar nicht in dem Ausmaß wie bei der Fichte, aber dennoch spürbar. Trockenheit schädigt auch den Buchenbestand, die Bäume sterben wegen Wassermangels ab. "Wenn dieser Prozess einmal begonnen hat, gibt es kein Zurück", so der Fachmann. Vorallem ältere Buchen seien betroffen, die Entwertung des Holzes schreite sehr schnell voran. Auch hier sei es bislang gelungen, das Holz vorher zu verwerten. Einziger Lichtblick: Bei der Buche ist oft reichlich Naturverjüngung vorhanden.

Aktuell sind laut Jacob Thomaka rund 50 Hektar Freiflächen im gesamten Stadtwald zu verzeichnen. Diese wieder zu beleben, sprich aufzuforsten, sei "eine riesige Aufgabe für die nächsten Jahrzehnte". Nicht nur das, auch finanziell kann man sich hier wohl auf etwa 15 000 bis 20 000 Euro Kosten pro Hektar einstellen. Das beinhaltet die Vorbereitung, die mehrjährige Pflege und Nachbesserungen. Die für das kommende Jahr geplante Holznutzung sieht vor, sich weiterhin auf absterbende Bäume zu konzentrieren und diese zu fällen, bevor sie völlig zerstört oder abgestorben sind. Gesunde Bestände sollen geschont werden.

Nicht vorhersehbar seien Kalamitäten wie Stürme, Schädlinge und dergleichen, diese in die Planung einzubeziehen, gleiche einem "Blick in die Glaskugel". Im Ergebnis könne die Holznutzung also sowohl deutlich mehr als auch deutlich weniger werden. Wenn auch ohne "Glaskugel", doch mit Sachverstand wagte Thomaka dennoch einen Blick in die Zukunft. Aktuell und auch künftig könne sich der Wald nicht mehr selbst tragen. Weniger Holznutzung bedeutet weniger Erträge, denen auf der anderen Seite hohe Kosten für Kulturen und deren langjährige Pflege, die Pflege junger Bestände und auch die Verkehrssicherung stünden.

Doch sieht der Revierförster auch Möglichkeiten, diesen finanziell trüben Aussichten zu begegnen. Zum einem könne man durch vereinzelte Flächenstilllegungen Ökopunkte generieren, zum anderen nannte Thomaka den Aspekt "Windkraftanlagen im Wald für den Wald". Ein aktuelles Thema gerade in Staufenberg, beginnt hier doch in Kürze der Bau von drei Windkraftanlagen, die nicht nur ihren Beitrag zur Energiewende leisten, sondern auch Geld in den Stadtsäckel spülen sollen. Die Windkraftanlagen sind als Bürgerbeteiligungsprojekt aufgelegt, sodass nicht nur die öffentliche Hand, sondern auch Anleger profitieren können (der Anzeiger berichtete). Der HFA empfahl der Stadtverordnetenversammlung einstimmig, dem Waldwirtschaftsplan 2022 zuzustimmen.

Abrechnung

Keine Zustimmung gab es für die Endabrechnung 2020 der DRK-Kindertagesstätte, hier soll nachverhandelt werden. Die laufenden Betriebskosten für die DRK-Kindertagesstätte in Daubringen wurden im Haushalt 2020 mit einem städtischen Anteil von 667 352 Euro kalkuliert. Bereinigt um die Einsparungen für Leiharbeitskräfte und Landesmittel für die Beitragsbefreiung verblieb unter dem Strich eine Summe von rund 423 886 Euro. Dies fand seinerzeit im Zuge der Haushaltsberatung die Zustimmung der Stadtverordneten. Die Endabrechnung des DRK sah nun für 2020 eine Nachforderung in Höhe von 60 091,57 Euro vor. Die Auslastung, so Bürgermeister Peter Gefeller (SPD), sehe das DRK "etwas optimistisch" und gehe hier von 100 Prozent aus, aufgrund der Erfahrungswerte bei den städtischen Betreuungseinrichtungen wäre eine eher konservative Berechnungsgrundlage von 85 Prozent Auslastung anzusetzen.

Auch meinte Gefeller, dass Abschreibungen nichts in der Berechnung der Verwaltungspauschale zu suchen habe. Insgesamt könne man die Endabrechnung 2020 des DRK nicht im Detail nachvollziehen. Aus diesem Grund solle nachverhandelt werden, seitens des DRK sei Verhandlungsbereitschaft signalisiert worden. Der Beschlussempfehlung, hier noch einmal in Verhandlung zu treten, gaben die Mitglieder des HFA ihre einhellige Zustimmung. Zunächst begrenzt auf ein Jahr wollte man im HFA die Einrichtung einer fünften Gruppe in der DRK-Kita sehen. Da die städtischen Einrichtungen den zusätzlich nachgefragten Bedarf nicht decken können, stand man dem Antrag des DRK grundsätzlich positiv gegenüber. Doch wird auch hier bei der Berechnung auf die Nachverhandlungen zur Trägervereinbarung verwiesen. Die Abstimmung über die Beschlussempfehlung an die Stadtverordnetenversammlung erfolgte einstimmig.

Rücklagen

Erfreuliches gab es in Sachen Rücklagen zu berichten. Sah es um die städtischen Finanzen noch vor einigen Jahren zappenduster aus, so sieht sich die Stadt Staufenberg mittlerweile wieder in der Lage, Rücklagen zu bilden. Wie der Bürgermeister erklärte, habe man es bei seinem Amtsantritt vor zehn Jahren mit 20 Millionen Euro an Kassenkrediten und zehn Millionen Euro an Investitionskrediten zu tun gehabt. "Das ist jetzt passé", freute sich Gefeller. Dank der Unterstützung des Landes Hessen - Stichworte Schutzschirm und Hessenkasse - und den einvernehmlichen Entscheidungen aller Fraktionen im Parlament sind die hohen Schulden Vergangenheit.

Seit 2016 schreibt man wieder schwarze Zahlen, wenn auch zunächst eher verhalten. 2018 folgte der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zur Bildung von Rücklagen. 2018 waren es an ordentlichen Rücklagen rund 2,41 Millionen Euro, an außerordentlichen knapp 1,28 Millionen Euro. Diese wurden aufgestockt und liegen laut Vorlage nun bei den ordentlichen Rücklagen bei circa 7,38 Millionen Euro, bei den außerordentlichen bei rund 2,02 Millionen Euro.

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