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Stromzähler werden digital

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Daniel Buß von den Stadtwerken zeigt einen »Smart Meter«. © Stadtwerke

Immer mehr erneuerbare Energien werden in das Stromnetz eingespeist. Dafür müssen die Zähler beim Endverbraucher auch smarter werden.

Kreis Gießen (ww). Immer mehr Haushalten im Kreis Gießen flattert ein Infoschreiben samt Faltblatt der Mittelhessen Netz in den Briefkasten. Ein moderner, von der Regierung verordneter digitaler Stromzähler ersetzt den alten. Der Anzeiger sprach kürzlich über den Umbau der Netzinfrastruktur am Ende der Leitung mit Vertretern der Stadtwerke Gießen (SWG) und der Mittelhessen Netz GmbH (MIT.N), die für den Einbau sorgt. Beide haben ihren Sitz in der Gießener Lahnstraße.

Bereits seit 2017 werden in Chargen die »alten« Ferraris-Zähler, benannt nach dem Erfinder, einem italienischen Ingenieur, in allen deutschen Haushalten gegen digitale moderne Messeinrichtungen getauscht. Wer selbst seine Strommenge abliest, der weiß, dass sich beim Ferraris-Zähler sichtbar eine Scheibe dreht, die wiederum eine analoge Anzeige antreibt. Die »moderne Messeinrichtung« zeigt dagegen den Verbrauch auf einem LCD-Display an. Besser ablesbar ist das allemal, aber smart ist der aktuell verbaute Verbrauchsmesser nicht wirklich.

In Stadt und Land werden vom grundzuständigen Messstellenbetreiber, der Mittelhessen Netz, etwa 100 000 Messstellen betrieben. Rund zehn Prozent dieser Messstellen bekommen eine aufgepeppte, intelligente Variante.

Ende 2032 soll der Austausch beider moderner Zählerarten, dem digitalen Stromzähler und dem Smart Meter, flächendeckend in der Republik vollzogen sein. Grundlage hierfür ist das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG), das im September 2016 in Kraft getreten ist und alle Messstellenbetreiber verpflichtet.

Moderater Aufpreis

Auf Otto-Normalverbraucher kommt mit dem Austausch jährlich ein Mehr an Grundkosten zu. 20 Euro, vier Euro mehr im Jahr, sind es für einen Normalhaushalt, der einen digitalen Stromzähler, keinen Smart Meter, bekommt, egal von wem er den Strom abnimmt. Der Austausch kostet nichts.

Der Mehrwert der modernen Messeinrichtung für Otto-Normal-Verbraucher ist überschaubar. Der tägliche, monatliche und jährliche Verbrauch kann abgerufen werden. Dafür ist das Licht einer Taschenlampe notwendig, das einem Sensor signalisiert, zwischen den Daten umzuschalten.

Vorstellbar wäre gewesen, dass Auslesen des Zählerstandes per Smartphone oder noch besser gleich die direkte Übermittlung der Daten an den Stromanbieter zum Stichtag zuzulassen. Doch das ist mit der »Karo-einfach«-Version nicht möglich. Erst in Verbindung mit einem Smart-Meter-Gateway (SMGW), einem Zusatzmodul, wird das ganze System clever. Erst damit können Daten zum und vom Kunden übermittelt werden.

Mit einem solche intelligenten Messsystem sind zeitliche Verbrauchsanalysen möglich. Zum Ablesestichtag können Werte automatisch und verschlüsselt an den Abrechner übermittelt werden.

Wer unbedingt den intelligenten Stromzähler haben möchte, aber unter 6000 Kilowattstunden jährlich abnimmt, kann diesen nur optional gegen Aufpreis bekommen. Die Kosten sind an den Verbrauchszahlen orientiert. Ein Beispiel aus dem Preisblatt der MIT.N: Wer 3001 bis 4000 Kilowattstunden abnimmt, zahlt 40 Euro brutto im Jahr. ???? KOSTEN Einbaukosten kommen hinzu.

Deutlich wird, dass der intelligente Stromzähler, das Smart Meter, auf Firmen zugeschnitten ist, im Besondern auf jene, die verschiedene Standorte nutzen. Sie sollen ihre Verbrauchswerte in Zukunft besser einschätzen können.

In der Lahnstraße wird im Gespräch mit den Vertretern der Stadtwerke und Mittelhessen Netz GmbH Unternehmen deutlich, dass sie die gesetzlichen Vorgaben planmäßig umsetzen. Zuschüsse vom Bund gibt es dafür nicht. Daher müssen sie die Kosten für den Umbau anteilig weitergeben.

Ab 6000 Kilowatt wird smart Pflicht

»Die magische Grenze sind 6000 Kilowattstunden im Jahr. Die Kunden mit diesem Stromverbrauch oder mehr erhalten einen Smart Meter«, betont Geschäftsführer Rüdiger Schwarz vom Messstellenbetreiber Mittelhessen Netz GmbH. Betreiber von Solaranlagen mit über 7000 Kilowatt Leistung sind ebenfalls verpflichtet, ihren Ferrariszähler gegen den intelligenten Typus tauschen zu lassen.

Letztlich bleibt die Frage, was bringt die Smart-Meter-Zukunft, dem Verbraucher, aber auch denjenigen, die mit dem Strom Geschäfte machen. Von flexiblen Stromtarifen ist die Rede, die in der Nacht geringer ausfallen könnten (last- oder zeitabhängig) als am Tage oder je nach Marktlage teurer und günstiger werden. Schon heute gibt es Nachttarife, aber dafür ist ein sogenannter Doppeltarifzähler notwendig.

»Wir setzen uns intensiv mit dem bestehenden und zukünftigen Marktumfeld auseinander und arbeiten ständig daran, unseren Kundinnen und Kunden auch in Zukunft attraktive und innovative Produkte und Lösungen anzubieten«, berichtet Ulli Boos, Unternehmenssprecher der Stadtwerke.

Wer denkt, dass die Stadtwerke zumindest über den Smart Meter mehr über ihre Kunden vor Ort erfahren, liegt falsch: »Wir wissen nicht, was bei unseren Kunden zu Hause passiert«, betont Daniel Buß, Abteilungsleiter Metering-Services bei den Stadtwerken. Und Rüdiger Schwarz vom Messstellenbetreiber MIT-N macht gleich deutlich: »Wir haben später diese Daten, aber die bekommt keiner, nicht einmal die SWG.«

Grundsätzlich unterliegt die Kommunikation der Smart Meter sehr hohen Sicherheitsstandards, damit aufgrund des Stromverbrauchs keine Rückschlüsse auf Nutzerprofile gezogen werden können.

Zukünftig soll es auch Schnittstellen zu den Stromverbrauchern im Haushalt geben. Hier heißt das Stichwort Smarthome. Es ist vorstellbar, dass Spülmaschinen zunächst beladen und erst dann per Impuls aktiviert werden, wenn der Strom billiger oder das Netz weniger belastet ist. Das ist aber noch Zukunftsmusik. Zunächst muss die Infrastruktur im Keller geschaffen werden.

Buß merkt zur Technik an, dass die bewährte Technik des Ferrariszählers natürlich über Jahrzehnte bewiesen hat, dass sie zuverlässig funktioniert. Gleichzeitig könne die neue Technik den Kunden perspektivisch neue Möglichkeiten bieten. Im Verlauf der kommenden Jahre sei zu erwarten, dass nach und nach entsprechende Angebote entwickelt werden und neue Anwendungen entstehen.

Fast ein Drittel installiert

Bis Ende 2021 wurden bereits rund 30 000 digitale Stromzähler im Versorgungsgebiet mit 100 000 Messstellen installiert, nennt der Abteilungsleiter Metering Services Zahlen. Mit dem Einbau der Smart Meter wird erst in diesem Jahr begonnen.

Der Anzeiger fragte beim Bundeswirtschaftsministerium unter anderem nach, warum es zukünftig smart beim Strom zugehen soll.

Die fluktuierende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien erfordere ein Kommunikationsnetz, das Erzeugung, Verbrauch und Stromnetz miteinander verknüpfe, hieß es dort. Denn das Stromnetz müsse zur Integration der Erneuerbaren stets ausreichend Kapazitäten zum Ausgleich bereithalten. Das gehe nur, wenn Erzeugungsanlagen und flexible Lasten (zum Beispiel Ladevorgänge bei E-Autos) sichere standardisierte Kommunikationsverbindungen nutzen könnten. Die Digitalisierung mittels Smart Meter sei somit als Kommunikations-Rückgrat für das dezentrale Energiesystem zu verstehen und gewährleiste Datenschutz und IT-Sicherheit.

Verbraucher erhielten Verbrauchsdaten, Netzbetreiber netzdienliche Informationen von dezentralen Erzeugern und flexiblen Verbrauchern (wie zum Beispiel Photovoltaik-Anlagen, Ladeeinrichtungen für Elektromobile oder Wärmepumpen).

Für den Einbau und Betrieb eines digitalen Stromzählers dürfe der Messstellenbetreiber maximal 20 Euro pro Jahr in Rechnung stellen (für Einbau, Betrieb, Wartung und Gewährleistung des Mess- und Eichrechts). Die Abrechnung erfolge in der Regel über die Stromrechnung. Zusätzliche Kosten entstehen bei Einbau eines Smart-Meter-Gateways (SMGW). Derzeit seien Letztverbraucher mit einem Stromverbrauch von mehr als 6000 kWh (ein durchschnittlicher Haushalt liegt bei rund 3500 kWh) zum Einbau eines Smart Meters verpflichtet.

Für die verpflichtenden Einbaufälle bei Smart Metern existierten ebenfalls Preisobergrenzen. Bei einem Haushalt mit einem Stromverbrauch zwischen 6000 und 10 000 kWh pro Jahr würden die Kosten für den Einbau und Betrieb des Smart Meters bei 100 Euro pro Jahr liegen. Die Preisobergrenze von 100 Euro pro Jahr umfasse auch die Kosten für den digitalen Stromzähler.

Anbieter eines zertifizierten Smart-Meter-Gateways seien derzeit fünf mittelständische Unternehmen. Die Produkte von fünf weiteren Anbietern würden sich im Zertifizierungsverfahren befinden.

Die reinen digitalen Stromzähler würden von einer größeren Anzahl an Unternehmen hergestellt. Diese müssten eine Schnittstelle zum SMGW bereitstellen.

Das Smart Meter ermögliche eine Zwei-Wege-Kommunikation. Der Verbindungsaufbau müsse dabei zwingend durch das SMGW erfolgen. Dies schützt unter anderem Integrität und Vertraulichkeit der Kundendaten. Bislang würden die eingesetzten Systeme vorrangig zum Abruf von Messwerten eingesetzt. Gerade bei größeren Liegenschaften sei es möglich und sinnvoll, mehrere moderne Messeinrichtungen über ein einziges Smart-Meter-Gateway anzubinden.

Smart Meter ermöglichen die Einbindung in diverse Kommunikationsnetze. Aktuell würden überwiegend öffentliche Mobilfunknetze genutzt. Es gebe auch Power-LAN-Lösungen. Mittelfristig soll die Kommunikation über ein eigenes, schwarzfallfestes Funknetz (450 MHz-Frequenzen) laufen. Dieses werde aktuell durch ein Konsortium der Energiewirtschaft bundesweit ausgebaut. Schwarzfall ist der Totalausfall der Stromzufuhr.

Wie kommt der Strom zum Nutzer? Zunächst wird der Strom von den Energieversorgern wie den Stadtwerken Gießen auf Börsen vorab eingekauft. Per Überlandleitungen des Übertragungsbetreibers Tennet wird der erzeugte Strom in die regionalen Netze transportiert, in eigenen Umspannwerken auf die lokale Netzebene heruntertransformiert und in die Ortsnetze eingespeist. Für die Messtechnik im heimischen Raum, die Zähler, ist die Mittelhessen Netz GmbH zuständig. Wer als auswärtiger Energielieferant in den örtlichen Netzen Strom anbieten will, muss für die Durchleitung eine Art Maut, das sogenannte Netznutzungsentgelt, an die Mittelhessen Netz GmbH zahlen. (ww)

Der Anzeiger fragte beim Bundeswirtschaftsministerium unter anderem nach, warum es beim Strom zukünftig »smart« zugehen soll.

Die fluktuierende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien erfordere ein Kommunikationsnetz, das Erzeugung, Verbrauch und Stromnetz miteinander verknüpfe, hieß es dort. Denn das Stromnetz müsse zur Integration der erneuerbaren Energien stets ausreichend Kapazitäten zum Ausgleich bereithalten. Das gehe nur, wenn Erzeugungsanlagen und flexible Lasten (zum Beispiel Ladevorgänge bei E-Autos) sichere standardisierte Kommunikationsverbindungen nutzen könnten. Die Digitalisierung mittels »Smart Meter« sei somit als Kommunikations-Rückgrat für das dezentrale Energiesystem zu verstehen und gewährleiste Datenschutz und IT-Sicherheit.

Verbraucher erhielten Verbrauchsdaten, Netzbetreiber netzdienliche Informationen von dezentralen Erzeugern und flexiblen Verbrauchern (wie zum Beispiel Fotovoltaikanlagen, Ladeeinrichtungen für Elektromobile oder Wärmepumpen).

Für den Einbau und Betrieb eines digitalen Stromzählers dürfe der Messstellenbetreiber maximal 20 Euro pro Jahr in Rechnung stellen (für Einbau, Betrieb, Wartung und Gewährleistung des Mess- und Eichrechts). Die Abrechnung laufe in der Regel über die Stromrechnung. Zusätzliche Kosten entstehen bei Einbau eines »Smart-Meter-Gateways« (SMGW). Derzeit seien Letztverbraucher mit einem Stromverbrauch von mehr als 6000 Kilowattstunden (kWh, ein durchschnittlicher Haushalt liegt bei rund 3500 kWh) zum Einbau eines »Smart Meters« verpflichtet.

Für den verpflichtenden Einbau bei »Smart Metern« existierten ebenfalls Preisobergrenzen. Bei einem Haushalt mit einem Stromverbrauch zwischen 6000 und 10 000 kWh pro Jahr würden die Kosten für den Einbau und Betrieb bei 100 Euro pro Jahr liegen. Diese Preisobergrenze umfasse auch die Kosten für den digitalen Stromzähler. Derzeit gibt es laut Bundeswirtschaftsministerium fünf mittelständische Unternehmen, die zertifizierte »Smart-Meter-Gateways« anbieten. Die Produkte von fünf weiteren Anbietern befänden sich im Zertifizierungsverfahren.

Die reinen digitalen Stromzähler würden von einer größeren Anzahl an Unternehmen hergestellt. Diese müssten eine Schnittstelle zum SMGW bereitstellen.

Das »Smart Meter« ermögliche eine Zwei-Wege-Kommunikation. Der Verbindungsaufbau müsse dabei zwingend durch das SMGW erfolgen. Dies schützt unter anderem Integrität und Vertraulichkeit der Kundendaten. Bislang würden die eingesetzten Systeme vorrangig zum Abruf von Messwerten eingesetzt. Gerade bei größeren Liegenschaften sei es möglich und sinnvoll, mehrere moderne Messeinrichtungen über ein einziges »Smart-Meter-Gateway« anzubinden.

»Smart Meter« ermöglichen die Einbindung in diverse Kommunikationsnetze. Aktuell würden überwiegend öffentliche Mobilfunknetze genutzt. Es gebe auch Power-LAN-Lösungen. Mittelfristig soll die Kommunikation über ein eigenes, schwarzfallfestes Funknetz (450 MHz-Frequenzen) laufen. Dieses werde durch ein Konsortium der Energiewirtschaft bundesweit ausgebaut. Schwarzfall ist der Totalausfall der Stromzufuhr. (ww)

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