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Steigerlied zum Empfang

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Karin Rühl und Daniel Mandler trotzten bei ihrer Benefizwanderung nach Ahrweiler Wind und Wetter. © Wißner

Grünbergerin und Odenhäuser schaffen 150 Kilometer in 42 Stunden und 27 Minuten und sammeln Geld für guten Zweck.

Kreis Gießen (twi). Um 18.27 Uhr stand Karin Rühl am Samstag nach 150 zurückgelegten Kilometern auf dem Marktplatz in Ahrweiler. 42 Stunden und 27 Minuten hatte die Grünbergerin benötigt und bei ihrer Benefizwanderung miterleben müssen, wie ihr Mitstreiter Daniel Mandler aus Odenhausen sieben Kilometer vor dem Ziel mit Blasen an den Füßen aufgeben musste. »Der Westerwald wollte uns bezwingen, doch wir haben den Westerwald bezwungen«, waren sich die beiden Wanderfreunde einig, weshalb der mittels Wander-App errechnete Zeitplan mit Ankunft nach 32,5 Stunden zur Mittagszeit nicht eingehalten werden konnte, obwohl zumindest Karin Rühl bei ihrer Ankunft gar vier Kilometer durch Abkürzungen gegenüber den 154 errechneten Kilometern einsparen konnte.

Doch nicht nur die beiden langen Nächte, sondern vor allem auch das Wetter, das zu völlig durchnässten Strümpfen und Schuhen führte, machten den Benefizwanderern schwer zu schaffen. »Eis, Schnee und Schlamm, das hatten wir so auch nicht erwartet«, schildert Mandler die Umstände die ihn zu seiner Aufgabe nach 142 Kilometern kurz vor Lohrsdorf zwangen. »Die lange Dunkelheit, fast nur durch den Wald, kein Sonnenstrahl, das zehrte schon, aber dafür wurden wird von den Helfern wunderschön verpflegt. Es war ein Hotel auf Rädern«, dankte Rühl vor allem den Mitstreitern, die aus der privaten Obdachlosenhilfe »Markus und seine Freunde auf der Straße« in Gießen, in der Daniel Mandler aktiv ist, für ihre Unterstützung.

Los ging es am Freitag pünktlich um 0.01 Uhr an der Lahnbrücke in Odenhausen/Lahn zu dritt. Als dritter im Bunde hatte sich Alexander Ellermann aus Mühlheim am Main zu dem Duo gesellt, um diese wie auch deren Intention mit der Wanderung die private Obdachlosenhilfe in Gießen und vor allem auch die Hochwasseropfer in Ahrweiler zu unterstützen. Genau ein halbes Jahr nach der verheerenden Flutkatastrophe sollte so noch einmal darauf aufmerksam gemacht werden, denn nach wie vor geht der Neuaufbau nur schleppend voran und Hilfe ist an allen Orten dringend erforderlich. Mit mehreren Arbeitseinsätzen hatte sich hier im vergangenen Jahr bereits Daniel Mandler eingebracht und einer dreiköpfige Familie in der Altstadt von Ahrweiler bei Sanierung und Wiederaufbau ihres Hauses geholfen (wir berichteten). Der 41jährige fand nun in Karin Rühl eine Mitstreiterin und diese konnte sich auf der langen Wanderung auch über eine ganz besondere Begleiterin freuen. Zunächst geselltes sich in Edingen Simone Kremer aus Odenhausen/Lahn für eine rund 30 Kilometer lange Teiletappe mit Überquerung der Landesgrenze von Hessen nach Rheinland-Pfalz bis nach Rennerod zu den Benefizwanderern.

Aus dem Wanderquartett wurde jedoch schnell wieder ein Duo, denn Alexander Ellermann musste aufgrund einer Fußverletzung aufgeben. In Verscheid kam dafür mit Helena Rühl aus Niedernhausen die Tochter von Karin für 35 Kilometer dazu. Einzig und allein die Rheinfähre von Linz nach Kripp verschaffte einige Minuten Ruhepause für die stark strapazierten Füße. »Es geht langsam aber stetig voran«, hatte Karin Rühl nach 80 Kilometern - zur Tagesschauzeit - mit einem Gruß an alle diejenigen, »die auf der Couch die Wanderung verfolgen«, am Freitagabend über die sozialen Medien mitgeteilt. Mit der Benefizwanderung wollten sich Mandler und Rühl auch schon einmal auf ihre beiden in diesem Jahr noch anstehenden Extremwanderungen im Juni und Oktober vorbereiten. Vom 23. bis 25. Juni nehmen beide am Wanderevent Willingen-Diemelsee-Korbach über 150 Kilometer in 48 Stunden sowie am 8. und 9.Oktober beim Megamarsch in Frankfurt/Main über 100 Kilometer in 24 Stunden teil. An diesem will auch Helena Rühl mit ihrer Mutter an den Start gehen.

Während Daniel Mandler nach seiner Aufgabe kurz vor dem Ziel von Freunden im Auto nach Ahrweiler gefahren wurde, legte Karin Rühl die letzten Kilometer auf Schusters Rappen zurück. Allerdings verpasste sie den vorzeitigen Empfang eines Trompeters mit Chor für Daniel. Lediglich der Trompeter war noch vor Ort, als auch sie auf dem Marktplatz eintraf um nochmals das bekannte Bergmannlied »Glück auf, der Steiger kommt« ertönen zu lassen. »In Ahrweiler waren wir sehr ergriffen über das was wir noch wahrnehmen konnten. Dixi-Toiletten, Rattenfanghüllen, Bautrockner, überall Leute, die an ihren Häusern arbeiten«, schildert Rühl ihre Eindrücke.

Die Strapazen der Wanderung waren beiden anzumerken. »Persönlich mitgenommen hat mich in Neuenahr ein zertrümmerter Friedhof mit einem Lichtermeer«, so Rühl die nach 150 Kilometern und 42 Stunden und 27 Minuten mit einer ganz besonderen Bilanz aufwartete: »Immerhin Zeit für 80 Fotos, einen Glücks-Cent gefunden, Spikes verloren und im Wald haben Daniel und ich uns auch mal verloren«. Am Samstagabend war der Kontostand für die Benefizwanderung auf dem Konto DE12576500100098078199 des Verein Hoffnungswerk unter dem Verwendungszweck »Spendenwanderung 14.01.2022« auf 500 Euro angewachsen. Hier können noch weitere Spenden für die Flutopfer eingezahlt werden und für die Obdachlosenhilfe von »Markus und seine Freunde auf der Straße in Gießen« können Spenden beim Lagerverkauf Freilinger in der Marburger Straße in Gießen getätigt werden. Markus Machens war es auch, der seitens der Gruppe den beiden zu ihrer Wanderung und Durchhaltevermögen gratulierte.

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Bis kurz vor dem Ziel wanderten Karin Rühl und Daniel Mandler Seite an Seite. © Wißner
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So sehen Wanderstiefel nach 150 KIlometern am Stück aus. © Wißner

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