Tödlicher Messerstich in Krofdorf-Gleiberg war wohl Notwehr

  • schließen

WETTENBERG - (jem). Die Gießener Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen nach einer tödlichen Messerattacke im August 2020 am Gleiberghang eingestellt. Das bestätigte nun auf Anfrage Thomas Hauburger, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Zwar konnte im Laufe der Ermittlungen "zweifelsfrei festgestellt werden, dass der Messerstich in die Brust zum Tode des Wettenbergers führte".

Eine Notwehrsituation seitens des Beschuldigten könne aber nicht ausgeschlossen werden, wie Hauburger betonte. Die Entscheidung über die Einstellung des Verfahrens ist bereits Anfang April gefallen.

"Massive Attacken"

Der Fall in Krofdorf-Gleiberg erhielt im Sommer 2020 bundesweite Aufmerksamkeit. Ein 69-jähriger Mann aus dem Vogelsberg ließ nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei am Nachmittag des 29. August auf einer Wiese unterhalb der Burg Gleiberg eine Drohne steigen. Davon fühlten sich das spätere Opfer, ein 55-jähriger Mann, und sein 62-jähriger Begleiter - beide aus Wettenberg - gestört, da wegen des Drohnenfluges Pferde auf einer nahe gelegenen Koppel aufgescheucht werden könnten. Die beiden Männer waren in der Nähe mit Restaurierungsarbeiten an einem historischen Brunnenhäuschen beschäftigt und sprachen den Vogelsberger - einen ehemaligen Polizisten - darauf an.

Laut Ermittlungen soll es in der Folge zum Streit und daraufhin schnell zu einer körperlichen Auseinandersetzung mit wechselseitigen Schlägen und Tritten gekommen sein. Vor allem vom Geschädigten, aber auch seinem Begleiter, sollen laut Hauburger "massive körperliche Attacken" gegen den Vogelsberger ausgeübt worden sein. Um sich zu wehren, habe der Drohnenpilot mit einem Messer dem 55-Jährigen einmal in den Brustbereich gestochen.

Schnell herbeigerufene Rettungskräfte brachten den Wettenberger daraufhin in die Gießener Uniklinik, wo er aber trotz Notoperation in der Nacht zum Sonntag seiner Verletzung erlag.

Der Beschuldigte gab an, er habe sich lediglich verteidigt. Schon damals konnten Polizei und Staatsanwaltschaft eine Notwehrsituation nicht ausschließen - und entließen den Vogelsberger nach seiner Festnahme alsbald wieder aus dem Gewahrsam.

Bereits am Tag nach der tödlichen Messerattacke suchten Polizeibeamte auf der Wiese neben der Pferdekoppel nach der Tatwaffe. Diese konnte im Laufe der Ermittlungen aber nicht gefunden werden. Die beiden Wettenberger und der Vogelsberger - allesamt deutsche Staatsangehörige - kannten sich nach Angaben von Hauburger nicht. Eine Vorgeschichte sei damit ausgeschlossen.

Keine leichte Entscheidung

Der Staatsanwalt betonte, dass er sich die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Die monatelangen Ermittlungen und etliche Zeugenaussagen sowie Gutachten können jedoch die Notwehrsituation nicht ausschließen, womit der Beschuldigte nicht rechtswidrig gehandelt habe.

Die Angehörigen des Opfers haben nur die Möglichkeit, gegen die Entscheidung Beschwerde einzulegen, um diese nochmals überprüfen zu lassen. Sollte die Beschwerde von der Staatsanwaltschaft Gießen zugelassen werden, so wird der Fall zur weiteren Behandlung an die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt weitergeleitet.

Das könnte Sie auch interessieren