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Tieroase nimmt Katzen aus der Ukraine auf

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Viele Katzen sind von den Folgen des Krieges in der Ukraine traumatisiert. Dennoch erwacht nach Wochen der Pflege, wie hier bei den Jungkatzen von der Pflegestelle in Lang-Göns, ein neuer Lebensmut. Foto: Menges © Menges

Wenn Flüchtlinge aus der Ukraine die mitgebrachten Katzen nicht behalten können, nimmt die Tieroase Heuchelheim sie auf und versucht, sie zu vermitteln.

Heuchelheim. (lth). Wenn es um Tierschutz geht, ist Ilse Toth aus Heuchelheim für viele die erste Anlaufstation. Seit 1978 engagiert sie sich in diesem Bereich. Sie war über 20 Jahre Vorsitzende des Tierschutzvereins Gießen und hat 2005 zusammen mit ihrer Freundin Manina Reitz die Tieroase Heuchelheim ins Leben gerufen. Aktuell hat Toth in ihrer Pflegestelle vier Katzen aus dem Kriegsgebiet der Ukraine aufgenommen, um die traumatisierten Tiere wieder aufzupäppeln und weiter zu vermitteln. Die Katzen hatten das Glück, mit ihren Menschen aus dem Kriegsgebiet zu flüchten.

Der unermüdliche Einsatz für Tiere ist die Passion der Heuchelheimerin. Das wird im Gespräch mit dem Anzeiger bei fast jeder ihrer Silben deutlich. »Nachdem ich mich aus dem Gießener Tierschutzverein zurückgezogen hatte, merkte ich schnell, dass mir etwas fehlt. Ich konnte meinen Tagesablauf überhaupt nicht mehr regeln. Also gründete ich zusammen mit einer Freundin die Tieroase«, blickt Toth zurück.

Die Aufnahme von Tieren war anfangs eigentlich nur im kleinen Rahmen geplant, doch wer Ilse Toth kennt, der weiß, dass es dabei selbstverständlich nicht bleiben würde. »Viele Leute kannten mich und kamen immer wieder auf mich zu.« So gehören zur Tieroase heute neben der Pflegestelle von Toth noch 13 weitere private Pflegestellen in einem Gebiet von Langgöns bis Marburg und eine im Vogelsbergkreis. Alle nehmen Tiere bei sich auf und bieten ihnen bis zur Vermittlung ein vorübergehendes Zuhause.

Wie kam es jetzt zur Vermittilung von Tieren aus der Ukraine? Der Kontakt entstand dabei eher durch Zufall, wie Toth erklärt. »Meine Enkeltochter hat ein Friesenpferd und es gibt Kontakt zu einem Friesengestüt im Vogelsberg. Die Betreiber des Gestüts haben Ukrainer bei sich aufgenommen, die sich sehr für den Tierschutz in ihrer Heimat einsetzen und auch noch Kontakt zu Tierschützern vor Ort haben.« Geflüchtete Ukrainer halten Kontakt zueinander. Familien, die ihre Tiere mit auf die Flucht nehmen konnten, fanden Hilfe im Vogelsberg. »So entstand der Kontakt zur Tieroase und wir konnten in bescheidenem Rahmen helfen. Die Menschen auf der Flucht setzen ihre Leben aufs Spiel und vergessen trotz all des Elends nicht, ihre Tiere mit auf die oft schwierige und gefährliche Reise zu nehmen. Das kann man ihnen gar nicht hoch genug anrechnen«, würdigt die Heuchelheimerin diese Menschen. Deshalb musste sie auch nicht lange überlegen und nahm direkt vier Katzen bei sich auf.

Bestimmungen und Regelungen in Deutschland sind streng. So kommen alle Katzen für 21 Tage in Quarantäne, ehe sie entweder ihren Familien zurückgegeben werden oder aber - wenn dies nicht möglich ist - in ein neues Zuhause vermittelt werden.

Ebenfalls traumatisiert

Wie die Menschen sind auch die Tiere traumatisiert. Ein bisschen helfen zu können, um auch den Besitzern Achtung zu zeigen, sei Menschenpflicht, findet die Heuchelheimerin. »Der Geruch, der im Fell steckt, zeigt mir, was Krieg, Bomben und Feuer bedeuten. Drei Katzen rochen wie ein alter Kohleofen, nach Dreck, Rauch und Staub. Was Menschen und Tiere erleben, können wir uns gar nicht vorstellen. Tiere verstehen nicht, was im Kriegsgebiet passiert. Sie sind wie kleine Kinder.« Kleine Veränderungen im Verhalten machen Ilse Toth Hoffnung. So blühe eine ihrer Pflegekatzen so langsam auf.

»Viele Tierschutzorganisationen helfen und nehmen Fluchttiere auf. Wir hoffen, dass die Familien eine Unterkunft finden, um ihre Tiere wieder bei sich zu haben. Das ist nicht immer möglich, denn viele der Geflüchteten bleiben nicht in Deutschland. Nur eines ist für viele klar: Ein Zurück in die Heimat wird es nicht geben. Für mich persönlich ist die Hilfe für die Tiere auch eine Hilfe für die Menschen. Sie wissen ihre Lieblinge in Sicherheit und das gibt ein bisschen Glück in all dem Elend«, erklärt Toth.

Interessenten können sich melden

Nachdem die Katzen mittlerweile ihre vorgeschriebene 21-tägige Quarantäne hinter sich gebracht haben, können sie nun vermittelt werden. Eine Katze, die sich in der Obhut von Toth befunden hat, hat bereits ein neues Zuhause gefunden. »Die Interessenten müssen natürlich verständnisvoll mit den Tieren umgehen. Bei der kleinen aktiven Katze, die ich pflege, würde ich mir schon wünschen, dass sie in einer Familie mit Kindern ein neues Zuhause findet«, erzählt sie. Interessenten, die sich vorstellen können, einer Katze aus der Ukraine ein neues Heim zu bieten, können sich bei Ilse Toth unter 0641/65960, 0178/2189491 oder per E-Mail an iluja@gmx.de melden.

Auch wenn es mit großem Aufwand verbunden ist, will die Heuchelheimerin auch in der nächsten Wochen und Monaten bei Bedarf, wenn Familien Hilfe für ihre Tiere suchen, Katzen aus dem Kriegsgebiet bei sich aufnehmen und ihnen Schutz und Geborgenheit geben, denn der Tierschutz ist für sie ein Lebenselixier.

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In dieser großen Außenvoliere, die ein echtes Paradies für die Stubentiger ist, sind bei Ilse Toth derzeit noch drei Katzen aus der Ukraine untergebracht. Foto: Theis © Theis

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