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Tour der Hoffnung: Kostendebatte um Zwischenstopp in Steinbach

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Von: Eva Pfeiffer

FERNWALD - (ebp). 2,38 Millionen Euro sind bei der diesjährigen "Tour der Hoffnung" zusammengekommen - ein neuer Rekord. Seit 25 Jahren macht die Benefiztour zur Unterstützung krebs- und leukämiekranker Kinder auch Halt in der Gemeinde Fernwald. So auch in diesem Jahr. Der kurze Stopp vor dem Rathaus sorgte im Nachgang allerdings für Ärger, als der Grünen-Fraktionsvorsitzende Bernd Voigt sich in der Gemeindevertretung nach den Kosten erkundigte, die der Kommune durch den Halt entstanden sind (der Anzeiger berichtete).

Hintergrund war, dass die Gemeinde Fernwald nach wie vor keinen genehmigten Haushalt hat und laut Hessischer Gemeindeordnung nur die Leistungen erbringen darf, zu denen sie rechtlich verpflichtet ist. Von vielen Bürgern sei diese Anfrage "mit Unverständnis aufgenommen worden", sagte Dr. Robert Horn, Vorsitzender der Gemeindevertretung, nun bei einem Pressegespräch, zu dem SPD, Freie Wähler (FW), CDU und FDP gemeinsam geladen hatten.

In den vergangenen Jahren hatte die Tour auf dem Rewe-Parkplatz in Steinbach Halt gemacht; diesmal war das nicht möglich. Da in der Gemeinde aber bereits rund 10 000 Euro an Spenden gesammelt worden waren, die offiziell übergeben werden sollten, sei mit der Tourleitung kurzerhand der Halt am Rathaus vereinbart worden, erklärte SPD-Fraktionsvorsitzender Gerd Espanion, und betonte: "Der Stopp war sehr minimalistisch gehalten." Getränke und Obst habe die Ratsstube Edelweiß gespendet, Mitarbeiter des Bauhofs der Gemeinde hätten die Bänke aufgestellt. Die durch Voigt angestoßene Kostendebatte sei "verfehlt" und gehöre nicht ins politische Tagesgeschäft, kritisierte Horn.

Man wolle gemeinsam ein klares und positives Zeichen für die "Tour der Hoffnung" setzen, so Stefan Becker (FW). Um das zu unterstreichen, haben SPD, FW, CDU und FDP die Spendensumme gemeinsam um weitere 500 Euro aufgestockt. "Viele Fernwalder sind gerne Gastgeber und unterstützen die Tour. Es macht uns stolz, dass bei uns Station gemacht wird", sagte Becker.

Matthias Klose (CDU) hat in der Vergangenheit auch selbst bei der Benefizradtour in die Pedale getreten und dabei auch mit erkrankten Kindern vor einer Klinik in Dresden gesprochen: "Das sind Erlebnisse, die einen mitnehmen." Voigts Anfrage in der Gemeindevertretung sei "grundsätzlich nicht zu beanstanden. Aber er hat sich das falsche Thema ausgesucht." Dass die Diskussion darüber derart aus dem Ruder gelaufen ist, sei dem schlechten Klima in den gemeindlichen Gremien geschuldet. Während man früher nach den Sitzungen auch nochmal gemeinsam "ein Bierchen getrunken" habe, habe dazu mittlerweile keiner mehr Lust.

Auch Peter Steil (FDP) hält die Anfrage des Grünen grundsätzlich für gerechtfertigt. Sie im Parlament zu stellen, sei jedoch "ungünstig", man hätte zunächst das persönliche Gespräch suchen sollen. So seien Gemeinde und Tour in ein schlechtes Licht gerückt worden. Bürgermeister Stefan Bechthold und der Gemeindevorstand hätten korrekt gehandelt.

Das schlechte Klima thematisierte auch Steil: "Die Atmosphäre ist stückweit vergiftet. Daran muss gearbeitet werden." Die gute Arbeit werde von derartigen Diskussionen überlagert. "Wir kommen in Schwierigkeiten, wenn keiner mehr mitarbeiten will", sagte der Anneröder mit Blick auf das ehrenamtliche Engagement der Gemeindevertreter.

Die "Tour der Hoffnung" sei zweifelsohne unterstützenswert, betonte Voigt auf Anfrage des Anzeigers. Bei seiner Anfrage im Parlament "ging es aber um etwas anderes". Dass die Gemeinde nach wie vor keinen genehmigten Haushalt habe, liege in der Verantwortung des Bürgermeisters, der nach dem Gewerbesteuereinbruch zunächst Steuererhöhungen ausgeschlossen hatte und den Weg der vorläufigen Haushaltsführung gehen wollte.

Freiwillige Leistungen gehörten laut Voigt aber "so oder so" in die Gemeindevertretung. Diese Missachtung des Parlaments finde ich falsch." Wenn man seine Anfrage als Kritik an der "Tour der Hoffnung" werten wolle, sei das "gewolltes Missverstehen".

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