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Tia dreht am Rad

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Von: Debra Wisker

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Tia und die Grundschüler sind ein eingespieltes Team. Fotos: Wisker © Wisker

Eine Schulhündin hilft Kindern in Lollar beim Rechnen.

Lollar . Was hat vier Beine und gibt die Rechenaufgabe vor? Die richtige Antwort lautet: Tia. Die zweijährige Hundedame ist zweimal in der Woche mit ihrem Frauchen Anna Maria Krusch an der Bunten Schule in Lollar. Krusch ist Lehrerin an der Grundschule, unterrichtet die Klasse 2c.

Seit Tia geboren ist, begleitet sie den Unterricht und gibt in der Tat auch schon mal die Aufgaben vor. Dabei hilft ihr ein Rad - ähnlich einem Glücksrad - und stets eines der Kinder. Die Schüler geben das Kommando, Tia dreht und schon ist klar, worüber man sich den Kopf zerbrechen darf: Addiere 7 + 5. Und während für die Mädchen und Jungen nun sozusagen die Arbeit beginnt, wird die Australian Shepherd-Hündin mit einem Leckerli belohnt und darf sich ausruhen. Apropos Ruhe: Es geht im Klassenzimmer auffallend leise zu. Als es ein wenig lauter wird, mahnt einer der Schüler das an. Auch das ist Tia geschuldet. Die Kinder wissen, dass eine zu große Lautstärke die Hundedame stören würde. Also nehmen sie Rücksicht.

Training

Tia begleitet die Kinder seit der ersten Klasse. Zuvor hat Anna Maria mit ihr ein Therapie-Begleithund-Training absolviert. Ihren Namen hat sie übrigens einem Filmklassiker zu verdanken. »Als sie klein war, sah der schwarze Punkt um ihr Auge aus wie eine Augenklappe. Deshalb heißt sie Tia, wie die Piratin aus ›Fluch der Karibik‹«, verrät Krusch. Die Kinder hätten mittlerweile gelernt, was sie tun müssten, damit die Hundedame folgt. Das Kind, das den Befehl zum Drehen am Rad gibt, hat auch jeweils den Futterbeutel, um Tia für ihre Mitarbeit mit einem Leckerli zu belohnen. Etwa zehn bis 15 Minuten ist sie pro Stunde maximal im Einsatz, dann braucht sie ein wenig Ruhe, sonst fehlt die Konzentration. Das, was heute für die Schülerinnen und Schüler so selbstverständlich ist, ist nicht vom Himmel gefallen. Anna Maria Krusch hat ihre Schüler vorbereitet, sie über den Umgang mit dem Vierbeiner aufgeklärt.

»Ein Junge hatte anfangs Angst vor Hunden. das ist jetzt nicht mehr so«, freut sie sich. Zunächst sei Tia nur an der Leine in die Klasse gekommen. Wer wollte, durfte sie streicheln. Doch bevor die Hündin überhaupt ihren ersten Auftritt hatte, galt es, einige Regeln zu klären. An einem Stoffhund habe sie erklärt, wo man einen Hund streicheln darf, blickt die Grundschullehrerin zurück.

Immer nur ein Kind darf ihr die geliebten Streicheleinheiten geben. Nicht rennen lautet eine weitere Regel. Dann denkt Tia nämlich, es ist Zeit zum Spielen und Toben. Und da sie sehr empfindliche Ohren hat, ist es für die Schüler selbstverständlich, sich leise zu verhalten, wenn sie im Raum ist. Nicht alles, was dem Menschen schmeckt, ist bekömmlich für einen Hund. Daher gibt es auch kein Häppchen vom Pausenbrot. All diese Regeln hängen auch an der Tür im Klassenzimmer - so vergisst sie niemand.

Im Unterrichtsraum der 2c hat Tia ihr Körbchen. Wenn sie drin liegt, wissen die Kinder, dass sie ihre Ruhe haben will - auch das wird respektiert. Auf dem Schulhof wisse sie oft nicht, wo sie hinschauen solle, weil so viele Kinder nach ihr riefen oder sie streicheln wollten, schmunzelt Tias Frauchen. Zur Entspannung gibt es daher in der Pause einen kleinen Gang zur Lumda, bevor es zurück ins Klassenzimmer geht. Schließlich müssen die Mädchen und Jungen ja wissen, welche Zahlen sie addieren sollen. Und wie sollte das ohne Tia und ihr Rad gehen?

Um als Schulhund eingesetzt zu werden, brauche man ein Tier, das Stress gut ab könne und offen gegenüber Menschen und vor allem auch gegenüber Kindern sei, erklärt Krusch. Und fügt an: »Es kommt auf den Charakter des Hundes an, nicht auf seine Rasse.«

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Anna Maria Krusch Tias Frauchen © Debra Wisker

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