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Tatort Lang-Göns: Wieder Geldautomat gesprengt

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Mit Festsprengstoff wurde der Geldautomat zur Explosion gebracht. © Wißner

Unbekannte haben den Geldautomaten der Volksbank Mittelhessen bei den Einkaufsmärkten in der Straße »Am Lindenbaum« in Lang-Göns in die Luft gesprengt.

Kreis Gießen. Unbekannte haben am Mittwoch gegen 2.35 Uhr in der Straße »Am Lindenbaum« in Lang-Göns einen Geldautomaten der Volksbank Mittelhessen gesprengt. Dabei entstand nach Angaben von Polizeipressesprecher Jörg Reinemer ein Sachschaden von »mindestens 50 000 Euro«. Ein niedriger fünfstelliger Betrag wurde erbeutet. Genauere Angaben wollte Reinemer nicht machen. Ein Obdachloser, der beim benachbarten Aldi-Markt schlief, wurde nicht verletzt. Seit März 2021 hat es im Landkreis Gießen eine ganze Reihe von Sprengungen und Sprengversuchen gegeben. Allein fünf erfolgreiche und eine versuchte Sprengung gab es seit 1. November. Die Sparkasse Gießen hat deshalb eine nächtliche Zugangssperre zu den Geldautomaten eingeführt, bei der Sparkasse Laubach-Hungen wird diese Maßnahme bald umgesetzt.

Im aktuellen Fall hatten Zeugen der Polizei gegen 2.35 Uhr einen lauten Knall gemeldet. Die Täter hatten den Automaten mit Festsprengstoff zur Explosion gebracht. Durch die enorme Wucht wurden der Geldautomat und auch das Gebäude beschädigt. Teile des Automaten flogen mehrere Meter weit.

Hinweise zur Anzahl der Täter und dem genutzten Fluchtfahrzeug lagen der Polizei gestern Nachmittag noch nicht vor. Der Geldautomat steht auf einem Parkplatz in einem Gewerbegebiet direkt an der Zufahrt zur B485/B3.

»Betroffen und wütend zugleich«

»Die zunehmende Rücksichtslosigkeit der Täter macht uns betroffen und wütend zugleich«, erklärte Vorstandssprecher Dr. Peter Hanker in einer Mitteilung. »Die Täter schrecken nicht davor zurück, bei den Angriffen statt Gas noch gefährlicheren Sprengstoff einzusetzen. Dass die durch die Explosionen umherfliegenden Trümmer für Anwohner und Passanten lebensgefährlich sind, wird billigend in Kauf genommen. Der Sachschaden ist immens und übersteigt bei Weitem den Betrag, der sich in dem Automaten befindet. Im Fall der Sprengung in Langgöns sind wir sehr froh, dass offensichtlich kein Dritter Schaden genommen hat.«

Hanker erinnerte an die gescheiterten Sprengversuche wie im Lückebachtal in Großen-Linden im September 2021. Auch hier blieb vom SB-Pavillon nicht viel übrig. Doch die Geldkassetten seien alle unversehrt geblieben. »Der Geldautomat stand auf dem Gelände einer Tankstelle. Dies führt deutlich vor Augen, welches Risiko die Täter inzwischen in Kauf nehmen«, so Hanker.

Seit den ersten Angriffen auf Geldautomaten der Volksbank Mittelhessen sei erheblich in Sicherheitssysteme investiert worden. Technische Maßnahmen sollen Explosionen verhindern. Zwar werde das Gerät beim Versuch, eine Explosion herbeizuführen, in der Regel beschädigt, aber die Geldkassetten würden nicht freigegeben. Darüberhinaus habe es bei zahlreichen gefährdeten Standorten auch bauliche Vorkehrungen gegeben, berichtete der Vorstandssprecher.

Die Sparkasse Oberhessen, die im Vogelsberg- und im Wetteraukreis aktiv ist, hat kürzlich mitgeteilt, dass an allen Standorten »bis auf Weiteres« der Zugang zu den Geldautomaten und Selbstbedienungsbereichen zwischen 0 und 5 Uhr nicht möglich sind. Volksbank-Pressesprecher Dennis Vollmer wollte auf Anfrage nicht ausschließen, dass an einzelnen Standorten und vorübergehend solche Maßnahmen ergriffen werden. »Überlegungen, die sich auf alle 150 Geldautomaten der Bank beziehen, gibt es nicht«, betonte er.

Die Sparkasse Gießen hat diesen Schritt bereits zum 7. Dezember in allen Filialen und SB-Filialen vollzogen, erklärte Martina Böcher von der Unternehmenskommunikation. Das Geldinstitut war im November und Dezember gleich dreimal von Sprengungen betroffen: in Großen-Buseck, Steinbach und Lang-Göns. Dazu gab es zwei Versuche auf die SB-Filiale in Alten-Buseck. Bei der ersten Tat im Sommer waren zwei Männer verhaftet und Anfang Januar zu je 18 Monaten Haft verurteilt worden.

Geldautomaten außer Betrieb

Böcher teilte mit, dass außerdem aus Sicherheitsgründen einzelne Geldautomaten außer Betrieb genommen wurden, um das Risiko weiterer Sprengungen zu reduzieren und Personenschäden zu verhindern. Dieser Zustand gelte bis auf Weiteres. Außerdem überwachen Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes die Standorte. Zudem arbeite man »mit Hochdruck« an der Umsetzung weiterer präventiver Maßnahmen. Details wollte Böcher aus Sicherheitsgründen nicht nennen.

Wie sieht es mit der Sanierung der Filialen in Großen-Buseck, Steinbach und Lang-Göns aus? In allen drei Fällen sei erheblicher Sachschaden entstanden - sowohl im Foyer als auch in den Filialen selbst. Der Wiederaufbau werde aktuell geplant. »Buseck und Fernwald müssen grundsaniert werden. Lang-Göns wurde provisorisch so hergerichtet, dass aktuell wieder Service und Beratungen möglich sind. Dennoch stehen auch dort Renovierungsarbeiten an«, erläuterte die Unternehmenssprecherin.

Finanziell am stärksten gebeutelt wurde die Sparkasse Laubach-Hungen. In der Hungener Filiale in der Obertorstraße begann der »Spreng-Boom« im März 2021. Die jüngste Sprengung in der gleichen Filiale Mitte Januar hat nach Schätzung der Polizei einen Schaden von mindestens 600 000 Euro nach sich gezogen. Darin sind nicht die Kosten enthalten, die die Reparaturarbeiten an Nachbarhäusern nach sich ziehen werden. Welche Summe konkret für die Sparkasse zu Buche schlägt, wird nach Angaben der Sicherheitsbeauftragten Alexandra Kion derzeit ermittelt. Im März 2021 war ein Schaden von 156 000 Euro entstanden. Die Kundenhalle sei damals durch die Gasexplosion kaum in Mitleidenschaft gezogen worden.

Vertreter der Sparkasse hätten sich mit einem Experten für Banksprengungen beim Landeskriminalamt getroffen und Präventionsmaßnahmen besprochen. Details wollte Kion noch nicht nennen. Umgesetzt wird bereits, dass die SB-Bereiche in allen Geschäftsstellen voraussichtlich zwischen 23 und 5 Uhr geschlossen sind.

Wie ist die aktuelle Situation in Hungen? »Das Gebäude wurde innerhalb von zwei Tagen mit einer Außenhülle gesichert. Die Gutachter waren bereits vor Ort. Die Kernsanierung und der Wiederaufbau werden zeitnah beginnen«, berichtete die Sicherheitsbeauftragte.

Seit Dienstag gibt es eine mobile Geschäftsstelle mit zwei Mitarbeitern auf dem Parkplatz auf der Rückseite der Filiale. Bargeldein- und -auszahlungen seien momentan nicht möglich, man arbeite »mit Hochdruck« an einer Lösung. Die mobile Geschäftstelle ist laut Kion Kameraüberwacht und an das Alarmsystem angeschlossen. Andere Kundenberater der Geschäftsstelle Hungen arbeiten derzeit in Villingen und Laubach.

Keine Angaben zur Bestückung

Keiner der drei Banksprecher wollte die Frage beantworten, mit welchen Summen Geldautomaten im Durchschnitt bestückt sind und wie oft sie mit Bargeld beliefert werden.

Hinweise zur jüngsten Automatensprengung in Lang-Göns und allen anderen Fällen erbittet die Kriminalpolizei in Gießen unter 0641/7006-2555.

Die Anzahl von Geldautomaten-Sprengungen in Hessen ist laut Innenministerium 2021 im Vergleich zum Vorjahr um rund 50 Prozent gestiegen. 56 Taten wurden registriert. Die Diebstahlsumme liegt bei rund 2,75 Millionen Euro. Hinzu kommen Sachschäden von mehr als 2,5 Millionen Euro.

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