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Taucher jetzt gefragt

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Die Sonarauswertungen der Tauchdrohne werden genau inspiziert und Verdachtsstellen gekennzeichnet. © Wißner

Die Suche nach Leichenteilen im Sachsensee fördert zunächst nur Verdachtsstellen zutage. Jetzt müssen Taucher nachsehen.

Kreis Gießen . Fortgesetzt wurde am Dienstag die Suche nach den Leichenteilen des seit 2016 vermissten und aus Hanau stammenden Daniel Matysik im Sachsensee bei Bellersheim. Direkt Verwertbares kam dabei nicht heraus. Allerdig werden in den nächsten Wochen Taucher den Hinweisen aus den Protokollen der Tauchdrohnen nachgehen.

Das im Volksmund auch Barbarsee genannte 0,3 Quadratkilometer große und bis zu 20 Meter tiefe Gewässer wurde nochmals von Spezialisten der Bundeswehr sowie der Wasserschutz- und einer technischen Einheit der Bereitschaftspolizei mithilfe modernster Gerätschaften (der Anzeiger berichtete) untersucht. Ein Dutzend Kräfte waren nach einem ersten Einsatz am Montag fünf Stunden bis zum frühen Nachmittag unterwegs.

Das Gießener Landgericht hatte kürzlich in einem Beschluss die Absuche des Sees angeordnet. Die Durchführung der Aktion wurde durch die bereits mit den Ermittlungen betraute Gießener Kriminalpolizei übernommen. Und diese riefen die Spezialisten der Seesoldaten vom Seebataillon in Eckernförde zu Hilfe.

Marine im Einsatz

Zwei Marinesoldaten waren mit einem autonomen Unterwasserfahrzeug (AUV) zum Sachsensee gekommen, mit dem der komplette See innerhalb von 105 Minuten abscannt wurde. Zweimal wurde diese Suchfahrt durchgeführt und dabei Datenmaterial in einer Größenordnung von 500 MB auf der internen Festplatte abgespeichert, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei. Diese Sonar-Rohdaten wurden nach erfolgreichem Tauchgang dann durch die Seesoldaten vor Ort ausgelesen und analysiert. Das AUV erstellt Sonarbilder, die ausgewertet werden.

Der Anzeiger sprach am Rande des Einsatzes mit den Marinesoldaten. Sie werden einbis zweimal im Jahr um Mithife bei Leichensuchen in größeren Gewässern gebeten. Vielen Polizeibehörden sei diese Möglichkeit der Amtshilfe gar nicht bekannt. Üblicherweise komme der AUV bei der Suche nach Minen, Bomben und Schiffswracks zum Einsatz.

Der Kontakt zur heimischen Polizei beruht auf einem gemeinsamen Einsatz beim G20-Gipfel in Hamburg.

Den Auswertungen war direkt ein großer Bestand an Fischen und zahlreiche Baumstämme im See zu entnehmen. Nun werde im Detail noch nach solchen Sonarkontakten gefahndet, die einer genaueren Untersuchung unterzogen werden sollen. Diese müsse dann althergebracht durch Taucher erfolgen, denn nur diese könnten Gegenstände identifizieren.

Viel Zeit gespart

Mit dem Vorabeinsatz des AUV habe wertvolle Zeit gespart werden können, denn nach Schätzung der Seesoldaten würden Taucher zwei bis drei Wochen für eine Komplettabsuchung des Sees benötigen.

Polizeipressesprecherin Sabine Richter sprach nach der erfolgreichen Suchaktion von rund einem Dutzend solcher Sonarkontakte, die dann durch die Tauchergruppe der Hessischen Bereitschaftspolizei in Augenschein genommen werden müssen. Die ebenfalls zur Hessischen Bereitschaftspolizei zählende Wasserschutzpolizei beteiligte sich an der gestrigen Suchaktion mit ihrem Mehrzweckboot Typ C, einem sogenannten »Rib«, an der Suche. Auch ein Tauchroboter mit Echolot eines privaten Unternehmens kam zum Einsatz, um an jenen vorab festgestellten Suchstellen nochmals genauer nachzuschauen. Wie Richter erläuterte, handele es sich hierbei etwa um Stellen, an denen abgerundete Steinplatten Schatten warfen. »Im Nachgang der zweitägigen Suchaktion werden wir uns nun nochmals die ausgewerteten Daten anschauen. Bei etwa einem Dutzend Ungereimtheiten könnte dort etwas sein. Dies müssten dann die Taucher erkunden«, so Richter zum Abschluss.

Ausgefallen

Die Fortsetzungsverhandlung zum Hungener Mordprozess entfiel am Dienstag, weil ein Schöffe erkrankt war.

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Einsatz am Sachsensee beendet, jetzt müssen Taucher weitersuchen. © Thomas Wißner

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